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Regional Quantz-Konzert mit dem GSO in Scheden
Nachrichten Kultur Regional Quantz-Konzert mit dem GSO in Scheden
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00:27 26.04.2018
Das Göttinger Symphonie-Orchester unter Christoph-Mathias Mueller in Scheden. Quelle: el
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Scheden

Zum letzten Mal als Chefdirigent des Göttinger Symphonie Orchesters (GSO) hat Christoph-Mathias Mueller am Sonntag das traditionelle Quantz-Konzert in der Markuskirche in Scheden geleitet. Doch war von Wehmut nichts zu spüren: ein quicklebendiger, temperamentvoller Nachmittag.

Mit der klangvollen Es-Dur-Konzertouvertüre von Johann Wilhelm Willms (1772-1847) eröffnete das GSO sein Gastspiel in der nicht ganz voll besetzten Kirche. Die (nicht ganz ernsthaften) Befürchtungen Muellers, die Posaunen könnten die Mauern der Kirche sprengen, trafen zum Glück nicht zu. Denn Willms, ein Flötist und Komponist, der in Amsterdam wirkte, schreibt eine immer kultivierte, edle Musik.

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Anschließend gab es eine vorweggenommene Zugabe: Nachdem das GSO in der Woche zuvor gerade Schuberts Ouvertüre „Im italienischen Stil“ D-Dur aufgeführt hatte, setzte Mueller dieses so anmutige und spritzige Werk in Scheden zusätzlich aufs Programm, was die Zuhörer mit besonders begeistertem Beifall honorierten.

Wieselflinke Geläufigkeit

Mit dem Flötenkonzert g-Moll QV 5:193 huldigte das GSO dem größten Sohn Schedens, dem Flötenvirtuosen und Komponisten Johann Joachim Quantz, der 1697 in diesem Ort als Sohn eines Hufschmieds geboren wurde und später Flötenlehrer Friedrichs des Großen wurde.

Auf dem berühmten Bild Adolph Menzels „Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci“ sieht man Menzel in nachdenklicher Pose am rechten Bildrand stehen. Solistin in diesem Konzert war Bettina Bormuth, die Soloflötistin des GSO. Sie gestaltete ihren virtuosen Part mit fein differenziertem Ausdruck, mit wunderschön vollem, warmem, in der Höhe hell strahlendem Ton und wieselflinker Geläufigkeit in den Ecksätzen. Die sanglichen Phrasen im langsamen Mittelsatz besaßen Anmut und Grazie – ein Genuss.

Dass Quantz dieses Konzert offenbar auch für pädagogisch wertvoll hielt, zeigt der Umstand, dass er Passagen aus dem Solopart dieses Werkes in das Flöten-Übungsbuch seines königlichen Schülers eintrug.

Kecker musikalischer Humor

Mit Joseph Haydns letzter Symphonie Nr. 104 setzte Mueller in diesem Abschiedskonzert einen besonderen Schlusspunkt. Denn dieses Werk ist außergewöhnlich geistvoll, zeigt Haydns kecken musikalischen Humor ebenso wie seinen unverwechselbaren Kompositionsstil. Jede Stimme hat etwas zu sagen, es gibt keine Strecke ohne Bedeutung. Dabei wirkt die Musik trotz ihrer Gedankentiefe nirgends überfrachtet, sie ist leicht und spritzig, immer für eine Überraschung gut.

Das gestalteten die GSO-Musiker mit großer Präzision, lebendigem Ausdruck und viel Temperament. So gab es am Ende begeisterten Beifall und noch eine kurze Dankesrede von Horst Metje, dem Vorsitzenden der Johann-Joachim-Quantz-Gesellschaft Scheden. Er überreichte Mueller zum Abschied ein kleines Album mit Erinnerungen an die Quantz-Konzerte des GSO in Scheden.

Weil Metje so freundlich um eine Zugabe gebeten hatte, gab es am Ende noch einmal den Schluss des Haydn-Finales – so kurz und geschwind, dass die allermeisten Zuhörer ihren Heimweg gerade eben noch trockenen Hauptes antreten konnten, auch wenn in der Ferne schon düstere Wolken und ferne Blitze drohten.

Info: Das nächste Quantz-Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters ist am Sonntag, 31. März 2019, um 17 Uhr angesetzt. Dirigieren wird dann Nicholas Milton, der Nachfolger Muellers.

Von Michael Schäfer

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