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Regional Sommerliche Schwere im goldenen Widerschein
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18:28 05.07.2011
Malerin mit Hang zu Ästhetik: die in Krebeck geborene Sigrid Nienstedt, die inzwischen in Hamburg lebt.
Malerin mit Hang zu Ästhetik: die in Krebeck geborene Sigrid Nienstedt, die inzwischen in Hamburg lebt. Quelle: Heller
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Außergewöhnliche Farben sind es oft, ein großer magentafarbener Himmel trifft beispielsweise auf gründunkle Berge und einen See, mutige Kontraste tragen Wucht in sich.

Die Ausstellung „Goldene Zeiten“ in der Göttinger Galerie Ahlers zeigt ähnliche und doch ganz andere Arbeiten der gebürtigen Krebeckerin, ein Großteil des Malgrundes bleibt unbemalt stehen. Unbemalt zwar, doch wurden die verwendeten Holzplatten von einer Restauratorin mit Blattgold belegt, mal fein, mal wie künstlich gekachelt. Überdeutlich zeichnet sich dann das acht mal acht Zentimeter messende Blattformat ab, dort, wo die Ränder aneinanderstoßen. Glänzend oder auch mal rau wirkt dieser Malgrund auf besondere Weise, verleiht den Platten etwas goldbarrenartig Massiges, gibt Sicherheiten vor, geht aber vor allem eine Verbindung mit den darauf liegenden Landschaften und der Malerei ein.

So als sei der untenliegende Bolusgrund, eine Grundierung die Barockmaler gerne verwendeten, nach oben gekehrt und liege nun als gelber Ocker auf den Hügeln, zieht sich eine gelblich erdige Ebene über den Goldgrund, Baumbewuchs kennzeichnet die Natur einer Steppenlandschaft. Die sachten Farbtöne, ihre sommerliche Schwere und gleichzeitige sandige Dürre treffen sich im goldenen Widerschein. An anderer Stelle schimmern die Lichter einer Stadt oder eines Schiffes über den Grund.

Die Inszenierung in der Galerie entspricht daneben allerdings der eines sakralen Raumes – ein Zitat? Violett gestrichene Wände, schwarz abgehängte Fenster, zahlreiche dicke, kniehohe weiße Kerzen. In der altchristlichen und byzantinischen Malerei heben sich seit dem vierten Jahrhundert bei Ikonen und Mosaiken die Heiligen vom goldenen Grund ab. Naturalistische Hintergründe wurden zunächst für einige Jahrhunderte abgelöst, der Raum von einer Fläche ersetzt, die die Bedeutung einer idealen, raumlosen Sphäre erhielt.

Nienstedts Landschaften holen den Raum in ihre Bilder zurück, schaffen es, dem ästhetischen Goldgrund hier und da etwas abzuringen, das das Schöne oder schöne Oberflächen feiert, ohne lange nach den Gründen oder dem Materialismus der bürgerlichen Gesellschaft zu fragen.

Die Ausstellung in der Galerie Ahlers, Düstere Straße 20, ist dienstags bis freitags von 10 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr zu sehen sowie sonnabends von 10 bis 13 Uhr.

Von Tina Lüers