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Regional Sommerkonzert der Camerata Medica Göttingen in der Uni-Aula
Nachrichten Kultur Regional Sommerkonzert der Camerata Medica Göttingen in der Uni-Aula
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13:46 27.06.2019
Die Pianistin Miwa Hoyano und die Camerata Medica Göttingen unter Jonas Kruse in der Universitätsaula. Quelle: el
Göttingen

Die Camerata Medica hat am Mittwoch ihr Sommerkonzert in der Aula der Universität gegeben. Auf dem Programm stand Musik von Mozart und Borodin.

Dirigent ist Jonas Kruse, der an der Musikhochschule in Hannover in den Fächern Posaune und Musiktheorie ausgebildet wird und Dirigierunterricht erhält. Außerdem studiert er Musik und Physik für das Lehramt. Seit Januar 2019 leitet er alleinverantwortlich die Camerata Medica Göttingen, ein Symphonieorchester aus Studierenden der Medizin und Zahnmedizin, Ärztinnen und Ärzten sowie Mitarbeitern medizinischer Berufe, das bereits seit mehr als zehn Jahren besteht.

Kein Profiorchester, trotzdem große Linie

Es ist also kein Profiorchester. Doch in Sachen Spielfreude und Leidenschaft für die gemeinsame Sache sind Kenner und Liebhaber kaum zu schlagen – auch wenn es hier und da mal mit den Rhythmen ein wenig wackelt oder sich ein Ton verklemmt. Kleine Unfälle sind dann nicht schlimm, wenn sie die große Linie nicht stören. Und diese große Linie wussten die Instrumentalisten sehr schön zu gestalten, so gleich in Wolfgang Amadeus Mozarts Ouvertüre zu „Don Giovanni“, mit der die Camerata den Abend eröffnete: schwungvoll, auch wenn die Synkopen nicht ganz gleichmäßig waren. Den düster-dramatischen Ton dieser Musik hatte Dirigent Kruse fein herausgearbeitet.

Solistin in Mozarts d-Moll-Klavierkonzert war die aus Japan stammende Pianistin Miwa Hoyano, die bei Bernd Goetzke an der Musikhochschule Hannover studiert hat und im Februar 2018 ihr Konzertexamen erfolgreich abgeschlossen hat. Sie verfügt über große virtuose Fähigkeiten, spielt sehr ausdrucksvoll, kann ihren Anschlag nuancenreich differenzieren und ist in ihrer musikalischen Gestaltung ausgesprochen geschmackvoll. Ihr Spiel ist mal zart und anmutig, aber auch kraftvoll und energisch, immer präzise und klar konturiert. Das bewies sie in den raschen Ecksätzen ebenso wie im Mittelsatz, der wunderschönen Romanze. Im beinahe dämonischen Mittelteil dieses Satzes war die pianistische Eleganz und Glätte der Solistin sehr eindrucksvoll, doch hätte man sich bisweilen auch ein paar Zäsuren wünschen können, eher eine „atmende“ Phrasierung als die durchlaufende rasche Bewegung. Doch den Gesamteindruck konnte dies nicht trüben. Der Beifall für die Solistin und das Orchester unter dem einfühlsamen Dirigat von Kruse, der zuverlässig die Balance zwischen Solo und Tutti hielt, war von Trampeln und Bravorufen untermischt. Zum Dank spielte Miwa Hoyano Claude Debussys zartes „Clair de lune“ als Zugabe.

Rhythmisch heikle Stellen

Mit Alexander Borodins zweiter Symphonie hatte Kruse seinen Instrumentalisten ein gehöriges Stück Arbeit aufgegeben. Da gibt es rhythmisch heikle Stellen, anspruchsvolle Solopassagen, stellenweise auch Tempi, bei denen Liebhabermusiker an ihre Grenzen stoßen. Zudem fehlte krankheitshalber die Harfenistin: Sie wurde ersetzt durch den Paukenspieler der Camerata, der den Harfenpart am Flügel spielte und für den Wechsel zwischen beiden Instrumenten vor dem Finale beinahe einen Spurt einlegen musste. Doch wuchsen die Musiker an ihren Aufgaben: Mit Schwung und Leidenschaft ging es im Kopfsatz los, die raschen Horn-Repetitionen im Scherzo funktionierten erstaunlich gut, die Bläsersoli im lieblichen Andante – hervorgehoben seien Englischhorn und Horn – ebenso. Nach dem temperamentvollen Finale entlud sich die Begeisterung des vorwiegend jungen Publikums in begeistertem Schlussapplaus. Der klinische Versuch „Mozart in der Sauna“, wie Studiendekan Prof. Lorenz Trümper dieses Konzert angesichts der subtropischen Temperaturen eingangs genannt hatte, war vorzüglich gelungen.

Von Michael Schäfer

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