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Regional Premiere von „Eine Familie“: Streitereien in stereo auf der Bühne des ThOP
Nachrichten Kultur Regional Premiere von „Eine Familie“: Streitereien in stereo auf der Bühne des ThOP
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13:05 27.06.2019
Premiere „Eine Familie“  im ThOP: (v.l.) Dominique Schlaak als Ivy Weston, Jella böhm als Violet Weston und Lisa Tyroller als Barbara Fordham. Quelle: Ulf Janitschke
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Göttingen

In der Hitze Oklahomas kochen die Gemüter der Familie um Matriarchin Violet Weston: Das Stück „Eine Familie“ hat am Mittwoch im ThOP Premiere gefeiert – mit Erfolg. Und das trotz der „anstrengenden Temperaturen“, wie Regisseur Andreas Hey das Klima vor und im Saal treffend beschrieb.

Der Titel des Stücks „Eine Familie“ ist Programm. In der Krise steht die Familie bekanntlich zusammen. Daher eilen die drei Töchter und die Schwester auch zu der krebskranken und tablettensüchtigen Violet, als ihr Mann Beverly – ein Schriftsteller mit Alkoholproblem – verschwindet. Doch jeder hat sein Päckchen zu tragen, jede Beziehung zwischen den Akteuren scheint belastet – und dann wirft auch noch die streitlustige Violet in einer Tour mit Gemeinheiten und schonungslosen Wahrheiten um sich. Die Eskalation ist programmiert.

Die Hitze in Oklahoma –Schauplatz des Familientreffens – feuert die überhitzten Gemüter zusätzlich an. Da war es doch irgendwie passend, dass die Premiere auf den bisher heißesten Tag des Jahres fiel und das Publikum mit den Schauspielern ins Schwitzen kam.

Weitere Vorstellungen

Weitere Vorstellungen am:

28. und 29. Juni sowie am 2., 3., 5., 6., 7., 10., 12. und 13. Juli, jeweils um 20.15 Uhr.

Für alle Vorstellungen gilt das Kulturticket für Studierende der Georg-August-Universität Göttingen und der PFH Göttingen. Tickets gibt es per E-Mail an: theaterkarten@gmail.com

Das Stück – im Original „August: Osage County“ – stammt von dem US-amerikanischen Schauspieler und Dramatiker Tracy Letts und wurde 2007 in Chicago uraufgeführt. Ein Jahr später folgte die deutsche Erstaufführung in Magdeburg. Das Bühnenstück wurde mit diversen Preisen ausgezeichnet, darunter der „Pulitzer Prize for Drama“. 2013 wurde der Stoff unter anderem mit Meryl Streep, Julia Roberts und Ewan McGregor verfilmt.

Die Version des ThOP-Ensembles ließ einen Vergleich mit der Hollywood-Produktion aber kaum zu. Trotz aller Dramatik und Psychoterror: Dank Wortwitz und Situationskomik, vom Ensemble gekonnt auf den Punkt gebracht, gab es für das Publikum mehr zu lachen als zu zaudern.

In einer aufwendigen Kulisse auf zwei Ebenen bewegen sich die zwölf Akteure in fünf teils kleinteilig eingerichteten Räumen. Der Zuschauer wird räumlich zum Gast im Hause der Violet Weston – und nimmt so fast unmittelbar an den Streitereien teil. Keine Szene bleibt ohne Auseinandersetzung, teils streiten die Figuren sogar parallel in zwei Räumen. Zum Generationenkonflikt gesellen sich Eheprobleme, enttäuschte Erwartungen und Schuldgefühle. Ein wiederkehrendes Motiv sind die Werke des amerikanischen Lyrikers und Dramatikers T.S Elliot. Vor allem seine Gedichte behandeln Themen wie Isolation und Schmerz, Zersplitterung und Hilflosigkeit im Angesicht des Zeitenwandels.

Die aufgedrehte Tante Mattie Fae, gespielt von Marion Vina, und die naive Tochter Karen, verkörpert durch Myrtha Dorothee Werner, setzen einen Kontrast zu den eher ernsten Charakteren der Töchter Barbara (Lisa Tyroller) und Ivy (Dominique Schlaak) sowie der giftspritzenden Violet (Jella Böhm). Das verleiht dem schwermütigen Stoff eine Leichtigkeit. Insgesamt schafft es das Ensemble – allen voran die aschfahl geschminkte Jella Böhm in der Rolle als Violet – das zweieinhalbstündige Stück zu einem kurzweiligen Vergnügen zu machen. Dafür gab es vom Publikum minutenlangen Applaus und Standing Ovations.

Von Verena Schulz

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