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00:18 27.03.2018
Christina Rohde bei der Premiere am Freitag auf der Bühne des Jungen Theaters. Quelle: Heise
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Göttingen

Am Mittwoch wäre Peter Hacks 90 Jahre alt geworden. Das Junge Theater hat am Freitag – fast pünktlich zum Geburtstag – sein Stück „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ auf die Bühne gebracht. Christina Rohde erntete für ihre eindrucksvolle Darstellung viel Applaus.

Das 1976 uraufgeführte Monodrama für eine Schauspielerin – Herr von Stein sitzt laut Bühnenanweisung des Autors als Stoffpuppe auf einem Sessel – ist das erfolgreichste Stück von Peter Hacks (1928-2003). Laut Frankfurter Rundschau ist es einer der „faszinierendsten Monologe, die in deutscher Sprache nach 1945 geschrieben worden sind“. Das Thema Goethe freilich ist wohl eher etwas für die ältere Generation: Im Premierenpublikum im Jungen Theater sah man deutlich mehr grauhaarige Menschen, als man das sonst in diesem Haus gewohnt ist.

Feine Verbindungslinie zu den Anfängen des Hauses

Eine „richtige“ Premiere ist diese Premiere allerdings nicht. Christina Rohde hat dieses Stück bereits Ende 2012 in der Inszenierung von Ina-Kathrin Korff am Schlosstheater Celle herausgebracht. Doch das stört in keiner Weise: Der Bezug via Goethe zum „Urfaust“, mit dem das Junge Theater Göttingen 1957 erstmals an die Öffentlichkeit trat und den das JT anlässlich seines 60. Geburtstags zur Eröffnung der Saison 2017/18 erneut produzierte, schafft eine feine Verbindungslinie zu den Anfängen des Hauses.

Hacks entwirft in diesem Stück ein eigenwilliges Bild des Weimarer Dichterfürsten, ein durch und durch fiktives, in dem er aber den Eindruck vermittelt, er zeige den wirklichen Goethe und reiße so die Fassaden der späteren Verklärung ein. Über ihn lässt er Frau von Stein sagen: „Er kann gar nichts, das allerdings hervorragend“ oder „Er liebte sich ohne besonderen Grund“. Frau von Stein nennt ihn „den unbeholfensten Schöngeist, den ich je getroffen habe“.

Keine Liebe im Spiel

Auf solche kleinen Bosheiten beschränkt sich das Stück keineswegs. Denn die Protagonistin zeichnet nicht nur dieses Goethe-Bild, sondern versucht – lange Zeit mit Erfolg – ihre Überlegenheit gegenüber dem hochbegabten, aber ungehobelten Mann herauszustreichen. Sie sagt in ihrem Rückblick auf ihre zehnjährige Beziehung zu Goethe, sie habe dem jungen Flegel Manieren beigebracht und ihn damit in die Weimarer Hofgesellschaft eingepasst. Die Annahme, es könne zwischen Goethe und ihr „irgendetwas im Spiel gewesen sein, was den Namen Liebe verdient“, sei Unsinn.

Doch im Verlauf des Monologs wird immer deutlicher, dass Frau von Stein nicht etwa aus Stein ist. Anfangs selten, später öfter brechen in ihr Emotionen auf, während sie über ihr Verhältnis zu Goethe spricht. Dann ist ihr perfekt geölter Redefluss unversehens unterbrochen, bis sie sich zusammenreißt und in ihrem genau durchdachten Kalkül fortfährt. So vollzieht sich hintergründig eine dramatische Entwicklung, die in einen finalen Knalleffekt mündet. Frau von Stein ist sich sicher, dass der jüngste Brief Goethes seinen Heiratsantrag enthalten müsse. Als sie ihn aber öffnet, steht dort nur etwas übers Wetter.

Herausforderung für eine Schauspielerin

Ein solcher unglaublich textlastiger Monolog – die Göttinger Aufführung hat eine Spielzeit von gut anderthalb Stunden – ist fraglos eine Herausforderung für eine Schauspielerin, mental wie darstellerisch. Christina Rohde stellt die überlegene, beherrscht-rationale Attitüde der Frau von Stein sehr überzeugend dar und setzt dabei unterschiedliche Stimmfarben ein, variiert auch das Sprechtempo, allerdings in relativ engen Grenzen, die vielleicht weiter hätten gezogen werden können. Ihre emotionalen Ausbrüche wirken anfangs etwas weniger glaubwürdig, sind eher stilisiert als wirklich spontan. Doch als sie im Finale ihren Triumph verfehlt, entlockt sie dem Zuschauer schon eine Menge Mitgefühl.

Korff sorgt in ihrer Inszenierung für genaues Timing, das Bühnenbild (nach Bericht und Foto der Celleschen Zeitung 2012 stammt es von Wesko Rohde, das lässt der JT-Programmzettel unerwähnt) ist unaufwendig. Hübsch ist die inhaltliche Anspielung der eingespielten Zwischenmusiken: Beethovens Variationen für Cello und Klavier über das Mozart-Duett „Bei Männern, welche Liebe fühlen“.

Es gibt noch zwei Vorstellungen: Dienstag, 27. März, und Mittwoch, 2. Mai, um 20 Uhr im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6. Karten (19 Euro, ermäßigt 11 Euro) unter Telefon 05 51 / 49 50 15 oder im Internet unter junges-theater.de.

Von Michael Schäfer

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