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Regional Quadro Nuevo begeistern beim Open-Air-Tango
Nachrichten Kultur Regional Quadro Nuevo begeistern beim Open-Air-Tango
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14:26 14.07.2019
Quadro Nuevo spielen beim Open-Air-Tango im Innenhof von St. Michaelis. Quelle: Beisert
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Göttingen

Die Tango-Szene liebt es, an warmen Tagen bei Tango-Events im Freien zu tanzen –in Paris am Ufer der Seine genauso wie in Berlin auf der Museumsinsel. In Göttingen treffen sich Tangofans und -tänzer einmal im Jahr im Innenhof der Michaeliskirche an der Kurzen Straße. Dieses Jahr war der Katholischen Hochschulgemeinde als Veranstalterin ein besonderes Ereignis geglückt: Als Live-Band konnte sie für Sonnabend-Abend Quadro Nuevo gewinnen – eine schon zweimal mit dem Echo-Preis ausgezeichnete deutsche Formation zwischen Weltmusik, Jazz und Tango. Der Auftritt war für Göttingen eine kleine Sensation.

Die sehr erfolgreiche und ausgiebig tourende Band für den Auftritt zu begeistern, war das Ergebnis langer Bemühungen im Vorfeld. Paul-Peter König, Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde, reiste der Band nach, verhandelte mit den Musikern und organisierte schließlich das geforderte Klavier, dass etwas höher auf 442 Hertz gestimmt wurde, um mit dem Bandoneon zu harmonieren. Zum Schluss war alles perfekt: Die Band reist pünktlich an, die Musiker waren entspannt, die Tango-Fans begeistert und das Wetter spielte auch mit.

Por una Cabeza“ von Carlos Gardel zum Auftakt

Quadro Nuevo beginnen mit „Por una Cabeza“ von Carlos Gardel – dem großen Tango-Sänger des Goldenen Zeitalters des Tangos in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gleich spürt man die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Musiker: Andreas Hinterseher färbt die Musik am Bandoneon melancholisch, Mulo Francel gibt dem Stück auf dem Tenorsaxophon mit samtig-weichem Ton eine vornehme Eleganz, Pianist Chris Gall verleiht dem Klang des Pianos eine gewisse Härte und Bassist Didi Lowka streicht und zupft seinen sechssaitigen Kontrabass mit rhythmischer Finesse. Gerade diese Vielfalt an Ausdruck macht die Musik des 1996 gegründeten deutschen Quartetts aus. Weil an diesem Abend Tango im Mittelpunkt steht, ersetzt Pianist Gall die Harfenistin Evelyn Huber, die eigentlich zur Stammbesetzung gehört.

In der ersten Konzerthälfte präsentiert die Formation einen Ausschnitt aus ihrem abwechslungsreichen Repertoire: Ein orientalisches Stück bauen sie tranceartig mit spiralartigen Improvisationen auf, das deutsche Volklied „Die Gedanken sind frei“ interpretieren sie als Cool-Jazz-Hymne und ihre Komposition „Ikarus Dream“ verzieren sie mit leisen Soli und schwebenden Klängen. Die Musiker sind Multiinstrumentalisten: Der Akkordeonist bläst auch Trompete, der Saxophonist greift gerne zur Klarinette und der Bassist wechselt zur Perkussion. So schafft das Quartett immer neue Klangfarben.

Tanzfläche für Tango-Tänzer geöffnet

Erst im zweiten Teil des Abends widmet sich die Gruppe ganz dem Tango. Bei drei Titeln zeigt das Show-Tanzpaar Ulrike Grell und Matías Guiñazú die virtuose und grazile Seite des Tangotanzes – klischeehaft mit hochgeschlitztem Kleid und viel Bein bei der Tänzerin und tief aufgeknöpftem Hemd beim Tänzer. Anschließend ist die Tanzfläche für die zahlreichen Tango-Tänzer im Publikum geöffnet.

Quadro Nuevo hat sicher nicht die abgrundtiefe Melancholie eines Carlos Gardels und auch nicht die gnadenlose Schärfe eines Astor Piazzollas. Die Qualität dieser Band liegt woanders: Die Musiker verkörpern eine Poesie der Leichtigkeit verbunden mit Improvisationsfreude des Jazz und der Lust an der Fusion der Weltmusik. So tanzen die rund dreißig Tangopaare in der Dämmerung zu Tangos die als französische Musette daherkommen, einem dezenten Funk-Rhythmus folgen oder ihre Heimat hörbar in Griechenland haben. Zum Ende würdigt die Band den Tango-Nuevo-Avantgardisten Astor Piazzolla mit dessen berühmtem „Libertango“. Saxophonist Mulo Francel gibt diesen Titel durch ein furioses Solo auf dem Sopransaxophon ein Jazz-Flair – ganz im Sinne Piazzolla, der ja gerne mit dem Jazzsaxophonisten Gerry Mulligan arbeitete. Triviale Standard-Interpretationen von Tangos gibt es von diesen Ausnahmemusikern nicht. Dieses Quartett gibt jedem Tango eine eigene Note.

Bis kurz vor 23 Uhr drehen sich die Tango Paare im schönen Innenhof der Kirchengemeinde – hingebungsvoll eng umschlungen oder sich tief in die Augen schauend. Als Quadro Nuevo nach zwei Zugaben die Bühne verlässt, war das Tango-Event noch nicht zu Ende: Die Paare tanzten im Gemeindesaal weiter – schließlich ist die dunkle Nacht die passende Tageszeit für die Melancholie des Tangos.

Von Udo Hinz

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