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Regional Haut als Schutzraum
Nachrichten Kultur Regional Haut als Schutzraum
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20:00 24.03.2017
Von Peter Krüger-Lenz
Sabine Harton mit Georg Hoppenstadt bei der Vernissage.
Sabine Harton mit Georg Hoppenstadt bei der Vernissage. Quelle: Harald Wenzel
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Göttingen

In zwei kleinen Bildern Hartons taucht der Physiker und Aphoristiker (1742-1799) porträthaft auf, ansonsten ist er vor allem durch den Buckel präsent. Sie habe sich mit Lichtenberg befasst, weil er Thema aller vier Ausstellung der Kunstsequenzen sei, erklärte Harton, nicht, weil es ihr Thema sei. Deswegen habe sie sich von Lichtenberg entfernen müssen, um zu entdecken, was sie daran berühre. Gekommen ist Harton dann auf die Haut als Schutzraum, der aber auch einengen könne - beispielsweise, wenn ein Buckel sie ausbeule.

Harton zeigt in ihrer Malerei androgyne, nahezu unbekleidete Menschen mit der Andeutung eines Buckels. Eines ihrer Modelle ist wohl an diesem Abend zur Vernissage gekommen, die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen. Es sind Bilder voller Zartheit. „Vieles, was ich mache, ist ganz zart und zerbrechlich“, sagt die Künstlerin.

Eine ganze Reihe von Fragen hat sich Harton bei der Bearbeitung des Themas gestellt. Das wurde bei dem Gespräch der Künstlerin mit ihrem Kollegen Georg Hoppenstedt zur Eröffnung der Ausstellung deutlich.

„Was macht so eine Beeinträchtigung wie ein Buckel mit dem Inneren eines Menschen?“, lautete eine davon. Eine andere: „Was wäre, wenn der Buckel zur Mode würde?“ Vor diesem Hintergrund hat Harton auch die Buckel auf dem Laufsteg geformt. Viele schimmern matt, andere glänzen. Das wird nicht passieren? Wer weiß. „Ein König lässt befehlen, dass man bei Lebensstrafe einen Stein für einen Demant halten soll“, schrieb Lichtenberg vor mehr als 250 Jahren in seinen Sudelbüchern.

Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 23. April, im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1. Sie ist dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Christel Irmscher stellt als Nächste in der Reihe der Kunstsequenzen aus. Ihre Schau wird am 27. April um 19 Uhr eröffnet.