Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Proben im Göttinger JT für „Schön, dass ihr da seid!“
Nachrichten Kultur Regional Proben im Göttinger JT für „Schön, dass ihr da seid!“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:04 25.09.2014
Gemeinschaftsprojekt: Schauspieler arbeiten mit Studierenden und Bewohnern des Lagers Friedland. Quelle: Heller
Anzeige
Göttingen

Seit 1945 ist das Lager in Deutschland die erste Anlaufstelle für Vertriebene und Flüchtlinge aus unterschiedlichen Ländern.

Neben der wissenschaftlichen Auswertung ihrer Forschung, arbeiten die Studierenden mit dem Jungen Theater (JT) an einem Dokumentarstück, das ihre Forschungsergebnisse für ein breiteres Publikum öffnen soll. Die wissenschaftliche Leitung übernehmen Dr. Regina Löneke und Dr. Ira Spieker, die Regiearbeit stammt von Kai Tuchmann.

Anzeige

„Schön, dass ihr da seid!“ heißt das Stück. Richard von Weizsäcker hatte 1986 als Bundespräsident diese Worte in einer Rede in Friedland gewählt. Mit Blick auf die heutigen Debatten klingen diese Worte schal.

Schön, dass ihr da seid? Wirklich?

Die Partei AFD, die zur letzten Bundestagswahl die Slogans „Einwanderung ja. Aber nicht in unsere Sozialsysteme“ auf Plakate drucken ließ, und offen einen migrationskritischen Kurs vertritt, ist heute im Europaparlament und in den Landtagen von Thüringen, Sachsen und Brandenburg vertreten.

Auch die jüngste Entscheidung des Bundesrates, Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina als sichere Herkunftsstaaten anzuerkennen, zeichnet kein Bild deutscher Mildtätigkeit. Schön, dass ihr da seid? Wirklich?

Mit jeder aktuellen Debatte sammelt das Stück mehr Schlagkraft. Auch wenn die Studierenden einen historischen Abriss zeichnen, verrät der Blick in die Tageszeitungen, wie sehr das Thema auch heute polarisiert. „In dem kleinen Ort, vor den Toren Göttingens, findet so viel Weltpolitik statt“, beschreibt der Student Lee Hielscher seinen Eindruck von Friedland.

Das Theaterstück ist eine Montage aus unterschiedlichen Texten. Politiker, Wissenschaftler oder Künstler kommen zu Wort, wodurch das Stück seine Dynamik erhält, erklärt Tuchmann.

Positionen ganz nah aneinander bringen

„Wir haben ein Materialpool aus unterschiedlichen Quellen zusammengestellt“, beschreibt Lisa Szepan das Vorgehen der Studierenden. Aus diesen Texten, zum Teil Archivmaterial, zum Teil eigens geführte Interviews, entsteht im Gespräch mit den Theatermachern vom JT ein Stück, das am stärksten dort ist, wo die Lagerbewohner selbst sprechen.

„Wir lieben den Malzkaffee. Wir lieben diese paar Gramm Fett“, lässt Hielscher eine Figur sagen. Worte, die nach Erleichterung klingen, aber auch nachdenklich machen.

Die Stärke der Inszenierung ist es, unterschiedliche Positionen ganz nah aneinander zu bringen. Das gilt auch physisch, denn „Schön, dass ihr da seid!“ wird als Voraufführung auch am Ort des Geschehens selbst gespielt.

Von Daniela Lottmann

Die Voraufführung beginnt am Sonnabend, 25. Oktober, um 20 Uhr im Grenzdurchgangslager Friedland, Heimkehrerstraße 18. Premiere im Jungen Theater, Hospitalstraße 6, ist am Sonnabend, 1. November, um 20 Uhr.

Karten unter 05 51 / 49 50 15.

Mehr zum Thema

Seit einem Jahr tritt der kleine König dienstags beim „Sandmännchen“ im Fernsehen auf. Seitdem hat er sich immer tiefer in die Herzen der Kinder regiert. Die Sympathie für den kleinen Helden ist in der Premiere im Jungen Theater (JT) zu spüren.

23.09.2014

„Aufbruch, Umbruch – Wir im Jungen Theater starten durch“, sagt Nico Dietrich. Der neue Intendant des Hauses lässt es mit der ersten Premiere der Spielzeit 2014/15 und unter seiner Regie ordentlich krachen. Bei „Im Westen nichts Neues“ zeichnen sich oft Grauen und Entsetzen über Kriegsgräuel auf den Gesichtern der rund 150 Zuschauer im nahezu ausverkauften Jungen Theater (JT) ab.

22.09.2014

Farblich sind das Neue und das Alte vertreten: Grau und Grün. Das sind die Farben der Sitzpolster auf dem Stufenpodest im Rangfoyer des Deutschen Theaters (DT). Intendant Erich Sidler hat mit Architekt Gregor Müller erste Veränderungen umgesetzt, um Räume der Begegnung von Zuschauern und Künstlern zu schaffen.

Angela Brünjes 18.09.2014