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Regional St. Jacobi: „Wiener Abend“ findet großen Anklang
Nachrichten Kultur Regional St. Jacobi: „Wiener Abend“ findet großen Anklang
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19:19 20.06.2013
In voller Pracht: die Kantorei St. Jacobi und die Jenaer Philharmonie.
In voller Pracht: die Kantorei St. Jacobi und die Jenaer Philharmonie. Quelle: Heller
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Göttingen

Darüber hinaus erklangen die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 op.72b und die Messe C-Dur op. 86, die durch die Solisten Simone Schwark (Sopran), Nicole Dellabona (Alt), Clemens Löschmann (Tenor) und Konstantin Heintel (Bass) bereichert wurde.

Verstörung der Zeitgenossen

Die Messe, 1807 uraufgeführt, gehört zu den wenigen geistlichen Werken Beethovens und verstörte damalige Zeitgenossen zunächst. Vor allem, dass der Komponist das tradierte Schema von geschlossenen Solopassagen und Chören aufbricht und die vier Solisten in eine Art Dialog mit dem Chor und dem Orchester stellt, stieß damals auf Unbehagen und Ablehnung.

Zur gleichen Zeit entstanden die 5. Symphonie und die Leonoren-Ouvertüre. Beginnt die „Schicksalssymphonie“ mit wenig Wucht in den tiefen Lagen, so ist dies beim sonst äußerst präzisen und virtuosen Spiel der Jenaer Philharmonie schnell vergessen. Das prägnante Anfangsmotiv der Symphonie ist – maßgeblich auch durch seine rhythmische Kraft – äußerst populär und hat es geschafft, sich auch in klassikfernen Ohren zu verankern – selbst als Handyklingelton.

Starke Kontraste in Dynamik und Tempo

In der Leonoren-Ouvertüre gelingt es seitens des Orchesters eindrucksvoll, starke Kontraste in Dynamik und Tempo zu setzen und das Publikum mit diesem dramatischen Werk mitzureißen, spätestens durch das gewaltige Crescendo am Schluss. Beethovens „Leonore“ wurde letztendlich in „Fidelio“ wie die gleichnamige und einzige Oper Beethovens umbenannt, und aus den ursprünglichen drei Akten wurden zwei Akte.

Eingerahmt wurde der gut zweistündige Konzertabend in der St. Jacobikirche von einer fabelhaft aufgelegten Kantorei. Intonationssicher und mit großer Homogenität innerhalb der Stimmen präsentierte sich der Chor in Mozarts „Veni sancte spiritus“ , KV 47 und Haydns „Te deum“. Er überzeugte sowohl in den jubelnden als auch in den eher kontemplativen Passagen. Die Messe in C-Dur war jedoch ganz klar das Herzstück des Abends, und das komplexe Zusammenspiel zwischen Chor, Orchester und Solisten gelang bestens. Mit ausgelassenen Bravorufen entließen die Göttinger Zuschauer alle Musiker in den wohlverdienten Feierabend.

Von Marie Varela