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Regional Siegfried will nicht aus dem Horn trinken
Nachrichten Kultur Regional Siegfried will nicht aus dem Horn trinken
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20:08 11.02.2010
Mit Vorschusslorbeeren empfangen: Jutta Wübbe als Marlene Jaschke, die Figur, die sie entwickelt hat. Quelle: Heller
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Im altbacken beigen Kostüm, mit roter Bluse, rotem Hut und der unvermeidlichen Handtasche betritt Jaschke die Bühne und erntet allein für den Auftritt gewaltigen Vorschussapplaus. Opernfan Marlene hat mit ihrer intellektuellen Freundin Hannelore („die hat Abitur“) Wagners „Ring des Nibelungen“ besucht, ganze 16 Stunden und 32 Minuten lang. In den folgenden 100 Minuten fasst sie dem Publikum das erlebte Bühnengeschehen zusammen. Weit vor dem Ring, beim Urknall („da war in Göttingen noch alles dunkel“), beginnt Jaschke. Zum Brüllen komisch, wie sie tanzend die Urtierchen imitiert um schließlich bei den Rheintöchtern Woglinde, Wellgunde und Floßhilde („wer sich zwischen Erde und Wasser nicht entscheiden konnte, wurde erst mal Nixe“) zu landen: Evolution à la Marlene.

Wübbe spielt ihr alter Ego mit kraftvoller Energie. Unglaublich präsent lässt sie sie in all ihrer Naivität und Offenheit über Theater, Musik, das Leben allgemein oder die Liebe schwadronieren. Mit unübertroffener Mimik und Gestik verleiht die Komödiantin ihrer Figur Seele und Tiefgang. Marlene trägt ihr Herz auf der Zunge. Wotans Frau „Fricka“ („die langweiligste Figur im Ring“) ist schließlich auch der Chatname von Hannelore im „Internet-50+“ („eine Vermittlung für die ganz harten Fälle“). Allerdings verläuft deren Treffen mit Chatpartner „Wotan“ an den Hamburger Landungsbrücken nicht wie erhofft. Herrlich. Gewitzt versteht Wübbe es immer wieder gesellschaftliche Kritik einzuweben, ohne den Wagnerschen roten Faden zu verlieren.

Marlene singt gerne und viel an diesem Abend: Leicht schräg und im Falsett lässt sie das glucksende Publikum an ihren gesanglichen Vorlieben teilhaben. Rührend, wie sie ihren ansonsten stummen musikalischen Mitstreiter, Herrn Griepenstroh, am Konzertflügel anbaggert („Manchmal mögen wir uns doch und manchmal mögen sie mich nicht, oder?“).

Jaschke hat das Publikum in der Hand: Minutenlang singt der ganze Saal unter ihrer Leitung („Damit Herr Griepenstroh auch mal das Gefühl hat, vor Hunderten von Geigen zu spielen“).
Den zweiten Teil des Abends spielt Jaschke mit rot-geflügeltem Helm, Speer und schimmerndem Brustpanzer als Brünnhilde. Auf der Suche nach „ihrem Siegfried“ wird sie bei einem Gast im linken Seitenparkett fündig. Doch der möchte nicht aus dem dargebotenen Horn trinken. Vermutlich kennt er die Geschichte und möchte nichts von diesem köstlichen Abend vergessen. Da erzählt Marlene lieber noch etwas vom herbstlichen „Abpilsen im Schreberverein“, wenn das letzte Bier auf der Terrasse genommen wird. Der gelungene Abend gipfelt in der Erkenntnis, dass wir alle so empfindlich seien, weil es keine Drachen mehr gebe, deren Blut uns unverwundbar mache, denn am Ende des Rings wird laut Marlene „nur noch massiv gestorben“. Wo im „Ring“ die bisherige Weltordnung endet, singt Marlene noch eine Zugabe – aus dem „Weißen Rössl“. Ein wunderbarer Abend.

Von Christoph Mischke

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