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Regional Sängerin Uschi Brüning stellt ihre Autobiografie beim Jazzfestival vor
Nachrichten Kultur Regional Sängerin Uschi Brüning stellt ihre Autobiografie beim Jazzfestival vor
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11:37 30.10.2019
Sängerin Uschi Brüning stellt ihre Autobiografie vor. Quelle: r
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Göttingen

Die Jazzsängerin Uschi Brüning war in der DDR ein Publikumsliebling – dabei sang sie sowohl Schlager, Jazzstandards wie auch Freejazz. Im Rahmen des Göttinger Jazzfestivals stellt sie am Mittwoch 6. November, ihre Autobiografie „So wie ich“ vor. Das Tageblatt unterhielt sich mit der 72-jährigen Sängerin über ihr Idol Manfred Krug, den Jazz in der DDR und die Rolle ihrer Mutter.

Wie wird man eine gute Sängerin?

Die Begeisterung für den Gesang und die Musik muss da sein. Man muss sich seine Sporen überall verdienen: man darf sich nicht zu schade sein, auch in kleinen Clubs aufzutreten und die Stimme zu trainieren – quasi learning by doing. Zudem darf man nicht eingebildet sein von sich selbst – das macht unkritisch!

Sie selber strahlen auf der Bühne eine große Warmherzigkeit aus. Woher kommt die menschliche Wärme?

Das kommt aus der Liebe zum Publikum und weil ich auf die Leute zugehe. Vielleicht hat es auch mit der Kindheit was zu tun, wo mir die Wärme fehlte. Was man nicht bekommen hat, will man trotzdem geben.

Sie haben eine so große stilistische Vielfalt von Schlager und Lied über Jazzstandards bis zum Free Jazz. Woher kommt Ihre Offenheit?

Ich bin nie eingeengt worden. Ich habe immer gesungen, was ich mochte, und habe mich auch nicht einordnen lassen. Ich habe einfach eine Liebe zum Gesang und in diese Schublade passt so vieles hinein – nicht nur Schlager, sondern auch Chanson oder Jazz.

Sängerin Uschi Brüning stellt ihre Autobiografie vor. Quelle: r

Ist der Unterschied zwischen Schlager und Jazz groß?

Ein guter Schlager hat auch etwas von Jazz, von der Freiheit einer Jazzballade oder eines Jazzstandards und wird gespielt von tollen Musikern. Wenn das Publikum merkt, dass jemand alles einbringt, dann nimmt das Publikum auch alles an. Wenn die Botschaft ins Herz dringt, kann dies ein Schlager oder Jazz sein.

Der Sänger Manfred Krug war ein wichtiger Partner und Vorbild. Was haben Sie von Ihm übernommen?

Ich habe ihn angehimmelt als junge Frau und später bewundert für sein Singen. Was ich von ihm lernen wollte – ich bin aber immer noch am Lernen – ist sein sicheres Auftreten, obwohl er immer sehr unsicher war, und dass er in allem sehr perfekt sein wollte. Auch kam ihm nichts Unbedachtes über die Lippen. Deshalb waren wir zusammen auf der Bühne eine gute Mischung, weil ich manchmal sehr spontan bin und ganz anders singe. Auch stilistisch habe ich viel von ihm in Musik gelernt.

Sie haben sich bis zum Free Jazz geöffnet. Hatten Sie hier Sängerinnen wie Maggie Nicols oder Norma Winstone als Vorbilder?

Nicht so sehr. Es ist für eine Sängerin wie für einen Instrumentalisten wichtig, sich mit einer eigenen Sprache auszudrücken. Das ist für eine Sängerin schwer, viele Sängerinnen klingen ähnlich. Ich habe mich immer an Instrumentalisten orientiert, versucht, seinen Soli hinterher zu horchen und die Frechheit und Freiheit der Free Jazz zu übernehmen.

Sie haben lange im Duo mit Ihrem Mann Ernst-Ludwig Petrowsky gearbeitet. Hat er sich auch durch Sie entwickelt?

Durch die Duoarbeit hat er gelernt, was es bedeutet, eine Sängerin zu begleiten. Das ist eine Kunst für sich, da muss man gut zuhören. So hat er auch von mir was lernen können.

Welches Image hatte Jazz in der DDR?

Jazz war zum Teil auch etwas Verbotenes. Die Musiker und das Publikum wussten, das diese Musik nicht so sehr gelitten war von der Regierung. Und das Publikum wusste gar nicht, ob ihm die Musik so gefällt. Aber es war etwas Anrüchiges, es war etwas gegen den Staat – so sind Tausende zum Festival nach Peitz gekommen. Jazz war ein Politikum. Da wurde nie drüber gesprochen, das wusste man, das lag in der Luft – das lag in der Musik.

DDR-Jazzer hatten etwas Exotisches, wenn sie im Westen spielten. Haben Sie das gespürt?

Auf jeden Fall. Da war erst mal eine große Neugierde und Offenheit da. Das Publikum war nicht voreingenommen, weil es uns meist nicht kannte. Sie haben uns so angenommen, wie wir in dem Moment waren. Das war sehr schön. Doch manchmal hat man auch Sätze gehört wie „Für die DDR ganz beachtlich“. Das war eine Unterscheidung zwischen Ost und West. Man spürte an der Bemerkung: Wir sind aus dem Osten und da gibt es auch manchmal was, was gut ist.

Was änderte sich nach dem Fall der Mauer?

Diese Exotik war schlagartig weg. Der Ost-Bonus fiel weg. Die Freundschaften mit Westmusikern waren nicht mehr relevant. Plötzlich waren wir Konkurrenten.

Am Anfang Ihrer Laufbahn trieb Ihre Mutter Sie nach Berlin zu Klaus Lenz. Welche Rolle spielte Ihre Mutter für gesamte Karriere?

Sie hat immer meinen Gesang gelobt. Als ich mal bei einer Leipziger Band abgesagt hatte, hat mir dies meine Mutter übel genommen. Sie wollte, dass ich ein besseres Leben habe und das mache, was mir Spaß macht. Sie hat gesagt, wenn ich das jetzt nicht manche, dann wäre sie enttäuscht. Meine Mutter hat mich durch ihre Liebe gefördert und bestätigt.

Sängerin Uschi Brüning stellt ihre Autobiografie vor. Quelle: cleografie

Info:Uschi Brüning gastiert am Mittwoch, 6. November, im Alten Rathaus, ab 20 Uhr. Sie liest aus ihrer Autobiografie und singt Songs, begleitet vom Pianist Lukas Natschinski. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Literarischen Zentrum Göttingen. Die AutobiografieUschi Brüning – So wie ich“ ist erschienen im Ullstein Verlag.

Das Göttinger Jazzfestival findet statt vom 2. bis 10. November 2019. Es treten u. a. auf Céline Rudolph, Edgar Knecht mit Aeham Ahmad, Kinga Glyk, Botticelli Baby, Julian Siegel, Grégory Privat, Shake Stew sowie Bill Evans. Vorverkauf: Ticketservice des Göttinger Tageblattes, Wiesenstraße 1 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt. Mehr Infos: www.jazzfestival-goettingen.de.

Von Udo Hinz

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