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Regional Rezension: Die Heimat, der Krieg und der goldene Westen
Nachrichten Kultur Regional Rezension: Die Heimat, der Krieg und der goldene Westen
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07:00 08.06.2019
Wolfgang Bittner bei einer Lesung im Alten Rathaus Quelle: GMAG
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Göttingen

Bittners Roman „Die Heimat, der Krieg und der Goldene Westen“ mutet biografisch an. Aus der Perspektive des Kindes, aus dem mit fortschreitender Adoleszenz der „Junge“ wird, berichtet der Autor über die Lebensverhältnisse und die historischen Ereignisse im damals deutschen Schlesien. Startpunkt der Geschichte ist um 1942, bis in die 50-er Jahre hinein erzählt Bittner seine Familiengeschichte.

Kontrovers diskutiert wird das Deutschland Hitlers im Gleiwitz des Protagonisten. Es kommen Akteure zu Wort, die dem Regime Hitlers anhängen. Um diejenigen, die das Geschehen kritisch beäugen fürchtet man bei der Lektüre unweigerlich. Bittner versteht es, die Vergangenheit so zum Leben zu erwecken, dass man sich einfühlen kann. Mit der Vertreibung aus Schlesien ist in der bis dato vergleichsweise behüteten Kinderwelt ein Bruch entstanden. Aus dem „Kind“ wird der „Junge“ – und ebenso wie der Protagonist in der Erzählung Bittners reift, wächst auch dessen Bewusstsein für die politischen Zusammenhänge und Machtspiele der Zeit.

„Politisiert euch!“, ist eine der Botschaften, die der Autor klar vermittelt. Ein Geniestreich ist dabei sicherlich die Idee, die Mutter des Jungen den „Salon“ einrichten zu lassen. Selbiger ist eine Art Stammtisch von Intellektuellen oder jenen, die es gerne wären. „Der Junge hört immer mal zu, wenn sich die Erwachsenen treffen. Aber zumeist versteht er nicht viel von dem, was da diskutiert wird“, schreibt Bittner. Seine Mutter, die zunächst als eher unpolitisch dargestellt wird, profitiert von diesen Runden deutlich.

Bittner zeichnet in seinem Roman ein Stück Geschichte nach, das nicht vergessen werden darf. Und während es ihm überzeugend gelingt die Leiden der Zeit mit dem intensiven Beziehungsgeflecht innerhalb einer Familie zu paaren, entsteht an der einen oder anderen Stelle doch der Eindruck, der Autor habe bewusst den Zeigefinger gehoben, um dem Leser seine Botschaft zu vermitteln. Dieser punktuell belehrende Ton schmälert den Lesegenuss trotzdem nur bedingt. „Die Heimat, der Krieg und der Goldene Westen“ ist Literatur, die sich zu lesen lohnt.

Wolfgang Bittner ist Schriftsteller und Publizist. Er lebt in Göttingen. Bittner hat mehr als 60 Bücher veröffentlicht, darunter die Romane „Der Aufsteiger“, „Niemandsland“ und „Hellers allmähliche Heimkehr“.

Wolfgang Bittner

„Die Heimat, der Krieg und der Goldene Westen“

Roman

Verlag zeitgeist Print & Online

352 Seiten

ISBN 978-3-943007-21-3

Von Claudia Bartels

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