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Regional Rafael Horzon lässt sich ganz gelassen die Show stehlen
Nachrichten Kultur Regional Rafael Horzon lässt sich ganz gelassen die Show stehlen
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17:04 10.07.2011
Starkes Team: Marc Hosemann (links) liest Rafael Horzon.
Starkes Team: Marc Hosemann (links) liest Rafael Horzon. Quelle: Heller
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Am Abend gab es eine Lesung mit einem besonderen Autor: Rafael Horzon, das umtriebige Universalgenie aus Berlin, Erfinder der Kopfkrawatte, einer Partnertrennungsagentur und der ominösen Galerie „Berlintokyo“, präsentierte sein schriftstellerisches Lebenswerk „Das weiße Buch“ (Suhrkamp 2010).

Allerdings las nicht er selbst aus dem preisgekrönten Werk, sondern der Schauspieler Marc Hosemann, der durch seine exzentrische Vortragsweise, seinem lässigen Auftritt mit Baseballmütze und kratzig kräftiger Theaterstimme dem Autor im Großen und Ganzen die Show stahl. Still und beinahe unsichtbar saß Horzon neben dem charismatischen Schauspieler, wobei doch eigentlich er selbst es war, dem die etlichen Lacher des Abends zu verdanken waren. Im Grunde sind es seine Memoiren, die er hier vorstellt und obwohl er Jahrgang 1970 ist, lohnt es sich schon jetzt, einen Rückblick zu wagen. Vorgestellt wird dabei das Kapitel über Horzons Reise in die USA, wo er in einem klapprigen Greyhoundbus eine coast-to-coast-Tour unternimmt und dabei nicht nur mit den merkwürdigsten bewusstseinserweiterden Substanzen in Berührung kommt, sondern schließlich auch die Idee für sein Möbelgeschäft ausreift und der Eröffnung eines Nachtclubs gipfelt. „Das hatte Berlin Mitte also aus mir gemacht: einen verkommenen, hochnäsigen, geldgierigen Gigolo!“ Nur wer Horzon in diesem Moment neben Hosemann sitzen sieht, begreift die unverwechselbare Ironie, vor der sein ganzes Buch nur so trieft.

Im Anschluss, gab sich Bernadette La Hengst die Ehre. Passend zu Anlass und ihrer Musik, tanzte die Musikerin ausgelassen durch den Raum und steckte so manchen der knapp 70 Sommerfestgäste mit ihrer guten Laune an. Was sie präsentiert entpuppt sich als eine One-Woman-Show. Sie ist das I-Tüpfelchen eines durch und durch ausgelassen leichten Sommerabends.

Von Indra Hesse