Shantys nonstop: Musikalische Seemannskost im Göttinger Klinikum
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18:17 06.01.2020
Shanty Chor Marinekameradschaft Göttingen Quelle: r
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Göttingen

„Mit frischem Wind ins neue Jahr“ titelt Stefan Weller den Start in die Frühjahrssaison der Sonntags-Reihe im Klinikum. „Klassische Seemannslieder von Wind, Wellen und einer großen Portion Fernweh“ kündigt der Pressesprecher der Universitätsmedizin an. Der Shanty-Chor aus dem südlichsten Landkreis Niedersachsens, der ein paar Seemeilen mehr von der Küste entfernt beheimatet ist, sei auch jenseits des Leinestrands beliebt.

Auftritte in Carolinensiel oder Glücksburg hätten den Chor bis an die Waterkant von Nord- und Ostsee geführt. Der Chor habe bereits mehrere CDs aufgenommen. Die aktuelle CD „Einmal Bombay und zurück“ erschien 2018, im Jahr davor hätten die Sänger der Marinekameradschaft Göttingeneine Weihnachts-CD mit dem Titel „Wiehnacht an der Waterkant“ produziert.

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Erst die Nachrichten – dann raus aus den Betten und runter zur Bühne

Das Unterhaltungsformat im Klinikum sei 1996 gegründet worden, so Weller. Für Tag und Uhrzeit hätten die Macher keine Anleihe an der NDR-Sonntagssendung „3nach9“ genommen. In den 90er-Jahren sei es üblich gewesen, dass Patienten das Wochenende im Bettenhaus verbracht hätten – also wurde für Abwechslung gesorgt. Der Beginn „Fünf nach sieben“ sei dem Klinikrundfunk geschuldet gewesen: „Um 19 Uhr hörten viele Patienten die Kurznachrichten im Radio, deshalb haben wir fünf Minuten später begonnen.“ Jedes Konzert dauert eine Stunde.

„Kult(o)ur am Sonntag“ hat zwischen 100 und 200 Zuhörern. Patienten in Schlafanzug und Bademantel, neben sich einen Infusionsständer, sind ebenso dabei, wie Mitarbeiter, Studierende und externe Besucher, manch einer im Sonntagsanzug. Das Angebot sei grundsätzlich kostenlos, so Weller, allerdings können die Besucher Münzen oder Scheine in zwei „Spendenfrösche“ stecken. „Mit dem gesammelten Geld haben wir kürzlich unseren Flügel reparieren lassen“, sagt Weller.

Die Programmmacherin: „Eine gute Mischung“ der Genres finden

Das Programm stellt Insa Wendt zusammen. Die Mitarbeiterin der Pressestelle ist seit 2012 für das Engagement der Künstler im Einsatz. Ihr Ziel ist, „eine gute Mischung“ der Genres zu finden – „von Rock bis zarten Flötenklängen“. Auch Lesungen oder, wie im aktuellen Programm, Theaterstücke gehörten ins Konzept. „Wir möchten, dass für jeden etwas dabei ist.“ Voraussetzung bei der Auswahl sei die Güteklasse. „Wir bemühen uns um hohe Qualität“, sagt Wendt.

„Viele Künstler fragen frühzeitig an und bauen ,Kultour am Sonntag’ in ihren deutschlandweiten Tourplan ein. Und natürlich bieten wir lokalen und regionalen Künstlern eine Bühne.“ Außerdem würden „viele Mitarbeiter“, die in Chören singen oder in Bands und (kleinen) Orchestern spielen, anfragen. Sogar für die Saison 2021 lägen Angebote von Göttinger und externen Künstler vor, so Wendt.

Auf Shantys folgt Swing: Waldrandorchester spielt am 19. Januar

Nach dem Auftritt des Shanty-Chors folgt die nächste lokalen „Instanz“: Am 19. Januar spielen die Musiker des Waldrandorchesters Göttingen, die in diesem Jahr den 50. Geburtstag des Ensembles feiern. „Seit Jahrzehnten begeistert die Kapelle mit klassischem Jazz zum Tanzen und Mitswingen“, heißt es in der Ankündigung. Weiter geht’s mit dem Göttinger Gerd Endmann und Band (Singer-Songwriter-Folk, Blues und Weltmusik am 26. Januar), mit Anderlein: Am 2. Februar interpretiert das Quartett Rockmusikmit „lebensnahen deutschen Texten und Noten aus eigener Feder – „mal laut, mal leise, mal hart und mal zart“.

Das erste Konzert der Reihe „Klassik im Klinikum“ beginnt am 5. Februar um 19 Uhr im Andachtsraum (Bettenhaus II). Auf der Bühne spielen Nicolae Gutu (Akkordeon) und Marcus Sundermeyer (Cello) von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Beide seien mehrfache Preisträger renommierter europäischer Musikwettbewerbe und als Orchestermusiker und Solisten in nationalen und internationalen Ensembles tätig, so Wendt. „In ihrem rund einstündigen Konzert spielen sie ein abwechslungsreiches Programm mit Stücken von Astor Piazzolla, Camille Saint-Saëns, Gabriel Fauré und anderen.“

Den ersten Film des Jahres zeigt „Kino im Klinikum“ am Montag, 13. Januar, im Hörsaal 552. Das gesamte Programm der drei Angebote „Kult(o)ur am Sonntag“, „Klassik im Klinikum“ und „Kino im Klinikum“ steht auf www.umg.eu/patienten-besucher/umg-a-z/.

Zwei weitere Formate im Jahr und pro Semester: Kino und Klassik

Kino am Montag und Klassik am Mittwoch

Das Format „Kult(o)ur am Sonntag“ gibt es von Oktober bis etwa Ostern teilt die Pressestelle der Universitätsmedizin mit. Während des Kalenderjahrs ist das zweite Angebot angesiedelt – ebenfalls kostenlos. Im Achtwochenrhythmus heißt das Motto am ersten Mittwoch eines Monats „Klassik im Klinikum“. Das erste Konzert beginnt am 5. Februar, das zweite folgt am 8. April – bis Ende des Jahres insgesamt sechsmal, jeweils im Andachtsraum. „Darüber hinaus sind wir seit Jahren auch in den Festivalprogrammen von Literaturherbst, Jazzfestival und den Händel Festspielen vertreten“, sagt Insa Wendt.

Programmgestalter ist Manfred Günther vom Verein Klassik in der Klinik. Er vermittelt Musiker für Konzerte in Einrichtungen wie Seniorenheimen oder Kliniken. Sie studieren an der Hochschule für Musik und Theater Hannover, haben „weltweite Erfahrung und zum Teil CD’s eingespielt“, so Wendt.

Das dritte Kulturangebot trägt den Titel „Kino im Klinikum“. Das Team vom Unikino wandelt seine Devise „von Studierenden, für Studierende“ ab und zeigt pro Semester fünfmal an Montagen um 19.30 Uhr Filme für alle. Der Eintritt kostet zwei Euro plus einmalig einen „Semesterbeitrag“ von 50 Cent. Die nächsten Vorführungen sind am 13. und 27. Januar im Hörsaal 552.

Von Stefan Kirchhoff