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Regional „Sich so richtig breitmachen“ in den Tönen
Nachrichten Kultur Regional „Sich so richtig breitmachen“ in den Tönen
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18:38 14.09.2011
Von Christiane Böhm
„Nehmen Sie die Energie mit“: Händel-Intendant Tobias Wolff leitet den „Singpause“-Chor. Quelle: Hinzmann
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In einer „Singpause“ wollen Wolff und dieser kleine, spontan entstandene Chor am Mittwochmorgen ein Stück von Georg Friedrich Händel einüben. Und damit die Vorstellung der diesjährigen Göttinger Reihe Historische Musik auflockern.

Vier Konzerte mit „vielversprechenden jungen Ensembles“ präsentiert die Händel-Gesellschaft von Oktober bis Januar in ihrem siebten Nachwuchswettbewerb, der unterstützt wird von Sartorius und Mercedes. In ihren Programmen setzen sich die Musiker auf unterschiedlichste Weise mit dem Thema „Liebe und Eifersucht“ auseinander. Die Preisträger treten bei den Internationalen Händel-Festspielen im nächsten Jahr auf.

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Mit „ke, pe, te“ geht es bei der launigen Chorprobe in den Räumen der Mercedes-Benz-Niederlassung Göttingen weiter. Gar nicht so leicht, diese stimmlosen Konsonanten in schneller Reihenfolge zu artikulieren. Schon besser geht es mit langgezogenen Huuuuhs, wie vom „Schlossgespenst Huih Buh.“ Dann kommt die Musik ins Spiel: auf dem Klavier begleitet von Michael Schäfer, Mitglied der Händelgesellschaft, werden die ersten Akkorde geprobt. Das klingt nicht schlecht, aber „nehmen Sie die Energie mit, die Sie vorhin beim Lockern hatten“, empfiehlt Wolff. Zwei Übungen weiter und zwei Halbtöne höher ist der Händelfest-Chef schon fast zufrieden mit seinen Sängern. Nur die Töne noch etwas länger, sich „so richtig breitmachen damit“, und dann kann es mit dem Singen losgehen.

Zur Einstimmung für die Mitarbeiter in Blaumann und Bürokluft gibt es den Kanon „Bruder Jakob“ – die meisten von ihnen singen nicht in einem Chor oder taten dies das letzte Mal „vor Jahrzehnten in der Schule“. Neugierig hat sie das Angebot gemacht, anfängliche Scheu weicht schnell einem Strahlen auf den Gesichtern. Singen tut gut. Und Händels „Tochter Zion“ aus dem Oratorium „Judas Maccabäus“ meistert der Chor auch im ersten Anlauf recht gut. Nur bei den hohen Tönen mogeln einige: ordentlich „viel Luft mitnehmen“ rät Wolff. Ein paar Mal die Bassstimme üben, dann die Melodie dazu. „Wunderbar“, findet Wolff und bedankt sich bei dem Chor.

Was, schon vorbei? Wer weiss, an diesem Vormittag war in der Werkstatt und den Büros sicher noch einige Male „Tochter Zion, freue dich“ zu hören.

Göttinger Reihe Historischer Musik

Das erste der vier Konzerte gibt am Donnerstag, 13. Oktober, das Trio „Ombre et Soleil“. Die Flötistinnen und die Cembalistin betonen in ihrem Programm die lebhaften Kontraste der Barockmusik. Am 17. November folgt der Auftritt von „Concordi Musici“. Die sieben Musiker setzen zahlreiche historische Instrumente ein. Das „Michaelis Consort“ bestreitet am 15. Dezember das dritte Konzert. Die vier Spezialisten für historische Aufführungspraxis spielen zusammen mit der Sopranistin Julia Kirchner. Den Abschluss bildet am 12. Januar „Le Petit Concert Baroque“. Das Cembaloduo mit Chani und Nadja Lesaulnier präsentiert Eigenbearbeitungen von Händel-Stücken. Alle Konzerte beginnen um 20 Uhr im Mercedes-Benz Center, Willi-Eichler-Straße 34. Der Vorverkauf startet am 26. September, unter anderem beim GT-Ticketservice, Telefon 05 51 / 90 12 55.