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Regional Start der Konzert-Saison in der Aula der Universität Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Start der Konzert-Saison in der Aula der Universität Göttingen
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17:34 25.09.2013
Quelle: Archiv (Symbolfoto)
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Göttingen

Der Satz „Anglia non cantat“ beschreibt bissig den Umstand, dass nach Henry Purcells Tod 1695 mindestens 200 Jahre lang kein englischer Komponist mit Weltgeltung hervorgetreten ist, also vergleichbar mit Bach oder Beethoven.

Doch verhält es sich etwas anders. Denn Mangel an Ruhm im Ausland heißt nicht, dass die musikalische Produktion in England bedeutungslos gewesen wäre. Manches Werk ist im restlichen Europa zu Unrecht nicht bekannt geworden – was sehr wohl Entdeckerfreuden in dieser Saison verheißen kann.

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Damit konnte das Konzert in der gut besuchten Universitätsaula mehrfach aufwarten. Präludium und Fuge für Streichtrio von Gerald Finzi (1901-1956) stand am Beginn des Abends: ein ausdrucksstarkes, kontrapunktisch sauber gearbeitetes, harmonisch reiches Kammermusikstück, hier herb-elegisch, dort selbstbewusst-kantig. Geigerin Elisabeth Weber bildete mit Bratscher Volker Jacobsen und Cellistin Tanja Tetzlaff ein konzentriertes, sensibel musizierendes Ensemble.

Die perfekte Klavierpartnerin

In der e-Moll-Violinsonate von Edward Elgar konnte Weber dann spätromantisch schwelgerische Klänge entfalten und mit leidenschaftlicher Spielfreude das Publikum verzaubern.

Das setzte Tetzlaff in drei ausgesprochen wirkungsvollen Cellostücken von Frank Bridge, dem Lehrer Benjamin Brittens, mitreißend fort. Konstanze Eickhorst war die perfekte Klavierpartnerin, selbstbewusst, ohne aufzutrumpfen, technisch auf höchstem Niveau.

Mit einer dreistimmigen „Fantazia“ von Purcell leiteten die Streicher die zweite Hälfte ein und erwiesen damit einem der bedeutendsten barocken Komponisten Reverenz. Dieses Stück war das Präludium zum Finale, dem Klavierquartett Es-Dur von Robert Schumann.

Einen Blumenstrauß zusätzlich

Auch wenn die vier Solisten sonst kein Ensemble bilden, klang ihr Zusammenspiel so, als kennten sie sich bereits lange. Im Ausdruck genau aufeinander abgestimmt, klanglich ausgewogen spielten sie dieses Werk und zeigten dabei Intensität und Feuer. So brach am Ende begeisterter Beifall aus.

Am Ende gab es einen Blumenstrauß zusätzlich: für Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel, die der Aula einen Steinway-Konzertflügel spendierte – keinen fabrikneuen, sondern ein gebrauchtes Instrument, was aber nicht die Qualität mindert.

Denn dieser Steinway ist bereits gut eingespielt. Bei seiner Premiere konnte der Flügel die Hörer mit satten Bässen, einer warm-volltönenden Mittellage und einem nirgends zu harten Diskant vollauf überzeugen.

Von Michael Schäfer