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Regional Siegerstücke des Dramatikerwettbewerbs 2009 uraufgeführt
Nachrichten Kultur Regional Siegerstücke des Dramatikerwettbewerbs 2009 uraufgeführt
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18:20 30.03.2010
Essen Chinesen Hunde? Katrin Schultheis-Joos, Marc Dück und Rolf-Dieter Franzen (von links). Quelle: Opitz
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Der Wettbewerb, der seit 2004 regelmäßig stattfindet, wird von Wild hoch gelobt: „Es ist toll, eine solche Plattform zu haben, wenn einen als Autor noch keiner kennt, und es ist schön, inszeniert zu sehen, was man geschrieben hat.“ Ob es ebenfalls ein urbaner Mythos oder die beginnende Selbststilisierung eines jungen Autors ist, dass er seinen Einakter in dreieinhalb Tagen – kurz vor Einsendeschluss – geschrieben haben will? Darauf könnte man „Die Mythenjäger“ ansetzen.

In dieser fiktiven Fernsehsendung (Inszenierung Barbara Korte, Autor Olsson) sollen Mythen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft werden. Gleichzeitig wird ein hochneurotisches Fernsehteam aufs Korn genommen. Zu sehen gibt es wenig überraschende, aber überzeugend gespielte Prototypen: Swantje Möller als dauergrinsende und stets passend kostümierte Assistentin Milly van Helsing und Tobias Wojcik als schmieriger und cholerischer Showmaster, der mit Sätzen wie „Bei dem Licht komm ich rüber wie ein Eskimo!“ an den Showmaster Heinz Wäscher aus Hape Kerkelings Mediensatire „Kein Pardon“ erinnert. Es werden Haustiere in die Mikrowelle gesteckt, Gurken vom Ventilator geköpft und die Ghostbusters machen zwischendurch ein Tänzchen. Wer Klamauk mag, kommt auf seine Kosten.

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Der Publikumsliebling an diesem Abend aber ist „bei uns/beim chinesen“ (Inszenierung Mini von Platen). Christian Engelbrechts Text, der weder festgelegte Rollen hat, noch einer eindeutigen Dramaturgie folgt, wird nicht leicht zu inszenieren gewesen sein, gelungen ist es aber. In rasanter Geschwindigkeit schlüpfen Marc Dück, Rolf-Dieter Franzen und Katrin Schultheis-Joos in unzählige Rollen, von Skin-Head über kauziges altes Ehepaar bis Krümelmonster. Jede umkreist den Mythos, dass Chinesen Hunde essen.

Wie man zum Mythos wird, damit beschäftigen sich die Protagonisten aus Daniel Wilds „pacman city blues“ (Inszenierung Peter Schubert). In der Laudatio wird Wilds Beobachtungskraft eines studentischen Milieus gelobt, zu Recht. Drei Studenten einer Wohngemeinschaft möchten heldenhaft werden, wissen aber nicht wie sie das anstellen sollen: „Wir haben nichts, wofür wir in den Kampf ziehen könnten“, heißt es. Nur Eckehard (tragischkomisch: Marc Dück) – hat bald seine verhängnisvolle Bestimmung gefunden.

Von Marie Varela

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