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Regional Skulpturen von Nikolai von Magnus im Göttinger Künstlerhaus
Nachrichten Kultur Regional Skulpturen von Nikolai von Magnus im Göttinger Künstlerhaus
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19:05 16.09.2013
Sucht den Kontakt zwischen Kunstwerk und Betrachter: Nikolai von Magnus. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Jede Skulptur der Ausstellung wirkt individuell. So variieren nicht nur die Ausmaße von der rund 20 Zentimeter kleinen Statuette bis zum überlebensgroßen Standbild eines Menschen, sondern auch die Anatomie wird unterschiedlich naturgetreu ausgeführt. Magnus’ Figuren pendeln damit zwischen Abstraktion und menschlichem Abbild, jedoch immer mit einem Augenzwinkern, einem kleinen Rätsel. So setzt er in der Arbeit „Volksmusik“ einer menschenähnlichen Figur ein Schneckenhaus auf den Rücken oder lässt einer Standfigur ein Pferd aus dem Bauch heraus erwachsen.

Arbeiten enthalten Zeichen

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„Es gibt unterschiedliche Entwicklungsgeschichten“, sagt der Künstler und berichtet, dass Bilder, Stimmungen oder Musikstücke ihn bei der Planung seiner Skulpturen unterstützen. Manchmal würden sich diese Stimmungen auch ändern und er müsse sein letztes Tagewerk wieder aufgeben, berichtet Magnus. Diese Bereitschaft, sich während des Produktionsprozesses auf neue Fährten locken zu lassen, sei typisch für seine Arbeit, sagt der Künstler und er beschreibt, dass er nicht von vornherein einen detaillierten Plan habe, wie eine Kreation am Ende auszusehen habe. Das führe aber auch dazu, dass der Punkt, an dem eine Skulptur fertig sei, sehr intuitiv festgestellt werden müsse.

Viele seiner Arbeiten enthalten Zeichen. „Ich habe überhaupt nichts gegen Symbole“, sagt Magnus. Seiner Ansicht nach ist das Spannende daran, dass Symbole nicht für jeden Betrachter dasselbe bedeuten und so unterschiedliche Interpretationsansätze entstehen können.
Auch Schrift sei ein wichtiges Element in seiner Arbeit, erläutert Magnus. „Wenn jemand besoffen ist und lallt, dann hat er ja trotzdem was zu sagen“, scherzt der Bildhauer und meint, den Betrunkenen nehme keiner ernst, obwohl das, was er sagen wollte, vielleicht für ihn wichtig erscheint. So hängt es auch von den Umständen ab, wie Sprache bewertet wird, so Magnus.

Schriftausführungen und Wortbedeutung

Er verweist dabei auf ein Relief, das einen Pfauenkopf zeigt und zwei Sprachelemente gegenüberstellt. „Hier“ steht dort einmal in klarer Schreibschrift in das Holz eingefräst. Darunter, weniger offenkundig und sehr ungleichmäßig im Schriftbild, ein wilder Buchstabensalat. Magnus spielt hier mit Schriftausführungen und Wortbedeutung: Dem klar definiertem „Hier“ steht etwas gänzlich Unkonkretes gegenüber. Doch ist das „Hier“ nur für den Einzelmenschen fassbar, denn es bedeutet für jeden, je nach seinem Aufenthaltsort, etwas anderes. So konfrontiert Magnus das Faktische mit dem Vagen.

Seine Kunst wirke nur mit dem Betrachter, meint Magnus, der von einem Dialog zwischen Kunstwerk und dem Menschen davor spricht. „Wenn eine Skulptur allein in einem Raum steht, ist es nur ein geformtes Stück Holz“, findet der Künstler.

► Die Ausstellung im Künstlerhaus, Gotmarstraße 1, ist bis Sonntag, 13. Oktober, dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

Von Daniela Lottmann