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Regional Kolossale Klanggewalten beim Semesterkonzert von Universitätschor und Universitätsorchester
Nachrichten Kultur Regional Kolossale Klanggewalten beim Semesterkonzert von Universitätschor und Universitätsorchester
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12:30 07.07.2019
Machtvolle Klänge: Universitätschor und -orchester unter Ingolf Helm mit den Solisten Theresa Sommer, Manuel König und Jean-Christophe Fillol (von links) in Gounods Cäcilienmesse. Quelle: Schäfer
Göttingen

Universitätschor und Universitätsorchester haben am Wochenende zweimal ihr Semesterkonzert in der Göttinger Jacobikirche präsentiert. Auf dem Programm stand Musik aus Italien, Österreich und Frankreich von Verdi, Mozart und Gounod.

Mit Verdis Ouvertüre zur Oper „Die Macht des Schicksals“ eröffnete das Universitätsorchester unter der Leitung von Ingolf Helm den Abend in der gut besuchten Kirche. Auch wenn der Nachhall einige Feinheiten des Klanges schluckte, war es eine engagierte, stellenweise durchaus dramatische Darbietung – und der opernhafte Gestus bereitete schon ein wenig auf das vor, was sich am Ende des Konzerts in Gounods Cäcilienmesse ereignen sollte.

Solist Manfred Hadaschik

Zuvor aber ging es historisch rund 70 Jahre zurück zu Mozarts 1791 entstandenem Klarinettenkonzert. Hierfür hatte Helm Manfred Hadaschik, den Solo-Klarinettisten des Göttinger Symphonie-Orchesters, als Solisten engagiert: eine ausgesprochen gute Wahl. Das eröffnende Orchester-Tutti klang vielleicht noch ein wenig vorsichtig und nicht ganz so konturenscharf, wie man es sich hätte wünschen können. Doch als Hadaschik mit seinem Solopart einsetzte, war es, als bekäme die Musik Flügel.

Ungemein lebendig, geschmeidig, blühend im Ton und mit einer ganz selbstverständlichen virtuosen Sicherheit legte Hadaschik seine melodischen Linien an, ausdrucksvoll, ja beseelt. Das war vor allem im Mittelsatz, dem himmlischen Adagio, zu spüren, das Hadaschik mit bewegender Schlichtheit und inniger Tiefe gestaltete, bevor er das finale Rondo mit einer ganz federleichten Heiterkeit musizierte. Für dieses Spiel erntete er lautstarke Ovationen.

Effekt großer Besetzung

Gounods Cäcilienmesse für Chor, drei Solisten, Orchester und Orgel ist außerhalb Frankreichs nicht häufig zu hören. Dabei gehört diese Messe zu seinen kirchenmusikalischen Hauptwerken. Gounod setzt hier auf den Effekt großer Besetzung – im Original sind sechs Harfen vorgeschrieben, als tiefstes Streichinstrument wird ein „Oktobass“ verlangt, ein vier Meter hohes Instrument, das heute nicht mehr verwendet wird. Doch auch in der gängigen Symphonieorchester-Besetzung ist die angestrebte kolossale Wirkung durchaus zu verspüren.

Für Heiliges setzt Gounod in erster Linie leise und leiseste Töne ein. Die hätte Helm vielleicht noch energischer einfordern können, auch waren seine langsamen Tempi ein wenig zäh. Dafür war das Tutti-Fortissimo durchaus machtvoll, und der sehr engagiert und homogen singende Universitätschor – von Gounod gern unisono oder akkordisch eingesetzt – war bisweilen klanglich einem Opernchor vergleichbar.

Elemente der Militärmusik

Hier und da lässt der Komponist auch mit Piccoloflöte und Beckenschlägen Elemente der Militärmusik anklingen, vor allem in der mittleren der angehängten drei Fürbitten, die der Armee gewidmet ist. Im Original galten diese Fürbitten übrigens Kaiser Napoleon III. Die Zeit um 1855 in Frankreich heißt „Empire autoritaire“, und diesem Prinzip hatte sicherlich auch die Kirchenmusik zu huldigen.

Das mit etlichen Gästen verstärkte Orchester spielte zuverlässig, die drei stimmstarken Solisten – Sopranistin Theresa Sommer, Tenor Manuel König und Bass Jean-Christophe Fillol – setzten eindrucksvolle Glanzlichter. Die Lautstärke des Beifalls kam durchaus dem Fortissimo der Musiker nahe.

Die nächsten Konzerttermine von Universitätsorchester und -chor: Bruckners 4. Symphonie am 18. und 19. Januar um 19 Uhr in der Universitätsaula, Bachs h-Moll-Messe am 1. Februar um 18 Uhr und am 2. Februar um 16 Uhr in der Nikolaikirche.

Von Michael Schäfer

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