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Regional „Schattenseiten“ im studentischen Theater im OP
Nachrichten Kultur Regional „Schattenseiten“ im studentischen Theater im OP
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13:39 11.10.2019
Szene der aktuellen Produktion "Schattenseiten" im ThOP. Quelle: ThOP
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Göttingen

Marusa lebt im New York der 1950er-Jahre. Sie stammt aus Serbien und ist in die USA eingewandert und arbeitet in der Modebranche. Sie entwirft Kleidung und lässt sich dabei von den Großkatzen im Zoo inspirieren. Erstaunlich für eine junge Frau in dieser Szene hat sie kaum Kontakte.

Als sie wieder einmal vor dem Käfig zeichnet, lernt sie Andrew kennen. Er verliebt sich in die junge Frau und will sie näher kennen lernen. Tatsächlich verlieben die beiden sich ineinander und heiraten. Doch als Problem erweisen sich die ehelichen Pflichten – genau so nennt Andrew das, was Marusa ihm nicht geben kann. Aus Liebe und Rücksicht, denn sie glaubt an einen Fluch, der sie zur reißenden Großkatze macht, wenn große Gefühle sie hinfort reißen.

Tatsächlich lässt im Verlauf der Geschichte der eine oder andere sein Leben. Meistens vorhersagbar, manchmal aber auch überraschend.

Großes Ensemble

Regisseur Pißowotzki hat den Plot mit ganz viel Akribie inszeniert. Er hat ein großes Ensemble um sich versammelt und einen großen Wurf versucht. Das Bühnenbild hat er zweigeteilt und dabei die eine Hälfte der Zuschauerplätze stillgelegt. Fünf junge Frauen rekeln sich hinter durchsichtigem dunklen Stoff, dem Großkatzen-Käfig. Hier lauert die latente Gefahr, die über dem frisch getrauten Ehepaar schwebt. Vor dieser allgegenwärtigen Schattenwelt spielt sich die tragische Liebesgeschichte ab.

Mit vielen Klischees arbeitet Pißowotzki. Die jungen Liebenden tragen feine historische Kleidung wie auch der Therapeut (Florian Hallaschka), in dessen Hände sie sich begeben. Auch der Psychiater kommt eher als Figur denn als ein Charakter daher. Dass er irgendwann übergriffig wird, kommt doch sehr überraschend.

Wie einen Film hat Pißowotzki den Stoff in Szene gesetzt. Fein säuberlich folgt er der Geschichte, auch wenn dabei winzige Szenen herauskommen – viel Aufwand, der manchmal fast pedantisch wirkt.

Fluch oder nicht?

Zentrales Thema des Plots ist die Frage, ob Marusa tatsächlich mit einem über Generationen reichenden Fluch belegt ist oder ob sie in der neuen Welt mit Werten und Moralvorstellungen konfrontiert wird, die ihr unbekannt sind und mindestens verunsichern – ein Konflikt, der stilisiert wirkt. Bemerkenswert auch das eher konservative Rollenbild, dass das Stück transportiert.

Pißowotzki inszeniert das Ganze sehr präzise, aber auch konventionell. Nach anfänglichem Fremdeln taut sein Ensemble auf. Vor allem Philipp Schlöter gelingt sein Andrew authentisch. Yvette Rother braucht etwas mehr Zeit, um ihre Maruscha zu finden. Doch auch sie kommt ihrer Figur im Laufe des zweistündigen Abends nahe.

Rudel Großkatzen

Der Auftritt des Rudels der Großkatzen wurde von Pauline König sehr präsent choreografiert. Für die stimmig wirkenden Kostüme zeichnet Polina Berenson verantwortlich, die auch als schmeichelnde und fauchende Katze auf der Bühne zu erleben ist.

Viele Akteure aus dem ThOP-Umfeld saßen am Premierenabend im Publikum. Einige von ihnen hatten sichtlich Spaß an der Vorstellung, nicht immer an den dafür vorgesehenen Stellen. Zum Schluss gab es rauschenden und ausdauernden Beifall für das Ensemble und besonders viel Beifall für das Regieteam um Pißowotzki. Die Premierenfeier wird rauschend gewesen sein.

Weitere Vorstellungen

Neun Vorstellungen sind für die Produktion „Schattenseiten“ geplant. Gespielt wird am 12., 15., 16., 18., 19.,21., 22., 25. und 26. Oktober. Die Vorstellungen im Theater im OP, Käte-Hamburger-Weg 4 in Göttingen, beginnen um 20.15 Uhr. Karten können per E-Mail theaterkarten@gmail.com reserviert werden. Die nächste Premiere ist auf den 6. November datiert. „Gnadentod“ heißt das Stück, das dann auf dem Programm steht. Erzählt wird die Geschichte des Familienvaters Eugen Bitter, Veteran des Ersten Weltkriegs, im Jahr 1933. Er leidet auch nach 15 Jahre noch unter seinen Erlebnissen im Schützengraben.

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