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Regional Reimar de la Chevallerie inszeniert „Steh deinen Mann“ im Jahnstadion
Nachrichten Kultur Regional Reimar de la Chevallerie inszeniert „Steh deinen Mann“ im Jahnstadion
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16:33 18.04.2014
Von Peter Krüger-Lenz
Voller Fußballer-Begeisterung: Matthias Damberg spielt auch einen Trainer. Quelle: dpa
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Göttingen

Das haben wir gerade in einem Filmausschnitt gesehen.

Urban ist schwul und berät Fußballprofis im Umgang mit ihrer eigenen Homosexualität. Er hat den Namen eines Klienten auf dem Zettel vermerkt, den Namen eines schwulen aktiven Nationalspielers. Jetzt, am Ende der Uraufführung des Theaterstücks „Steh deinen Mann“, geschrieben von Christopher Weiß, liegt dieses Papier auf dem Fußboden der Umkleidekabine im Jahnstadion, wo die Vorstellung gerade vom Premierenpublikum mit viel Applaus bedacht wurde.

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Keiner rührt beim Rausgehen den Zettel an. Niemand will’s wissen. Das ist die gute Nachricht.

Zehn Prozent

Matthias Damberg spielt einen Amateurkicker, den eine Zahl umhaut. Zehn Prozent aller Männer fühlten sich zum gleichen Geschlecht hingezogen. Statistisch müsse das auch für seinen Fußballverein gelten. Aber wer von seinen alten Kicker-Kumpel war’s denn?

Der mit dem eleganten Übersteiger? Oder der, der immer besonders rüpelhaft war und den ersten Schnee so mochte wie auch Martin? Oder der mit den vielen Schuhen, darunter auch pinkfarbene Fußballschuhe?

Das Team um Regisseur Reimar de la Chevallerie von den Göttinger Theatermachern Boat People Projekt befragte auch Fans von Göttingen 05 und reiste nach Dortmund ins Stadion der Borussia. Vor laufender Kamera reagieren die meisten irritiert, einige cool, andere blöd. Der Erkenntnisgewinn bleibt gering, der Theaterspaß wird dadurch nicht größer.

Unmöglichkeit von Homosexualität und Fußball

Den allerdings gibt es bei einigen Szenen Dambergs, wenn er Kabinenerlebnisse von damals nachspielt. Vor allem aber, wenn er mit König Fußball (herrlich prollig: Gerd Zinck) über die Unmöglichkeit von Homosexualität in dessen Reich spricht – versucht zu sprechen. Denn wie viele DFB-Funktionäre und Vereine mauert auch König Fußball bei diesem Thema – das nicht sein kann, was nicht sein darf.

Rund eine Stunde dauert dieser Mix aus Dokumentation und Fiktion. Das ist nicht immer gleichermaßen unterhaltsam. Geklärt wird die Frage nach Homosexualität im Fußball eh nicht, aber zumindest der Blick auf Homophobie in dieser Männerszene fokussiert.

Weitere Vorstellungen sind für den 28. und 29. April sowie den 19. und 20. Mai um 15.30 und 19.30 Uhr in einer der Umkleidekabinen im Jahnstadion am Sandweg angesetzt. Eine Reihe von Schulen haben die Produktion darüber hinaus gebucht. Auch in Fußball-Vereinen könnte das Theaterteam gastieren. Die Vorstellung ist zu buchen.

Karten können unter der Telefonnummer 01 76 / 22 73 29 01 reserviert werden.