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00:21 04.02.2019
Sick präsentiert sein Buch „Shore, Stein, Papier“. Quelle: dpa
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Göttingen

 Seinen Namen schreibt Sick mit einem Dollarzeichen am Anfang. „Ich hätte auch ein Eurozeichen genommen, wenn’s gepasst hätte“, sagt er im Telefongespräch. Ein Drogenabhängiger sei eben „ständig auf der Jagd nach Geld, um Dinge zu kaufen, die ihn krank machen“. Davon erzählt er auf der Bühne, in Youtube-Filmen und in seinem Buch. Alles heißt „Shore, Stein, Papier“, Szeneworte für Heroin, Kokain und Geld.

Mit 13 Jahren kam Sick nach Hannover, seine Mutter zog mit ihm zu einem neuen Lebensgefährten. Der habe ihm gleich zu Beginn erzählt, dass er seine Mutter Liebe, für ihn sei allerdings kein Platz, erinnert sich Sick. Er begann, Haschisch zu rauchen, „zwei Jahre lang“. Dann folgte Heroin, „da habe ich mich wirklich gut gefühlt. Das fühlt sich Jahre später immer noch gut an, selbst wenn man im Spiegel ganz anders aussieht“.

Seine Sucht finanzierte er mit Diebstählen und Einbrüchen. Damit habe mehr verdient als seine Eltern, berichtet Sick. Mit denen habe er nichts mehr zu tun gehabt und Autoritäten nicht akzeptiert. 1991 dann die erste Festnahme, die erste Verurteilung, der erste Knastaufenthalt. Seine Haltung damals: „Jetzt bin ich ein richtiger Gangster.“ Bei der zweiten Haftstrafe dann die Erkenntnis: „Das wird jetzt dein normales Leben, das eines richtige Kriminellen.“

„Das ist nicht dein Leben“

Drogen gab es auch im Gefängnis, allerdings fast ausschließlich Haschisch. Vielleicht dreimal habe er während seiner diversen Strafen Heroin genommen, sagt Sick. Doch irgendwann reifte die Erkenntnis: „Das ist nicht dein Leben, das wolltest du nie.“ Sick unterzog sich einem Entzug, weitere folgten.

2005 habe er dann angefangen mit Musik. Er erzählte seine Geschichte, eine Freund riet ihm, sie aufzuschreiben. Ein Bekannter habe schließlich eine Youtube-Fernsehkanal ergattert, berichtet Sick. Seine Geschichten erzählte er dann vor der Kamera. Dafür wurde er mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet und erhielt einen Vertrag beim Piper-Verlag. Ein Verlagsvertrag sei vorher schwierig gewesen, sagt Sick. „Wir haben doch schon Christiane“, sei die ausweichende Antwort gewesen. Gemeint war Christian F. und das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“.

Gelegentlich ein Bier

Heute gibt Sick Seminare zur Drogen- und Kriminalitätsprävention. Er ist Gesprächspartner bei Podiumsdiskussionen und geht mit seinem Buch auf Lesetour. „Ich habe mehrere Bausteine für mein neues Leben, die alle auf meinem alten gründen.“ Am 21. Januar ist er 46 Jahre alt geworden. Er hat eine Tochter und wohnt mit einer neuen Lebensgefährtin zusammen. „Ich hätte gerne noch einen Sohn“, sagt Sick.

Und dann ist da noch Sicks „Entertainment-Strang“. „Ich stehe auf der Bühne und rede wie in meinen Videos – mit Händen und Füßen.“ Videos spiele er ein und Bilder. Auch baue er sich einen Knast auf, eine Zelle. Er habe inzwischen gelernt, mit seinen Emotionen umzugehen, sagt er. Heute rauche er manchmal Cannabis und trinke gelegentlich ein Bier. Er sei schon mal angetrunken, aber nie besoffen. „Auf der Bühne darf ich der sein, der ich früher war“, sagt Sick, „eine Drecksau“. Deswegen rät er den Besuch seiner Show erst Menschen ab 16 Jahren in Begleitung, alleine erst ab 18.

Gute Herrenausstatter in der Innenstadt

Göttingen übrigens kennt Sick noch von früher. Er lacht am Telefon. Anfang der 1990er-Jahre sei er im Anschluss an seine erste Haft in Hameln immer wieder dorthin gefahren. „Dort gab es zwei oder drei richtig gute Herrenausstatter in der Innenstadt.“ Anzüge habe er in den Geschäften gestohlen und an Zuhälter in Hannover verkauft. Die hätten damals immerhin die Hälfte des Ladenpreises dafür gezahlt.

Sein Leben stellt sich Sick heute anders vor. Spießig wolle er werden, hat er mal in einem Interview gesagt. Seine Idee davon: ein Häuschen, eine Hundezucht und um die Pflanzen kümmern. Und er will „Dinge wieder gutmachen“. Dafür engagiert er sich beispielsweise bei Stigma, ein Verein von „Betroffenen für Betroffene“. Und er sagt: „Es fühlt sich mittlerweile sehr leicht an, clean zu sein.“

Sick tritt am Donnerstag, 28. Februar, in der Musa, Hagenweg 2a in Göttingen auf. Der Abend beginnt um 20 Uhr. Karten gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt.

Von Peter Krüger-Lenz

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