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Regional Starke Stimme, viel Sex und Spaß auf Kosten anderer
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19:38 24.07.2011
Von Peter Krüger-Lenz
Schonungslos, auch gegen sich: Martina Brandl, kokett, mit kräftigem Oberarm.
Schonungslos, auch gegen sich: Martina Brandl, kokett, mit kräftigem Oberarm. Quelle: Theodoro da Silva
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Sie ist Comedian und Sängerin mit viel Bühnenpräsenz, und sie ist Autorin von Büchern, die sich prächtig verkaufen. „Halbnackte Bauarbeiter“ heißt eines, „Glatte runde Dinger“ ein zweites. Jetzt präsentiert sie eine Ansammlung der besten Nummern ihrer diversen Programme. Ein vielversprechender Ansatz, denn dann fallen die schlechten ja weg. Am Sonnabend hat sie es in der Reihe Göttinger Kultursommer im voll besetzten Alten Rathaus vorgestellt.
„Sie schont weder sich noch andere“, hieß es in der Ankündigung. Da ist was dran. Brandl witzelt über ihren labberigen Oberarmmuskel, der beim Winken hin und her schlabbert. Das sehen die Besucher, weil sie ein kurzärmeliges T-Shirt trägt, ein Weste darüber, eine bequeme Hose dazu. Die verdeckt vielleicht Dellen an den Oberschenkeln, von denen erzählt sie. „Besser Orangenhaut als gar keine Vitamine.“ Das sage zumindest ihr Ehemann.

20 Jahre habe sie in Berlin gelebt, berichtet Brandl, halb Schwäbin, halb Bayerin. Das alles erzählt sie gerne. Auch, dass sie wieder zurückgezogen sei in ihren Heimatort Geislingen, eine kleine Stadt nahe Stuttgart. In Berlin arbeitete sie unter anderem in Musicaltheatern, das ist zu hören, wenn Brandl singt, was sie an diesem Abend nicht sehr oft tut und ihrem eher schweigsamen, doch sichtlich vergnügten Klavierpartner Martin Rosengarten einen geruhsamen Abend beschert. Brandl covert gerne Popsongs, die sie niedermacht. Ob Annett Louisan („Ich will doch nur spülen“), Jeanette Biedermann („In Gummibärchen gegossene Töne“) oder Tokyo Hotel („diese geschminkten Transen“): Auch sie werden nicht geschont. Und das ist eines der Probleme des Programms: Brandl macht sich meist lustig auf Kosten anderer. Ein anderes: Eines ihrer Hauptthemen ist Sex. Und das ist arg schlicht.

Männer sind humorlos im Bett, nach ausgiebigem Alkoholgenuss wird die Lust zur Last. Da wird aneinander herumgeschraubt wie an einem Ikearegal, allerdings ohne Anleitung. Und gerne kokettiert sie damit, einen One-Night-Stand haben zu wollen, eine folgenlose wilde Nacht. Schlüpfrige Scherzchen, viele aus der angestaubten Witz-Mottenkiste. Ein „Best of“ aus zwölf Jahren Comedy hat eben auch den Nachteil, das manches überholt ist, das Leben ist weitergezogen.

Ein Lied von Ulrich Rosky singt sie schließlich, dem besten Liedermacher in Deutschland, wie Brandl meint: „Des Schleusenwärters blindes Töchterlein“, eine der wenigen Nummern die Brandl wirklich ernst nimmt an diesem Abend. Zu recht, denn die Moritat auf eine eigenwillige Familie, die sich am Ende selbst ausgerottet hat, ist prächtig böse und sehr skurril. Davon hätten auch die brandlschen Texte mehr vertragen.

Das Publikum hatte überwiegend seinen Spaß, klatschte am Schluss begeistert. Es tat auch gut daran, denn wenn diese Art von Humor bei Besuchern nicht zündet, laufen sie Gefahr, von Brandl dafür getadelt zu werden. Da wird sie ganz streng.