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Regional So rockt D.O.O.R. die Kirche in Scheden
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14:08 10.11.2019
Manfred Gerber und Pfarrer Gerhard Schnitzspahn bringen den Sound der 1960er und 70er Jahre in die St. Markus Kirche in Scheden. Quelle: Jörg Linnhoff
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Scheden

„Deep Organ on Rock“, kurz D.O.O.R., heißt das Darmstädter Musikprojekt um den Pfarrer und Gitarristen Gerhard Schnitzspahn und den Kirchenmusiker und Organisten Bernhardt Brand-Hofmeister. Mit Songs von Deep Purple, The Doors, Queen oder Santana war die neunköpfige Band in der St. Markus Kirche in Scheden zu Gast.

Ungewöhnliche Klänge drangen am Sonnabendabend aus der voll besetzten und in stimmungsvolles Licht getauchten Kirche in Scheden, der Heimat des bekannten deutschen Flötisten Johann Joachim Quantz. Wo sonst sakrale Gesänge zur Orgel erklingen, rockten nun neun Musiker, was die 60er- und 70er Jahre musikalisch hergeben. Ihren Namen haben sie dem epochalen Werk „Deep Purple In Rock“ entliehen. Das Projekt wurde von Schnitzspahn vor zwölf Jahren ins Leben gerufen.

Schnitzspahn und Brandt-Hofmeister standen Manfred Gerber an Saxofon und Gitarre, Manfred Horschler (Flöte, Saxofon, Gesang), Peter Groth (Trompete), Thomas Tschur und Stefan Distler (Schlagzeug und Perkussion) sowie die beiden Bassisten Daniel Massoth und Christian Schmale zur Seite.

Gewaltiges Hör- und Klangerlebnis

In dieser üppigen Besetzung brachten sie ein gewaltiges Hör- und Klangerlebnis in den Kirchenraum, das mit Live-Kameraübertragung von der Orgel-Empore und Diashow auf zwei Leinwände im Kirchenraum projiziert wurde. Auf der Leinwand waren – passend zu den Songs – neben Plattencovern Fotos von den Künstlern, historischem Zeitgeschehen, Mode oder anderen Produkten der Zeit zu sehen.

Mit „Speed King“ vom legendären „Deep Purple In Rock“ Album ließ die Band gleich einen richtigen Kracher los, gefolgt vom „Peter Gunn Theme“ aus dem Blues Brothers Film. Dem Doors Klassiker „Light My Fire“ folgte das markante Orgel-Intro zu Iron Butterflys epischem „In A Gadda Da Vida“, in der Urfassung ein Dauerbrenner von 17 Minuten Länge. In dem Stück konnten sich alle Musiker solistisch austoben. Deep Purples „Child In Time“, bezeichnete Schnitzspahn als Mutter aller Protestsongs. Saxofon und Querflöte übernahmen die Gesangslinien der einzelnen Songs.

Pause wegen Orgel-Problem

Zwischendurch gab es ein kleines Problem mit der Orgel, dass Brand-Hofmeister veranlasste, in die Orgel hineinzugehen. Dabei stellte er nicht nur fest, dass ein Ton in „der Königin aller Instrumente“ klemmt, sondern verlor bei der Aktion auch sein Handy, dass ihm – als Taschenlampe benutzt – irgendwo in das Innenleben der Orgel rutschte und eine längere Suche in der Pause nach sich zog, wie Schnitzspahn später schmunzelnd erzählte.

Zu Beginn des zweiten Sets gab es ein rhythmisches Fest mit Santana-Songs wie „Black Magic Woman“ oder „Oye Como Va“. Eine Querflöte gab im Anschluss die Gesangslinie zu Manfred Manns „Mighty Quinn“ vor. Bevor Horschler eindringlich Louis Armstrong seine Stimme zu „What A Wonderful World“ lieh, erinnert Schnitzspahn noch in einer kurzen „Predigt“ an den aktuellen 9. November in Verbindung mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, der Reichspogromnacht sowie dem Fall der Mauer.

Stimmungsvoller Abschluss

Mit Procul Harums „A Whiter Shade Of Pale“ setzten sie einen stimmungsvollen Abschluss, aber ohne Zugabe gab es kein Entkommen. Und so führte ein mächtiges Orgel-Intro direkt in Deep Purples „Smoke On The Water“ und machte das Kirchenhaus zur Disco. Nahezu alle Besucher standen von ihren Sitzen auf, tanzten und feierten die Band lautstark mit langanhaltendem, rhythmischem Klatschen.

Das D.O.O.R.-Projekt

Das Akronym D.O.O.R. steht für „Deep Organ on Rock“. Das von dem Darmstädter Pfarrer Dr. Gerhard Schnitzspahn 2007 gegründete Projekt vereint drei Klassiker zu einem neuen Erlebnis: Die Orgel als klassisches Instrument der Kirchenmusik und die in Kirchenkreisen geschätzten Posaunen- und Bläserchören mit den Instrumenten von Klassikern der Rock-Musik wie Deep Purple, Chicago, The Doors oder Santana. Das Projekt will Türen (Doors) öffnen zwischen alter und neuer Musik, die der Kirche neue Wege der Kirchenmusik eröffnet.

Für die Fusion aus Rockband, Posaunenchor und Kirchenorgel haben sie laut Schnitzspahn Stücke ausgewählt, die durch virtuose Bläser- und Orgelarrangements entsprechend geeignet sind. Die Gesangsmelodien der teils sehr unterschiedlichen Werke werden dazu durch Saxofon, Querflöte oder andere Blasinstrumenten ersetzt.

Auf diese Weise entsteht ein opulentes Hör- und Klangerlebnis, das als Multimedia-Event mit Live-Kamera und Diashow im Kirchenraum projiziert wird, der laut Bibel als das „Haus auf dem Felsen“ (englisch Rock) gilt.

Von Jörg Linnhoff

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