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Regional Rainer Merkel stellt seinen Roman „Bo“ im Literarischen Zentrum Göttingen vor
Nachrichten Kultur Regional Rainer Merkel stellt seinen Roman „Bo“ im Literarischen Zentrum Göttingen vor
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19:24 23.10.2013
Schildert bedrückende Zustände in seinem Roman „Bo“: Schriftsteller Rainer Merkel. Quelle: Pförtner
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Göttingen

In seinem Roman „Bo“, mit dem er zur Lesung „Lost in Liberia“ zu Gast im Literarischen Zentrum ist, kehrt er in das westafrikanische Land zurück.

Anne-Bitt Gerecke aus Berlin leitet das Gespräch. Sich auf den Bahamas die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen, das hätte sie einem vielbeschäftigtem Autor eher zugetraut. Sie fragt, warum es jemanden in ein Krisengebiet zieht. Weil Menschen, die in gewisser Selbst­losigkeit einfach helfen wollen, ihn interessieren, erläutert Merkel. Auch wenn er Helfer war, wird deutlich, dass er vor allem als Schriftsteller nach Afrika ging – um Menschen zu beobachten.

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Keine Betroffenheitsrhetorik

Er erzählt, wie dringend er seine Erfahrungen nach dieser Reise in Texte fassen musste. Der normale Weg wäre gewesen, erst einmal Zeit verstreichen zu lassen, erklärt der Autor aus Berlin und Dublin das übliche schriftstellerische Vorgehen. Abstand gewinnen, das habe bei ihm nicht funktioniert.

Ein im Bürgerkrieg verlorener Zeh und Bettler, die über ein paar Dollar in eine Schlägerei geraten – die vorgelesenen Textpassagen zeigen bedrückende Zustände. Trotzdem drifte der Roman nicht in Betroffenheitsrhetorik ab, wie man sie von anderen Büchern über Afrika kenne, lobt Gerecke. Vielmehr zeichne sich das Buch auch durch seine Komik aus. „Ich will jetzt nicht so ein realistisches Blindenbuch schreiben“, erklärt der Autor seine Überlegungen zu seiner Titelfigur.

„Starke afrikanische Figur“

Bo ist ein liberianischer Junge, der sich mit zwei Kindern aus Deutschland und Amerika anfreundet. Bo ist blind, aber diese Blindheit sei bewusst von ihm überhöht worden, erklärt Merkel. Gerecke nennt Bo den „Strippenzieher“ der Geschichte, Merkel definiert ihn als „starke afrikanische Figur“.

Nur schwierig lasse sich das Buch in ein Genre einordnen, meint Gerecke. Merkel begreift die Offenheit als Chance: „Mir war immer wichtig, dass das Buch nicht für eine bestimmte Zielgruppe geschrieben wird.“ Der Roman könne bei Lesern unabhängig vom Alter Gefallen finden.

Zumindest im Publikum des Literarischen Zentrums sitzen neben Erwachsenen auch viele Jugendliche. 

Von Daniela Lottmann

  • Rainer Merkel: „Bo“, S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2013, 688 Seiten, 22,99 Euro
  • Am Freitag, 25. Oktober, stellt Susanne Lange um 20 Uhr im Literarischen Zentrum, Düstere Straße 20, ihre Neuübersetzung des „Don Quijote“ vor.
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