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Regional Slampoet Sebastian 23 in Göttinger Schule
Nachrichten Kultur Regional Slampoet Sebastian 23 in Göttinger Schule
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11:15 09.04.2019
Sebastian Rabsahl nennt sich als Autor Sebastian 23. An der Neuen IGS in Weende sprach er über die literarische Form Poetry Slam. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

„Hinfallen ist wie anlehnen, nur später.“ Dem Slampoeten Sebastian 23 kommen manchmal ganz eigenartige Vergleiche in den Sinn. Einen Eindruck seines sprachlichen Einfallsreichtums bekamen am Freitag Schüler der Neuen IGS Göttingen in Weende vermittelt. Sofern sie sich denn in der letzten Unterrichtseinheit vor den Osterferien und überhaupt zu so etwas wie zeitgemäßer Lyrik zu öffnen vermochten. Was Sebastian 23 vorträgt, ist eine Mischung aus Rap, Agitation und Poesie. Letztlich kulminiert alles in einer modernen Form von Literatur. Einen „Wortakrobaten und scharfzüngigen Denker“ nennt ihn Zeit.de.

Sebastian Rabsahl, wie der Künstler mit bürgerlichem Namen heißt, war auf Einladung der Schule in Göttingen. Mit seiner zeitgemäßen Dichtung und trotz seiner 40 Lebensjahre noch immer jugendhaften Vortragsweise könnte es einfacher werden, Schüler der 7. und der 8. Klasse an die Balladen der Klassiker heranzuführen. Das jedenfalls erhoffen sich Fachbereichsleiterin Luisa Schinkel und ihre Kollegen. Sie konnten den Poetry Slammer für zwei Unterrichtsstunden gewinnen. Er präsentierte sich und seine Kunst im Rahmen einer Veranstaltung des Literarischen Zentrums Göttingen einmal vor 13-jährigen und einmal vor 14-jährigen Schülern.

Vergleiche, die den Geist erfrischen

Rabsahl trägt in der Aula der Schule Texte vor, die wie Sprechgesang klingen. Einfache Inhalte sind das freilich nicht. Wer sein Gehirn nicht einschaltet, wird allenfalls etwas Vorbeirauschendes wahrnehmen. Viele Bilder kommen darin vor, Vergleiche, die den Geist erfrischen und ihn dorthin bringen, wo er unter Umständen seit Kinderzeiten nicht mehr war: in der ungehemmten Fantasie. „Flüsse sind Meere auf Reisen“, heißt es bei ihm. Oder: „Regen sind Wolken, die welken.“ „Schuhe sind Mützen für Füße.“ „Mauern sind sehr gerade Haufen.“ Und prompt kommt als Widerhall eine Entgegnung aus dem Publikum: „Delfine sind schwule Haie“, ruft ein Mädchen. Rabsahl amüsiert: „Ja, das kann man so sagen – wenn man 13 ist.“ Auch Frank aus Thüringen kommt in einem seiner Texte vor. Der will gerne einen politischen Führer. Aber rechts sei er nicht. Nur ein besorgter Bürger.

„Ihr könnt sein, was Ihr wollt“

Die Schüler, dazu aufgefordert, stellen Fragen. Ob er auch Gangsta-Rap mache? „Mach ich nicht“, wehrt Rabsahl ab. Wie er zu dieser Kunstart gekommen sei, will jemand wissen. „Ich habe als Schüler begonnen, Gedichte zu schreiben. Im Jahr 2000 bin ich erstmals bei einem Poetry Slam Wettbewerb aufgetreten. Ich habe gemerkt, dass mir das Spaß macht.“ Warum? „Das Schöne ist, dass jeder auftreten kann und sofort ein Publikum hat. Es ist eine lebendige Form von Literatur“, findet Rabsahl. Manchmal fließe ein Text in kurzer Zeit auf das Papier, „manchmal arbeite ich einen Monat daran“, beschreibt er die Entstehungsprozesse. Die 23 stehe für sein Lebensalter, als er einen seiner ersten Auftritte auf der Bühne hatte. Und als sich ein Schüler aus der Runde outet, er sei dann wohl ein Delfin, muntert ihn Rabsahl auf: „Dann lebe Dein Leben als Delfin. - Ihr könnt sein, was Ihr wollt.“

Rabsahl, geboren 1979, wohnhaft in Bochum, hat Geschichte studiert. Er glaubt, wie er gegenüber dem Tageblatt sagt, dass ein Mensch, der selbst zum Schreiben angeregt wird, eine andere Perspektive einnimmt gegenüber literarischen Texten. Das gelte auch für Schüler. Für sie könne Literatur gut und gerne deshalb mit einer Hemmschwelle versehen sein, weil sie weit scheint von deren Lebenswelt. „Poetry Slam ist ein Weg, um Schüler an Lyrik heranzutragen“, meint der Autor, dessen Texte auch in Buchform erschienen sind.

Der Begriff Poetry Slam kann mit Dichterwettstreit übersetzt werden. Bei Veranstaltungen dieser Art kürt das Publikum in der Regel einen Sieger.

Von Ulrich Meinhard

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