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Regional Schmidtke gibt den "Hetzkasper"
Nachrichten Kultur Regional Schmidtke gibt den "Hetzkasper"
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14:00 27.11.2016
Henning Schmidtke im Apex.
Henning Schmidtke im Apex. Quelle: Heller
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Göttingen

In Northeim ist er geboren. In Göttingen hat er studiert. Und hier war er ehedem auch in der Musikerszene als Kelvin unterwegs. Im Apex hat Henning Schmidtke die Zuschauer schon mit dem ersten Satz und einem Riesen-Lacher in der Tasche. „Ich stelle immer wieder fest, dass die meisten in meinem Publikum mit dem Thema Arbeit, Stress, Hetze durch sind“, sagte Schmidtke. Und setzt mit arglosem Gesichtsausdruck noch einen drauf. „Ich musste mich erst in dieses Thema einlesen.“

Spiegel der Leistungsgesellschaft

Schmidtke reflektiert über den Leistungsdruck und entlarvt dabei das ökonomisch orientierte und menschenverachtende Weltbild dahinter. Zynische Castingshows demaskiert er als Spiegel der Leistungsgesellschaft. Und er verdeutlicht, dass der Begriff „Leistung“ im Leistungssport durchaus auch absurde Züge trägt, wenn man beim 400-Meter-Lauf nach etwa 45 Sekunden doch nur wieder am Startpunkt ankommt. Wie soll man Leistung messen? In einer wirtschaftlich denkenden Gesellschaft sei der Begriff „Leistungsträger“ doch maßgeblich durch das Kriterium „Geld haben“ bestimmt.

Leistungsdruck? Nicht mit Schmidtke. Er setzt sich hin, schlägt die Beine übereinander und schweigt erst einmal eine ganze Weile. Das leicht irritierte Publikum auch. Dann nimmt der 46-Jährigen ein uraltes Spiegel-Magazin und blättert darin. Flüchtlinge, Deutschland im Dauerwahlkampf, deutsche Banken erfinden sich neu – die aktuell wichtigen Themen seien 2003 auch schon da gewesen. Kurz darauf demonstriert er mit dem Bee-Gees-Klassiker „Stayin’ Alive“ und dem Queen-Hits „Another One Bites the Dust“ wie wichtig der Rhythmus bei einer lebensrettenden Herzmassage ist.

Darum geht's: Entschleunigung

Schmidtke hat seinen ganz eigenen Stil. Eine Mischung aus Wort und Musik, aus Kabarett, Comedy, Schauspielerei und großartigen Parodien einschlägiger Musikergrößen wie Lindenberg und Grönemeyer, aus Klavierspiel, Gesang und eigenen Kompositionen. Schmidtke ist ständig in Bewegung, setzt komödiantisch und körperbetont das um, worum es ihm geht: Entschleunigung. Mal ist er ernst, politisch, sozialkritisch und regt zum Nachdenken an, mal witzelt er unterhaltsam, albern, zynisch, schwarzhumorig. Auf gekonnt unkonventionelle Weise erweckt er den Eindruck, ganz einfach entspannt zu improvisieren.

Der Abend ist unterhaltsam und beschwingt, aber Schmidtke hat auch eine klare politische Botschaft: „Wir ziehen alle an einem Strang. Wir können nur noch miteinander und nicht gegeneinander.“

Von Karola Hoffmann