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Regional September ist Pflanzzeit
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20:34 03.09.2009
Gartenschönheit: Anemone hupehensis.
Gartenschönheit: Anemone hupehensis. Quelle: Callauch
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War es nicht gerade gestern, dass die Anemonenblüte mit den Buschwindröschen (Anemone nemorosa), den Gelben Windröschen (A. ranunculoides), den himmelblauen Strahlenanemonen (A. blanda) und den Steppenwindröschen (A. sylvestris) den Frühling einläutete? Durch den Sommer begleiteten uns Gartenanemone (A. coronaria) und im Steingarten das Berghähnlein (A. narcissiflora).

Längst sind sie vergangen, und die kühlen Nächte zeigen uns deutlich, dass die warme Jahreszeit zu Ende geht. Doch noch steht uns der schmetterlings- und blumenreiche Altweibersommer bevor. Die letzte große Blütewelle wird wieder durch Anemonen eingeleitet, die als Großstauden prächtige Frühherbstbilder zeichnen: Die Herbstanemone (A. hupehensis) und die Japanische Anemone (A. tomentosa).

Obwohl sie sich sehr ähnlich sind, lässt sich die Herbstanemone leicht durch die fast kahle Blattunterseite von der dicht filzigen Japan-Anemone unterscheiden. Neben den reinen Arten sind aber auch Kreuzungen im Handel wie „Königin Charlotte“ und „Honorine Jobert“, bei denen eine Zuordnung schwerfällt. Zu allen sollte man so großwüchsige Stauden wie Roten Wasserdost (Eupatorium purpureum), Sonnenblumen (Helianthus) und Goldruten (Solidago) pflanzen. Nicht nur der Mensch freut sich, sondern zahlreiche Insekten werden sich täglich an diesen Futterquellen laben.

Lohnende Anemonen

September ist Pflanzzeit und alle genannten Arten lassen sich leicht erwerben und an geeignete Gartenplätze pflanzen. Wer etwas genauer in die Sortimente der Staudenhändler schaut, wird gefüllte Sorten wie A. nemorosa „Alba Plena“ oder A. ranunculoides „Semiplena“ finden, die ebenso einen Versuch wert sind wie die weiße Strahlenanemone „White Splendour“ und die zweifarbige rosaweiße „Radar“. Alle Anemonen lohnen einen Kulturversuch, je nach Wuchshöhe und Blütezeit unter Gehölzen im Halbschatten, im sonnigen Steingarten, im Frühlingsblüherbeet und schließlich als Begleiter der hohen Herbststauden mit Wasserdost und Neuengland-Astern.

Nachdem wir vor drei Jahren einige Pfirsichbäumchen frisch aus der Baumschule gepflanzt hatten, konnten wir dieses Jahr erstmals mit den Sorten „Benedikt“ und „Fairhaven“ eine gute Ernte einfahren. Besonders „Benedikt“ zeigt kaum Anzeichen der gefürchteten Kräuselkrankheit und ist auch ohne einen warmen Sonderstandort als Bäumchen auf der Wiese gut wüchsig.

Leider werden Pfirsiche, aber auch andere reifende Früchte verstärkt von der Braunfäule (Monilia) befallen. Auslöser sind Verletzungen der Fruchtoberfläche durch Insekten oder Vögel, von denen dann der Pilz auf die gesamte Frucht übergreift. Dieses Jahr haben in unserer Region überdurchschnittlich viele Äpfel und Pflaumen bereits am Baum Monilia.

Bei unseren Pfirsichen nisteten sich sofort die Asiatischen Marien- oder Harlekinkäfer ein und fraßen im Team eifrig am schmackhaften Fruchtfleisch. Wieweit sie auch für die primäre Entstehung der Schadstellen verantwortlich sind, muss noch geklärt werden. Ihrem Nutzen (die 19-pünktigen Harlekinkäfer vertilgen fünfmal soviel Blattlauslarven wie der einheimische Siebenpunkt-Marienkäfer) steht also ein Schaden gegenüber, der in Weinbaugebieten, wo sie in den Wein gelangen und den Rebensaft mit ihrer bitteren Körperflüssigkeit verderben, beträchtlich ist.

Obwohl sie bereits Ende des 20. Jahrhunderts zur biologischen Schädlingsbekämpfung aus China eingeführt wurden, fallen die Harlekinkäfer jetzt erst ins Auge und machen uns den selbst gezogenen Pfirsich streitig. Dafür wird vielleicht der Blattlausbefall an Rosen und Kohl weniger. Es bleibt spannend im Garten.

Eine gute Gelegenheit, einige der erwähnten Stauden zu erwerben oder kennen zu lernen ist der folgende Termin: Sonnabend, 12. September, Pflanzenbörse ab 9 Uhr im Forstbotanischen Garten, Büsgenweg/Faßbergstraße.

Der Autor ist Kustos des Neuen Botanischen Gartens der Universität Göttingen.

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