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Regional Blaue Nackenschmerzen
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00:26 25.03.2018
„Self Bites Self“: Kunstwerke von Corinna Helenelund.
„Self Bites Self“: Kunstwerke von Corinna Helenelund. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

„Self Bites Self“ – so heißt die Ausstellung, die der Kunstverein Göttingen derzeit im Alten Rathaus präsentiert. Ge­meint ist mit dem Titel eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt. Zu sehen sind Werke von Viviana Abelson, AA Bronson, Corinna Helenelund, Arielle de Pinto und José Luis Viesca Rivas.

„Hier wird renoviert.“ Das soll ein Großvater seinem Enkel beim Betreten der Ausstellung gesagt haben. Der Verdacht liegt nahe, denn im Flur der Galerieräume in der ersten Etage des Alten Rathauses steht ein Gerüst, das bis unter die Decke reicht. Aufgebaut haben es allerdings nicht Handwerker, sondern die Künstlerin Abelson (geb. 1985), die das Gestänge noch mit allerlei Seilen und Gurten bestückt hat. „Combo“ nennt sie das Werk, dem sie eine Gebrauchsanweisung mitgegeben hat – „ein Vorschlag, wie man sich der Installation nähern und sie benutzen kann“ schreibt sie darin. Vertrauen sollen die Besucher zu der Konstruktion aufbauen, die Positionen der Seile auf ihre Bedürfnisse anpassen. Eine Position sollen sie finden und sich darin wohlfühlen mit gedehnten Armen und Beinen. Der Yogapraxis und dem so genannten Hängebondage sei dies entlehnt, erläutert das Erklärungsfaltblatt der Schau. Der Selbstversuch endet schließlich ein wenig unbefriedigend mit Schmerzen.

Den schönsten Raum der Schau hat die in Berlin lebende Finnin Helenelund (geb. 1985) in leuchtendem Blau gestaltet. Wie ein Insekt steht dort überdimensional ein Objekt, der Nackenschmerz. Aus einer Wolke ergießt sich ein heftiger Regen, daneben hängt eins sehr große Regenjacke. Ein Hund schmiegt sich stofflich weich an die Wand. Eine lustige Traumwelt, in der das Grauen auf der Fensterbank lauert. Kleine Fotografien von Viesca Rivas (geb. 1980) reihen sich noch an zwei Wänden, zumindest in einem weiteren taucht eines dieser Bilder auf. Der in Amsterdam lebende Mexikaner nimmt sie mit einer selbstgebauten Lochkamera auf und abstrahiert in verschiedenen Schritten das, was die Kamera einfängt. So abstrakt ist das Ergebnis schließlich, dass es keinerlei Inhalt mehr transportiert. Was zu sehen ist, erschließt sich nicht.

Das Schicksal teilen sie mit den lebensgroßen Siebdrucken, die der Kanadier Bronson (geb. 1964) präsentiert.Der sei nicht nur Künstler, sondern auch Heiler und Schamane, ein Mehrfachtalent also. Die Siebdrucke zeigen ihn während einer Performance, „ein Hybrid zwischen Gruppentherapie, zeremonieller Magie und Séance“ erklärt das Faltblatt. Bronson tappt nackt zwischen Kerzen, in der Hand und am Gesäß Federbüschel. Dem Gehalt dieser Kunst zu folgen, erfordert ein hohes Maß an Glauben an Übersinnliches.

Die Kanadierin de Pinto (geb. 1985) strickt Schmuck aus feinen Silber-, Gold- und Messingketten. Filigrane Objekte an der Schnittstelle zwischen Mode und Kunst entstehen dabei. Tragbar sollen sie sein und ihre Form beim Anlegen verlieren und eine neue gewinnen. Manchmal behinderten sie die Wahrnehmung der Trägerin, heißt es und veränderten so die Sicht auf die Dinge.

Dies ist die zweite Ausstellung, die Tomke Braun, die neue Kuratorin des Kunstvereins, erdacht und organisiert hat. Viel Raum hat sie den Kunstwerken zugedacht, viel Raum, der auch mit weiterer Kunst hätte bestückt werden können. So wirkt die Schau an einigen Stellen ein wenig dünn. Dick hingegen klingen einige erklärende Sätze des Faltblattes, die das Verständnis der Kunst eher erdrücken, als die Erkenntnis zu beflügeln. Hier wäre weniger tatsächlich mehr gewesen.

Die Ausstellung läuft bis zum Sonntag, 22. April, im Alten Rathaus Göttingen, Markt 9. Sie ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Von Peter Krüger-Lenz

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