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Regional Stummfilm-Festival im Göttinger Lumière
Nachrichten Kultur Regional Stummfilm-Festival im Göttinger Lumière
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15:50 30.05.2017
Festival im Lumière: Filmszene aus dem Stummfilm "Menschen am Sonntag". Quelle: R
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Göttingen

„Heutzutage zählen in den Kinos nur Aktualitäten. Welche Filme vorher liefen, interessiert niemanden“, sagt Wilfried Arnold vom Lumière. Deshalb hat das Lumière-Team 2005 in Kooperation mit dem Deutschen Theater Göttingen das erste Stummfilmfestival veranstaltet. „Wir wollten bei den Kinobesuchern ein Bewusstsein für Filmgeschichte schaffen“, so Arnold. Den Aktualitätsdruck der Filmindustrie entschleunigen und den Fokus auf Filme legen, die die „Phase der Adoleszenz der Filmsprache“ einleiteten, sei das Ziel gewesen.
Es habe viele bedeutende Entwicklungen damals gegeben. Die verschiedenen Genres haben sich langsam herausgebildet und Stars, wie wir sie heute kennen gab es noch nicht. „Die haben Arbeiter aus den Fabriken angesprochen, und die sollten dann schauspielern“, erklärt Arnold. Als einige davon häufiger engagiert wurden, wurden sie zu den ersten Film-Sternchen.
Das etwas andere Filmfestival startet am Donnerstag, 8. Juni, um 18.30 Uhr mit „Luther“ von 1927. Der Film hat in seiner Zeit für einige Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken gesorgt und wurde mehrfach von der Zensurbehörde überprüft. Zum Reformationsjahr hat das Bundesarchiv ihn restauriert. Um 21 Uhr folgt Charlie Chaplins „Der Zirkus“. Chaplin stolpert durch Zufall in eine Zirkusvorstellung und wird direkt engagiert. Er bringt Schwung in die Manege – und das Publikum zum lachen.

"Ein Blick in vergangene Zeit"

Am Freitag, 9. Juni, zeigt das Lumière um 19 Uhr den Film „Sunrise“. Hier muss ein verführter Ehemann nach schwersten Vergehen seine Frau zurückgewinnen. Der sechste Silent Movie Slam beginnt um 21 Uhr. Es werden vier Kurzfilme gezeigt, aus denen das Publikum im Anschluss den lustigsten Stummfilmkomiker wählt. Einige Filme werden von Wolfgang Zettl auf dem Klavier begleitet.

Das Glanzlicht des Festivals ist „Menschen am Sonntag“, der am Sonntag, 11. Juni, um 19.45 Uhr im Deutschen Theater, Theaterplatz 11, gezeigt wird. „Der Film ist wie ein Blick in eine vergangene Zeit. Der Alltag junger Menschen im unzerstörten Berlin der späten 20er-Jahre“, sagt Arnold über den 1930 erschienenen Stummfilm. Vor allem die Kulisse des Deutschen Theaters mache diese Filmvorführung zu einem denkwürdigen Erlebnis. Begleitet wird er von einem der bekanntesten Stummfilmmusiker Deutschlands, Carsten-Stephan Graf von Bothmer.
Eintrittskarten gibt es im Lumière, Telefon 05 51 / 48 45 23, für „Menschen am Sonntag“ gibt es die Tickets nur im Deutschen Theater, Theaterplatz 11, Telefon 05 51 / 49 69 11.

Von Natascha Holstein