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Regional Scheune in Himmelblau
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19:07 05.08.2011
Harmonisches Zusammenspiel: Ioana Ratiu und Hwa-Won Pyun, Violine, Eva-Maria Gambino und Barbara Buntrock, Viola, sowie Lena Wignjosaputro, Violoncello (von links).
Harmonisches Zusammenspiel: Ioana Ratiu und Hwa-Won Pyun, Violine, Eva-Maria Gambino und Barbara Buntrock, Viola, sowie Lena Wignjosaputro, Violoncello (von links). Quelle: EL
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Zuvor stellte Adrian Adlam, künstlerischer Leiter der Musiktage, den Komponisten in einem kurzen Gespräch vor. Kranebitter hat in diesem Trio eine musikalischer Pantomime umgesetzt. Dabei bevorzugt er eine Tonsprache, die nach seinem eigenen Bekunden „für den Außenstehenden wahrnehmbar und nachvollziehbar ist“. Er schildert in seinem Stück „verschiedene Charaktere in der Art einer Karikatur“. Dabei ist ihm wichtig, dass die Musiker auch optisch erkennen lassen, was sie darstellen. Die Vortragsangaben machen diesen Ansatz plausibel. Hier soll sich ein Musiker „ungestüm“ präsentieren, dort „cholerisch“, dann „primitiv spöttisch“. Der Titel spiegelt sich in der Form. Denn komponiert ist ein ständiges Anrennen, das letztlich scheitert, indem die Musik abbricht.

„Gegen die Wand“ ist ein sehr unterhaltsames Stück, in dem Kranebitter seine erklärte Absicht, das Pathos der zeitgenössischen Musik zu brechen, mit viel Humor umsetzt. Dass er eine ziemlich komplexe Partitur mit (eigentlich) recht vertrackten Rhythmen schreibt, war in der entspannten, souveränen Interpretation von Hwa-Won Pyun (Violine), Michael Heitzler (Klarinette) und Thierry Gavard (Kontrabass) kaum zu bemerken. Die drei Mitglieder der Camerata Freden hatten sichtlich Spaß an dieser Uraufführung, der sie zu einem respektablen Erfolg verhalfen.

Üppig umrahmt war die Novität von zwei klangschwelgerischen romantischen Werken. Mit dem Klarinettenquintett Es-Dur op. 102 von Robert Fuchs eröffneten Hwa-Won Pyun und Ioana Ratiu (Violine), Barbara Buntrock (Viola), Michael Heitzler (Klarinette) sowie Lena Wignjosaputro (Violoncello) den Abend. In diesem Werk erwies sich der Wiener Musikprofessor, zwischen 1872 und 1912 Lehrer einer ganzen Komponistengeneration, als Meister des leichtgewichtigen, graziösen Stils. Das Streichquintett F-Dur seines älteren Landsmanns Anton Bruckner – hier trat als zweite Viola Eva-Maria Gambino hinzu – ist im Vergleich dazu ein wenig salbungsvoll im Ton, aber ausgesprochen edel und im besten musikalischen Sinne wohlgesetzt. Die Musiker, allesamt hochqualifiziert, engagiert und virtuos, spielten mit viel Klangsinn und wachem Gespür für das kammermusikalische Gewebe der Stimmen. Dass draußen der Himmel wolkenschwer und die Luft regenfeucht war, wurde von den festlich-lichten Klängen in der Zehntscheune aus dem Bewusstsein gedrängt: ein österreichisches Himmelblau mitten im trüben Südniedersachsen.

Im Abschlusskonzert der Fredener Musiktage ist am Sonntag, 7. August, um 17 Uhr in der Fredener Zehntscheune noch einmal die Camerata Freden zu hören. Karten gibt es in Göttingen bei Nota bene, Burgstraße 33.

Von Michael Schäfer