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Regional „Schnäppchen kommt von übergeschnappt“
Nachrichten Kultur Regional „Schnäppchen kommt von übergeschnappt“
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18:48 04.11.2011
Liebt Schmattfons, Sparkatze und Haschbrei: Paul Panzer in der Göttinger Stadthalle. Quelle: Heller
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Paul Panzer alias Dieter Tappert, Jahrgang 1972, wurde einem größeren Publikum durch seine aufgezeichneten Scherzanrufe bekannt, die bei diversen Radiosendern gespielt wurden. Seine charakteristische Grußformel „Panzer, ich begrüße Sie“, gefolgt von „es geht sich um folgendes“ und „wie verbleiben wir denn jetzt“ sowie das lang gezogene „Rrrichtiiig“ haben sich bei seinen Fans seither als geflügelte Wörter festgesetzt.

Inzwischen nicht mehr nur im Radio, sondern auch im Fernsehen und auf den Bühnen angekommen, präsentierte Paul Panzer nun in Göttingen sein neues Programm „Hart Backbord – Noch ist die Welt zu retten“. Von seinem großen Schiff aus begann der Comedian mit der Bemerkung „Falls ihr es noch nicht bemerkt habt, es geht abwärts mit euch Landratten“ und spielte damit auf das beherrschende Thema an: Die Zeiten werden schlechter.

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Panzer kommentierte die großen Themen unserer Zeit und versuchte sich in seiner unbeholfenen Art mit der für ihn typischen übergroßen Hornbrille und buntem Oberhemd im Kampf um die Rettung der Erde und gegen seine furchtbare Familie: Ehefrau Hilde, die immer zu viel „Hasch-brei“ (Haarspray) benutzt, Sohn Bolle („Hör mal, Bolle, die Polkappen schmelzen“ – „Egal, ich habe Alufelgen. Ist mir doch egal, was die Polen für Kappen haben, ich habe Ed Hardy“) und Tochter Susaska („Ich möchte gerne besser aussehen“ – „Ja, Susaska, dann kauf dir einen Helm“). Er sprach über Umweltkatastrophen, Diätwahn, die Null-Bock-Generation von heute („Ich habe keinen Bock, ich will ’nen coolen Job“ – „Ja, dann geh zu Bofrost“) die Finanzkrise („Schnäppchen kommt meistens von übergeschnappt“) und vieles andere mehr.

Die größten Lachanfälle löste Panzer vor allem durch seinen charakteristischen, ausgefeilten Sprachfehler aus, der das „s“ zu „tz“ werden lässt – inzwischen sein Markenzeichen – und seine irreführende Silbentrennung und grundfalsche Betonung. Die führt zu Sprachgebilden, die erst beim zweiten Hinhören einen Sinn ergeben. Und so ist meist gar nicht mehr wichtig, was er sagt, sondern vor allem, wie er es tut: ob sein unverkennbares schluchzendes Seufzen oder die resignierten Handbewegungen, „Sparkatze“ (Sparkasse) oder „Schmattfons“ (Smartphones): Das Publikum lacht Tränen.

Am Ende des Abends stellte sich dennoch die Frage: Schuldet ein Künstler seinem so außerordentlich begeisterten Publikum nicht mehr als ein auf die Minute getaktetes Programm und eine einzige, genau fünf Minuten dauernde Zugabe? Ja, das tut er, wenn sich das Publikum dermaßen enthusiastisch zeigt wie die Göttinger Fans. Und doch blieb Panzer hinter der Bühne und ließ die Lichter der Stadthalle angehen, während das Publikum noch jubelte. Bis auf diesen einen Wermutstropfen legte Panzer einen sehr gelungenen Auftritt hin, der vor allem von seiner urkomischen Erscheinung und unverwechselbaren Aussprache lebte.

Von Indra Hesse