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Regional Städtisches Museum Göttingen: Engel wieder zurück
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16:58 14.08.2019
Stifterin Ingrid Falkenreck (Vorstandsmitglied der Falkenreck-Stiftung) mit Museumsleiter Ernst Böhme neben einem der restaurierten Engel, die zum Spenden auffordern. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Finanziert wurde die Restaurierung der gusseisernen Engel von der „Dipl.-Ing. Horst und Dr. Ingrid Falkenreck-Stiftung“. Sie wurde 2001 in Hannover gegründete und fördert Projekte der Denkmalpflege, Kunst und Kultur.

Zur Rückkehr waren Ingrid Falkenreck und Klaus Kohlbrenner vom Vorstand der Stiftung nach Göttingen gekommen. Falkenreck erzählt, sie habe erst verschiedentlich Berichte von den Engeln gehört, dann auch ein Foto der Figuren gesehen und sich entschieden, sie restaurieren zu lassen.

Fast zwei Jahren hat die Restaurierung gedauert, jetzt sind die Spenden-Engel wieder zurück im Städtischen Museum Göttingen. Eine niedrige fünfstellige Summe haben die Arbeiten laut Museum gekostet.

Glimmern für Lebendigkeit

Die Restauratorin Vera Fendel in Hannover wurde mit der Aufgabe betraut. Sie habe die alte Farbe abgenommen und Materialproben, erklärt Fendel. Die Ursprungsfärbung habe sie allerdings nicht mehr bestimmen können. Gemeinsam mit dem Göttinger Museumsleiter Ernst Böhme sei dann in einem längeren Prozess die Wahl auf einen Schwarzton gefallen, „der ein wenig glimmert“, erklärt die Restauratorin. „Damit bekommt er eine andere Lebendigkeit.“

Dem zweiten Engel wurde in Göttingen übel mitgespielt, sagt die Restauratorin. Der Kopf sei abgenommen und wie alle Öffnungen mit Beton ausgegossen worden. Zudem hätten ihn Handwerker abgestrahlt, was jegliche Spuren des ursprünglichen Anstrichs vernichtet habe. In ihrer Werkstatt habe sich der Kopf zudem verschoben, weil er nur notdürftig angebracht gewesen sei. Allerdings sei dieser Engel auch keiner der Originalgüsse, sondern ein Nachguss aus den 1890er-Jahren. Etwa 330 Kilogramm bringe das Original auf die Waage, der Zweite wegen einer anderen Legierung etwa 30 Kilogramm mehr.

Engel an den Göttinger Toren

Fendel kann auch einiges über die Herkunft der Engel berichten. Der hannoversche Pastor Hermann Wilhelm Bödeker habe die Idee gehabt, Spenden-Engel an verschiedenen Orten in Hannover aufzustellen. Der Künstler Georg Ludwig Hurtzig (1812-1865) entwarf die Figuren, 15 gusseiserne Exemplare sollen in Königshütte in Bad Lauterberg im Jahr 1854 schließlich gegossen worden sein. Drei der Spenden-Engel wurden später in Göttingen aufgestellt – der erste laut einem Bericht in den Göttinger Monatsblättern 1858 am Alleetor, dem Beginn der Goetheallee an der Berliner Straße. Zu Neujahr 1875 folgte der bittende Engel II, der seinen Platz am Geismartor links neben dem steinernen Löwen fand. Wieder einige Jahre später, 1896, kam der Spenden-Engel III nach Göttingen. Er wurde am Albanitor installiert.

Tatsächlich wurde Geld in die Spendenboxen geworfen. Später kamen Wunsch- oder Bittzettel dazu, berichtet Fendel. „Weltgeschichte, Sozialgeschichte, da wurde alles gewünscht.“ Museumsleiter Böhme nennt dies „typisch für Göttingen“ und datiert es vor allem auf die Zeit zwischen 1900 und 1930. Fendel erinnert sich vor allem an zwei überlieferte Bitten: „Ich wünsche mir, dass mein Papa nicht so oft ins Wirtshaus geht.“ Der zweite Wunsch bezieht sich auf Kleidung: „Was für eine Mode, wo die Frauen die Kleider über die Straße schleifen“, zitiert sie. Das solle aufhören.

Verschlossene Spendenbox

Einer der beiden Engel steht nun wieder auf dem Platz im Vorgarten des Museums neben dem Haupteingang, von dem er zur Restaurierung vor nahezu zwei Jahren entfernt worden war. Dessen Spendenbox ist nach wie vor intakt. Der zweite Engel steht etwas abseits auf der linken Seite des Vorgartens. Dessen Spendenbox ist verschlossen. Früher sei kein Geld in den Kästchen gelandet. Für die Zukunft zeigt sich Böhme da auch wenig optimistisch.

Die Falkenreck-Stiftung

Im Jahr 2001haben Horst Falkenreck und seine Ehefrau Ingrid die „Dipl.-Ing. Horst & Dr. Ingrid Falkenreck-Stiftung“ gegründet. Ziel der Stiftung sei es, weniger öffentlichkeitswirksame Projekte zu unterstützen, berichtet Klaus Kohlbrenner, Mitglied im Stiftungsvorstand und Mitarbeiter einer Bank. Neben kleineren Denkmälern wie den Spenden-Engeln finanzierten sie beispielsweise auch ein Fagott für eine Musikstudentin, die sich ein solch teures Instrument nicht habe leisten können. Die Kinder- und Jugendförderung habe sich vor allem auch die Medizinerin Ingrid Falkenreck auf die Fahnen geschrieben. Sie berichtet von drei Türen in einer repräsentativen Villa, ursprünglich im Besitz einer jüdischen Familie, heute Eigentum einer Gewerkschaft, die das Gebäude nicht zurückgeben wolle. Die Toren allerdings sollen schon restauriert werden. Bereits in den Jahren 2004/05 finanzierte die Stiftung die Restaurierung eines Spenden-Engels auf dem Stöckener Friedhof in Hannover. Ein weiterer auf dem Friedhof der Jakobigemeinde in Kirchrode kam 2015 dazu.

Von Peter Krüger-Lenz

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