Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Rufus Beck und das Göttinger Symphonie-Orchester auf dem Weg zum Mond
Nachrichten Kultur Regional Rufus Beck und das Göttinger Symphonie-Orchester auf dem Weg zum Mond
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:43 27.10.2019
Den Blick gen Himmel gerichtet: Rufus Beck beim Signieren nach der Vorstellung. Quelle: Peter Krüger-Lenz
Anzeige
Göttingen

1865 erschien der Roman, ein Science-Fiction-Frühwerk, in dem Jules Verne die Mondlandung vorwegnahm, gut 100 Jahre bevor Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Erdtrabanten setzte.

Ein Verein in Baltimore. Mitglied durfte nur werden, wer eine Kanone erfunden hatte oder mindestens eine Feuerwaffe. „Im Gun Club kam kaum ein Arm auf vier Personen, und nur zwei Beine auf sechs Mitglieder.“ Schon damals machte sich der Schriftsteller lustig über die Waffenmanie der Amerikaner.

Eine Kugel aus Gusseisen

Thema des Romans ist vor allem die Vorbereitung auf eine Fahrt zum Mond. Der Sezessionskrieg war beendet, die Waffen schwiegen. Die Mitglieder des Kanonenklubs suchten eine neue Betätigung. Der Vorsitzende Barbicane bringt die Idee der Mondfahrt ein, man ist begeistert. „Es ist des Kanonenklubs würdig, es ist Ihnen würdig“, das Nachtgestirn zu erobern. Der 37. Staat der der Vereinigten Staaten sollte der Mond werden.

Der Mathematiker James T. Maston berechnet die notwendigen Parameter. Eine Kugel aus Gusseisen, drei Meter im Durchmesser, sollte ins All geschossen werden. So hat es Autor Verne erdacht. 11 000 Meter pro Sekunde müsste ihre Anfangsgeschwindigkeit betragen. 270 Meter lang müsste das Geschütz dafür sein, errechnete Maston. 97 Stunden, 13 Minuten und 20 Sekunden soll die Reise dauern. 2,7 Millionen Euro sollte die Unternehmung kosten, kein Problem für die überaus selbstbewussten Amerikaner. Die halbe Welt beteiligt sich an der Finanzierung. Schwierigkeiten? Die könnten nur technischer Natur sein und wurden folglich nicht ernst genommen.

Überdimensionale Kanone

Beck hat diese Geschichte frei nach Jules Verne auf die Bühne gebracht. Er hat die Produktion konzipiert, Musik ausgesucht, vorzugsweise Märsche aus dem 19. Jahrhundert. Illustrationen aus dem Original hat er koloriert, berichteten die Organisatoren. In 18 Kapiteln erzählt er die Geschichte dieser Mondfahrt und benötigt dafür nur einen Zylinder, ein oder zwei Gehröcke, einen Kleiderständer – weniger Arbeitsmaterial als Holger Michalski, der mit seinem wuchtigen Kontrabass in der ersten Reihe des Göttinger Symphonie-Orchesters dicht am Publikum sitzt.

Aber Beck hat sein Charisma, seine Gestik und vor allem seine Stimme, mit der er enorm virtuos mit nur wenigen Nuancen ein ganzes Figurentableau auf die Bühne zaubert. Dass er diese Fähigkeit besitzt, hat er schon mehrfach unter Beweis gestellt, unter anderem durch das Einlesen aller Harry-Potter-Bücher. Becks Kosmos liegt an diesem Abend in den Vereinigten Staaten. Er nimmt die Besucher mit in den Kanonenklub, mit nach Tampa in Florida, dorthin also, wo die überdimensionale Kanone in die Erde gegossen wird – übrigens ganz in die Nähe von Cape Canaveral, dem aktuellen Weltraumbahnhof der Amerikaner. Und er nimmt sie mit in das All.

Zackige Märsche

Das Göttinger Symphonie-Orchester unter der Leitung des US-amerikanischen Dirigenten Jason Weaver unterstützt Beck mit großer Präzision. Die Musiker runden die Welten mit 20 Stücken ab, einer eigenwilligen Zusammenstellung vieler bekannter Melodien, darunter einige zackige Märsche. Darunter finden sich natürlich Klassiker, die ins All gerichtet sind, wie Offenbachs „Reise auf den Mond“, Haydns „Il mondo de la luna“ und Holsts „Saturn“. In der Liste tauchen Komponisten wie Debussy und Tschaikowsky auf, ziemlich bunt, aber erstaunlich homogen. Sanft schmeichelt das GSO-Filmorchester durch den Wilden Westen, dann marschiert es wieder zackig voran. Als die Kanone mit Sprengstoff beladen wird, steigert das GSO die Dramatik.

Am Ende taucht schließlich noch ein abenteuerlustiger Franzose auf. Er bringt den Kanonenclub dazu, statt einer Kugel einen Zylinder ins All zu schießen, denn Michel Ardan will mitfliegen. „Liegt das Reisen nicht die Menschen in die Blut?“, spricht Beck mit charmantem Akzent. Voller Euphorie und Optimismus befeuert er das Unternehmen: „Hurra, die Entfernung ist tot.“

Spaß mit Beck und Verne

Die Vorstellung von Rufus Beck und dem Göttinger Symphonie-Orchester am Freitagabend im PS-Speicher in Einbeck war ausverkauft. Auch für eine zweite Show am Sonntag im Deutschen Theater Göttingen gab es keine Tickets mehr. Beck zählt zu den renommiertesten Schauspielern im deutschsprachigen Raum. Erste Erfahrungen sammelte er im Heidelberger Stadttheater. Die Leinwand eroberte er als Waltraut in „Der bewegte Mann“. In Bad Hersfeld spielte er brillant den Mephisto in Goethes „Faust“. Große Bekanntheit erlangte er durch das Einsprechen der Harry-Potter-Bücher. Im PS-Speicher feierte ihn das Publikum begeistert. Geduldig signierte er im Anschluss an die Vorstellung geduldig Bücher, CDs und Eintrittskarten. Lang war die Schlange der Fans. Und noch jemandem gefiel die Vorstellung. „Hat Spaß gemacht“, sagte Kontrabassist Holger Michalski im Anschluss. „Hat alles geklappt.“

Von Peter Krüger-Lenz

Sie sind im Juni 2019 in Thorn mit dem Samuel-Bogumil-Linde-Preis ausgezeichnet worden. Im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes lasen Christoph Hein und Szczepan Twardoch im Alten Rathaus aus ihren neuesten Werken.

26.10.2019

Emilia Smechowski hat beim Göttinger Literaturherbst aus ihrem neuen Buch „Rückkehr nach Polen“ gelesen. Ein Jahr lang lebte sie in ihrer alten Heimat und beobachtete die gespaltene Bevölkerung.

25.10.2019

Macbeth: Wer ist das? Im Göttinger Kino Lumière wissen Neugierige mehr: „Stefan und Lars“ von der Comedy Company erklären dem Publikum Theater. Der Impro-Auftritt am Sonnabend, 26. Oktober, beginnt um 20 Uhr.

25.10.2019