Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Zwei-Personen-Stück „Enigma“ hat Premiere im DT-X-Keller
Nachrichten Kultur Regional Zwei-Personen-Stück „Enigma“ hat Premiere im DT-X-Keller
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:00 01.02.2019
Premiere von "Enigma" im DT-X-Keller des Deutschen Theaters: (v.l.) Florian Eppinger und Ronny Thalmeyer Quelle: Haneef Baloch
Anzeige
Göttingen

Das tragische Schicksal von zwei Männern vereint sich in einer Frau: Der eine ist ihr realer Ehemann, der andere ist ein ehemaliger Liebhaber, der sie noch immer aus der Distanz angebetet. Aber was ist in der Liebe schon real oder nur imaginär? Was ist beim diesem undurchschaubaren Gefühls-Herz-Schmerz letztlich Wahrheit, Illusion oder gar Lüge? Genau um diese Fragen geht es bei dem Zwei-Personen-Stück „Enigma“ des französischen Dramatikers Eric-Emmanuel Schmitt. Die Handlung um das Rätsel der Liebe ist absurd und tragisch. Am Donnerstag hatte das Stück am Deutschen Theater in Göttingen im DT-X-Keller Premiere – und wurde vom Publikum mit viel Applaus, Bravo-Rufen und Jubel gefeiert.

Die Handlung scheint am Anfang überschaubar: Der auf einer Insel zurückgezogen lebende Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Abel Znorko empfängt den Lokaljournalisten Eric Larsen. Dieser will ihn interviewen zum neuen Briefroman, der nur aus hingebungsvollen Liebesbriefen besteht. Soweit so gut.

Liebe auf Distanz

Doch der Journalist treibt den Autor mit seinen Fragen über die beschriebene Liebe in die Enge. Schnell merkt der Zuschauer, dass der Schriftsteller zum eigenen seelischen Selbstschutz in einer Welt der Illusion lebt, einer Liebe auf Distanz – die Sehnsucht nach einer Frau aus der Ferne ist ihm innerlich weniger bedrohlich als die Nähe einer gelebten Beziehung. In seiner Selbstlüge sieht er die gelebte Liebe gar als Sklaverei. Der arrogante und emotional kalte Schriftsteller gerät immer mehr in die Defensive. Der immer detaillierter fragende Journalist gewinnt moralisch die Oberhand.

Der Autor lässt in diesem Stück drei dramaturgische Bomben explodieren — jede gibt der Handlung eine überraschend neue Wendung und desillusioniert den Literaturnobelpreisträger. Bombe Nr. 1: Der angebliche Journalist ist in Wirklichkeit der Ehemann der Frau. Bombe Nr. 2: Die angebetete Frau, von der die Liebesbriefe des Romans stammen, ist vor Jahren bereits gestorben, ohne dass der Schriftsteller dies merkte. Bombe Nr. 3: Die nach ihrem Tod trotzdem weiter geschrieben Liebesbriefe stammen vom Ehemann, der seine Frau so für sich lebendig hielt.

Verliebt in die gleiche Frau

Zum Schluss stehen sich zwei Männer fast verbündet gegenüber, die sich näher sind als sie es möchten: Verliebt in die gleiche gestorbene Frau und beide jetzt alleine. Und die Frau? Sie vereinte in sich allein zwei Liebschaften: eine reale für den Alltag und eine leidenschaftliche in ihrer Illusion – auch bei ihr ist die Liebe ein Rätsel!

Die Schauspieler Florian Eppinger als Schriftsteller und Ronny Thalmeyer als Journalist leisten Großes auf der Bühne: Ihre lebendigen Dialoge und ihre stimmliche Artikulation zwischen Verzweiflung und aggressivem Schreien packt den Zuschauer, zieht ihn tief in die Handlung. Der Bühnen- und Kostümbildner Johannes Frei hat eine nahezu leere Bühne geschaffen und den Schauspielern eine Alltagskleidung verliehen, die das Stück so lebensnah macht. Unter der Regie von Johanna Schwung und der Dramaturgie von Verena von Waldow nutzen die beiden Akteure den gesamten Raum im DT-X Keller: Sie bespielen die nahezu leere Bühne, laufen durch die Gänge, lehnen sich an Säulen und Geländer oder setzen sich auf den Klavierhocker. Das steigert die Lebendigkeit der Aufführung.

Mörderischer Notausgang

Zum Ende des aufwühlenden Stückes gerät der selbstverliebte Schriftsteller immer mehr in eine emotionale Sackgasse. Sein Selbstbetrug und die aufkommende Selbsterkenntnis werden plötzlich zu bedrohlich für sein Inneres. Sein absurder Ausweg, sein mörderischer Notausgang: Er greift zum Gewehr und stürmt mit seinem Gegenüber von der Bühne. Vom Flur her hallen Schüsse. Mit einem Mord an seinem Widersacher will er die dunkle Wahrheit seiner Liebe auslöschen – aber ein neuer Abgrund öffnet sich. Diese starke Inszenierung berührt, bewegt und lässt nachdenken über die Rätsel der Liebe.

Weitere Aufführungen: 10., 21. und 27. Februar 2019 am Deutschen Theater, Theaterplatz 11, Göttingen.

Von Udo Hinz

Er nennt sich Sick, ist 46 Jahr alt und blickt auf eine langjährige Drogenkarriere zurück. Inzwischen ist er clean und ein Youtube-Star. Sein neues Buch stellt Sick am 28. Februar in der Göttinger Musa vor.

04.02.2019

Das spanische Holzbläserquintett Azahar Ensemble musiziert in der Reihe Aulakonzerte Göttingen am Sonntag, 17. Februar, in der Aula am Wilhelmsplatz.

01.02.2019

Die in Hannover aufgewachsene Schauspielerin Katharina Müller ist neues Ensemblemitglied am DT. Neben dem Schauspiel sind Opern, Jazz und Rock’n’Roll ihre Leidenschaft.

31.01.2019