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20:23 15.04.2019
Marode: die Südterrasse der Göttinger Stadthalle. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Die SSP ist an der Sanierung der Stadthalle in Karlsruhe beteiligt. Feuerstein hat kritisiert, dass zum einen die Kosten dort immens gestiegen seien, zum anderen sich die Fertigstellung deutlich verzögert. Kraemer hält dagegen, dass sein Unternehmen in Göttingen als Generalplaner engagiert sei, in Karlsruhe lediglich als Architekten. Die Bausumme für die Sanierung belaufe sich entgegen anfänglichen Schätzungen von 57 Millionen Euro inzwischen auf knapp 74 Millionen Euro – verursacht allerdings nicht durch die SSP.

In Göttingen Generalplaner

Nach Erteilung und nach Planungsbeginn habe die Stadt Karlsruhe nachgebessert, so Kraemer. Die gesamte Raumlufttechnik sollte wie auch die Isolierung zusätzlich erneuert werden. Die allerdings werde verantwortet von Haustechnikplanern, die dafür den Zuschlag bekommen hatten. Das Ende der Ausführungsplanung sei „über eineinhalb Jahre fünfmal verschoben worden“, teilt Kraemer mit. Die Projektleitung sei mehrfach ausgetauscht worden.

Seine Firma habe der Stadtverwaltung angeboten, auch diesen Planungsbereich zu übernehmen, doch die Verwaltung habe vorerst nichts ändern wollen. Die Kosten, die die SSP bei der Sanierung der Karlsruher Stadthalle zu verantworten hätten, seien von 19,1 Millionen Euro auf 20,2 Millionen gestiegen.

Erhalt oder Neubau? Im Stadtrat wird diskutiert, ob nach der Kostensteigerung von 10 Millionen Euro, es nicht die bessere Lösung wäre, die Stadthalle abzureißen.

Komplett anders sehe es in Göttingen aus, sagt der Architekt. Hier seien sie als Generalplaner „von vorne bis hinten“ für alles zuständig. Damit liege auch die Haftung bei der SSP. Bislang seien alle zeitliche Ziele eingehalten worden. Die sogenannten Leistungsphasen seien erledigt. Ein Vorentwurf sei kurz vor dem Abschluss und ein Bauantrag fertig – allerdings noch nicht eingereicht. Der interfraktionelle Antrag von CDU, Grünen und FDP zum Stopp der Arbeiten haben das verhindert. Sollte der Stadtrat in seiner Sitzung im Mai den Baustopp aufheben, werde der Bauantrag eingereicht, so Kraemer. Sollte seine Firma allerdings nicht beauftragt werden, müsse darüber verhandelt werden, wie der bestehende Vertrag aufgelöst werden könne. Mit anderen Worten: Die Stadt Göttingen müsste zahlen.

Die Göttinger Stadtverwaltung bestätigt, dass die Unterlagen von SSP wurden von Architekten und Ingenieuren der Stadt geprüft und abgenommen worden seien, teilt deren Sprecher Dominik Kimyon mit. „Die Stadt hat sich sehr intensiv mit der Planung von SSP auseinandergesetzt. Sowohl im Projektmanagement als auch im fachlichen Bereich können wir dem Generalplaner eine hohe Professionalität attestieren.“

Posten für Unvorhergesehenes

Als sehr positiv bewertet Kraemer, dass die Göttinger Verwaltung ein Posten für Unvorhergesehenes in Höhe von 1,8 Millionen Euro in die Kostenplanung einbezogen habe, erklärt Kraemer. „Viele Kommunen machen solche Rückstellungen nicht.“ Nicht komplett vorherzusehen seien die Kosten für die Entsorgung von Schadstoffen und mögliche Betonsanierung. „Das haben wir mit Summen beziffert.“

Gerne hätte er den Göttingern vorgestellt, was sie in einer kernsanierten Stadthalle erwartet, sagte Kraemer. Doch nachdem SSP die Kostensteigerung von 19,5 auf 29,5 Millionen Euro vorgestellt habe, seien „alle in Schockstarre verfallen“.

Bis auf den Rohbau Haus zurückbauen

Nahezu alles, was die Nutzer der Stadthalle in einem Workshop als notwendige Verbesserungen gefordert hatten, sei berücksichtigt worden, sagt Kraemer. Eine kernsanierte Stadthalle käme einem Neubau gleich. Bis auf den Rohbau würde das Haus zurückgebaut, alles andere erneuert. Der Vorteil einer solchen Lösung im Vergleich zum Neubau laut Kraemer: Rohbau und Erschließungskosten fielen weg, also „20 bis 30 Prozent der Bausumme“.

Der Architekt zeigt sich schließlich vorbehaltlos optimistisch. Die SSP habe „nach bestem Wissen und Gewissen die Grundlagenuntersuchung durchgeführt“. Vertiefende Untersuchungen der Substanz lägen „im normalen Bereich“. Zusätzliche Kosten würden nun durch den Stopp verursacht, „die Verzögerung kostet Geld“. Allerdings sagt er auch: „Was ich als Planer schade finde, ist, dass wir das Projekt nicht ausführlicher vorstellen konnten.“

Uwe Vater, Geschäftsführer der Kasseler Veranstaltungsagentur MM Konzerte, hat Tageblatt-Fragen zur Stadthallen-Debatte beantwortet.

Von Peter Krüger-Lenz

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