Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional So wird ein irischer Kinnhaken richtig platziert
Nachrichten Kultur Regional So wird ein irischer Kinnhaken richtig platziert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:48 20.11.2011
Die musikalischen Sieben: Folk-Punker Mr. Irish Bastards aus Münster im Göttinger Exil. Quelle: Theodoro da Silva
Anzeige

Im Herzen beheimatet zwischen Kleeblättern, Whiskeyfässern und rothaarigen Schafen, haben die deutschen Folk-Punker aus Göttingen und Münster dem Publikum routiniert gezeigt, wie ein irischer Kinnhaken richtig platziert wird. Musikalisch gesehen, versteht sich. Warmfideln durften die zahlreich erschienenen Fans der Inselklänge die Trauergäste der Beerdigung des Nationalheiligen „St. Patrick“ („Paddy’s Funeral“).

Nach typisch kontroverser Punk-Manier war in ihrer Wahlheimat dem Exil aber eher Feierabendlaune und bierseliges Gelage angesagt. Getrieben von zwei wilden, langhaarigen Geigern und einer ordentlichen Portion metallischem Einschlag brachte Frontmann Jan Finkhäuser mit bekannt-beliebtem Schlachtruf „Paddy‘s dead! Hooray!“ das Publikum auf Temperatur. Spätestens nach dem Traditional „Join the british army“ waren die Fans bereit für einen Ausflug an die frische Luft.

Anzeige

Man hätte es wohl nicht für möglich gehalten, aber Teil zwei des Abends sollte noch schneller und härter werden und dabei den Göttinger Kellerclub in einen Pub voller irischer Ureinwohner verwandeln. Dafür sorgten die „Bastarde“, die nach bekannten Bands wie „Flogging Molly“ und „Dropkick Murphys“ schon zu einer festen Größe in der grünen Szene gehören – mit Songs wie „I smell the blood“, „Stupid Bastard“, „Gypsy road to nowhere“ und genialen Cover-Versionen wie „You spin me right round“ (Dead or Alive) oder „Can’t touch this“ (MC Hammer).

Mit einer farbenprächtigen Instrumentierung inklusive Tin Whistle, Banjo und Akkordeon brachen die Münsteraner einen Titel nach dem anderen übers Knie, sodass für das Ordern der nächsten Runde praktisch keine Zeit mehr blieb. Die Hälfte des ergatterten Getränks wäre wahrscheinlich sowieso auf dem Boden gelandet, denn nach und nach verwandelte sich beinahe der gesamte Klub in einen bunten Moshpit in den zahlreiche Stagediver eintauchten. Ein Wunder, dass bei dem feucht-fröhlichen Flüssigkeitsaustausch die Soundanlage nicht ausfiel.

Tatkräftige Unterstützung bekamen die musikalischen Sieben, ob sie wollten oder nicht, auch von zwei Fans, die zwischen den Songs und oben ohne das Mikrofon mit „Bastards, let’s go“-Rufen eroberten. Das Publikum war ganz bei ihnen. Einmal in Rage gesprungen, wollte es immer mehr von dem charismatischen Frontmann Chris Lennon, dem fabulösen Solo-Gitarristen Moe Leceister und dem Folk-Punk-Orchester. Weit nach zwölf stand die Band immer noch auf der Bühne und machte auch keine Anstalten zu gehen: „Total geil hier! Was macht ihr nächsten Samstag?“ Es war sicher nicht ihr letzter Besuch in Göttingen.

Von Anna Kleimann