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Regional Willi und Peter Podewitz im Göttinger Apex
Nachrichten Kultur Regional Willi und Peter Podewitz im Göttinger Apex
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14:54 29.12.2018
Das Duo Peter und Willi Podewitz.
Das Duo Peter und Willi Podewitz. Quelle: iko Dörfer
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Göttingen

Mit viel „Rück“ und noch mehr „Blick“ haben Willi und Peter Podewitz ihren Jahresrückblick im ausverkauften Apex in Göttingen präsentiert. Titel des Premierenabends: „Jahrsager – Das Jahr im Rückspiegel“.

Rauf auf die Bühne, und dann geht es auch schon los. Ehe man sich᾽s versieht, ist man als Zuschauer schwuppdiwupp mittendrin in der Jahres-Rückschau-Show der Podewitz-Brüder, einer „Mixtur aus Comedy, Sprachwitz und Situationskomik“, wie im Veranstaltungsprogramm zu lesen ist.

Radiosatiriker mit Tempo

Die beiden Künstler, die neben ihren Bühnenauftritten regelmäßig für tagesaktuelle Radiosatire-Formate schreiben, legen ein ziemliches Tempo vor. Angst vor Pointen scheinen sie nicht zu kennen, schließlich feuern sie sie fast im Stakkato ab. Stilistisch ist deutlich, dass die Podewitzens unter anderem Bühnentexte für Bodo Bach schreiben.

Man merkt, dass die Herren routinierte Humor-Tüftler sind, die es gewohnt sind, sich die Bälle zuzuwerfen und pointierten Sprachwitz von der Leine zu lassen. Mag es an der Premierenvorstellung des Programms liegen, das – mit Ansage – ein bisschen Publikumstestcharakter hat oder am eigenen Stil: Was die Brüder auf die Bühne bringen, hat den herrlich unperfekten Charme des Improvisierten. Dass ein paar Pointen dabei sind, die nicht so richtig zünden, geschenkt. Das Programm wird ja noch nachgearbeitet.

Die Armen und die Schwachen

Das Schockierende des Jahres 2018 ist für die Brüder die Armut. „Die Armen und Schwachen am Rande der Gesellschaft, die auch gar keine Mittel haben, sich zu wehren … also, die Bundeswehr.“ Und die rückt im Inland auch aus, wenn zum Beispiel das Moor nicht so richtig brennen will. Auch interessante Fakten erfährt man. Etwa, dass die Deutsche Bahn 2018 insgesamt 15 Jahre Verspätung pro Jahr hatte.

Dieselskandal, Kreuzerlass, große Sportereignisse, Martin Schulz, Trump und AKK, Bienensterben, die Welt des Adels, Sprachassistentin Alexa und Astro-Alex, Nachrufe auf Promis, Sommerhitze und Politikercharaktere, die beim Vergleich mit Kindergartenkindern entlarvt werden – die Themenvielfalt ist beeindruckend. Auch das Höhlendrama in Thailand ist dabei. Schüler, die mit ihrem Lehrer in Dunkelheit und Kälte sitzen während drumherum die Wände bröckeln. „Das ist in Thailand ein Drama, an deutschen Schulen Alltag.“

Fiktive Reportagen, getragene Vorträge, Soloszenen, Dialoge und Gedichte zwischendurch. Das Duo sorgt für reichlich Abwechslung. Großartig ist ihr Buchtipp für den Literaturnobelpreis: das Telefonbuch in Form einer Buchrezension. Chapeau. Und der Sprachwitz mit der die „CSI DB“ antritt, nachdem der „Weichenbeschauer“ einen in der Gegend verwurzelten Täter für einen „Laubüberfall“ auf einen Zug ausgemacht hat, ist großartig.

Staubtrocken und spitzbübisch

Der podewitzsche Humor changiert zwischen staubtrocken und spitzbübisch locker aus der Hüfte. Mit viel Augenzwinkern, Spaß an der Sache und sehr kurzweilig präsentiert. Der Applaus für die Erfinder der „autoritären Unterhaltung“ war riesig und wie die Herren grinsend feststellten „vielleicht ein bisschen übertrieben“.

Von Karola Hoffmann