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Regional Sehnsüchtig-wehmütige Melodien direkt ins Herz
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16:49 21.09.2012
In Hochform: die Göttinger Symphoniker am Donnerstagabend in der Stadthalle.
In Hochform: die Göttinger Symphoniker am Donnerstagabend in der Stadthalle. Quelle: Heller
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Göttingen

Alle vier Werke des Abends gehören nicht zum symphonischen Standardrepertoire. Es galt also Neues zu entdecken. Dass die Stadthalle am Donnerstag weniger gefüllt war als sonst, dürfte aber nicht unbedingt daran gelegen haben: An den Wechsel des seit Jahrzehnten gewohnten freitäglichen Konzerttermins auf Donnerstag müssen sich wohl etliche Abonnenten erst noch gewöhnen.

Wer nicht gekommen war, hat allerdings etwas versäumt. Denn das GSO präsentierte sich an diesem Abend in Hochform. Schon die einleitenden musikalischen Bilder Anatol Ljadows zeugten davon. Im „Verzauberten See“ konnte man fast die im Mondlicht blinkenden sanften Wellen vor Augen sehen, in „Baba Yaga“ den luftigen Ritt der russischen Märchenhexe durch den nächtlichen Himmel. Zauberhaft.

Technische Grenzen scheinen nicht zu existieren

Der italienische Pianist Benedetto Lupo war Solist in Alexander Skrjabins frühem Klavierkonzert fis-Moll: ein Musiker, der mit geradezu stählernen Fingern wahre Akkordgewitter losbrechen lassen kann, aber auch mit zärtlicher, sanfter Geste sehnsüchtig-wehmütige Melodien direkt ins Herz der Zuhörer transportiert. Technische Grenzen scheinen für ihn nicht zu existieren, er schüttelt auch die widrigsten Passagen aus dem Ärmel, als sei das eine leichte Übung. So war er für die zwischen lyrischer Zartheit und auftrumpfender triumphaler Geste angesiedelte Musik ein idealer Interpret, dem das Orchester unter Muellers sehr aufmerksamer Führung flexibel folgte. Mit Skrjabins zärtlich-leisem Prélude B-Dur bedankte sich Lupo für den prasselnden Applaus.

Den Gipfelpunkt hatte sich Mueller für den Schluss aufgespart, Sergej Rachmaninows dritte Symphonie, entstanden 1935/36 in der Zeit, als der Komponist in die USA übersiedelte. Rachmaninow ist hierzulande vor allem als Klavierkomponist geläufig. Seine Symphonie zeigt, dass er über Pathos und große Geste hinaus noch viele weitere Qualitäten besitzt. Hier ist es vor allem die bestechende rhythmische und die klangfarbliche Vielfalt. Mit Enthusiasmus und Präzision widmeten sich die GSO-Musiker ihren kniffligen Aufgaben, steuerten wunderschöne Soli bei und ernteten am Ende nicht nur Beifall, sondern auch spontane, hochverdiente Bravorufe. Sie galten gleichermaßen dem sichtlich für diese faszinierende Musik entflammten Dirigenten.

Von Michael Schäfer

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