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Regional Süß wie Zuckerwatte, zartbitter wie Schokolade
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18:27 08.07.2011
Von Peter Krüger-Lenz
Ein schmuckes Paar: die nubische Königstochter Aida (S. Kazemi) und der stolze Heerführer Radames (Nikolaj Alexander Brucker).
Ein schmuckes Paar: die nubische Königstochter Aida (S. Kazemi) und der stolze Heerführer Radames (Nikolaj Alexander Brucker). Quelle: EF
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Auch nicht bei den Bad Hersfelder Festspielen. Ist ja auch nicht so einfach. Wohin denn auch mit dem ganzen Krempel, wenn am Abend was anderes gespielt wird. Und wer soll ständig auf- und abbauen? Naja, die Hersfelder haben ihre Ruine, die Gandersheimer ihre Stiftskirche. Beides prächtige Kulissen. Und jetzt kommt eben ein Bühnenbild davor. Birgitta Weiß, Gattin des scheidenden Intendanten Johannes Klaus, hat ein ägyptisches Museum entworfen. Darin tummeln sich Besucher wie sich Museumsbesucher eben tummeln. Doch dann gehen wir auf eine Zeitreise ins alte Ägypten. Denn hier nimmt die Geschichte um die nubische Königstochter Aida ihren Lauf, ihren typischen Musicallauf. Und deswegen ist es auch gut, dass Regisseur Achim Lenz den Stoff nicht immer ganz ernst genommen hat. Kostümbildnerin Verena Mohrig übrigens auch nicht. Der höfische Pomp des siechenden Pharaos und seines Gefolges entlockt das eine oder andere Schmunzeln.

Aida (Schirin Kazemi) gerät in ägyptische Gefangenschaft. Sie wird Sklavin des Heerführers Radames (Nikolaj Alexander Brucker). Der verguckt sich in die schöne Wüstentochter, verschenkt sie aber an seine Verlobte Amneris (Julia Lißel), Tochter des Pharaos (Reinhardt Firchow). Noch ein Königskind also. Die Herkunft von Radames allerdings ist dagegen höchst zweifelhaft. Die Mutter eine Prostituierte, der Vater, Zoser (Alexander Wipprecht), ein nichtsnutziger Haderlump, der den Pharao vergiftet. Doch Radames hat sich Meriten in der Schlacht erworben und darf also die künftige Herrscherin freien. Doch als er sich auf die Seite der versklavten Nubier schlägt, verurteilt ihn seine dann Ex-Verlobte zum Tod. Gemeinsam mit der geliebten Aida wird er bei lebendigem Leibe in einem Grab beerdigt. Bleibt nur die Hoffnung auf ein Wiedersehen in einem künftigen Leben. Die Geschichte ist nicht eben prall, die Musik, geschrieben von Elton John, dürfte auch etwas einfallsreicher sein. Mit einem Ohrwurm dürften die wenigsten der Premierenbesucher nach Hause gegangen sein. Doch das Trio in den Hauptrollen macht den Abend doch noch zu einem angenehmen. Kazemi ist eine Aida mit kraftvoller, gut ausgebildeter Stimme. Ihre Augen blitzen, ihr Temperament strahlt. Davon könnte Wipprecht als Feldherr Radames mehr gebrauchen. Doch zumindest ist er stimmlich ebenbürtig. Wie auch Julia Lißl, die als Amneris Ausdrucksstärke mitbringt. Einige Hymnen singen sie mal als Trio, mal im Duett bewegend.

Regisseur Lenz hat der Vorlage abgerungen, was möglich war. Temporeich hat er die Liebesgeschichte auf den Punkt gebracht, ohne zu verhehlen, dass es eben eine eher schlichte Musicalliebe ist: holzschnittartig, klischeehaft, süß wie Zuckerwatte und manchmal zartbitter wie Schokolade. Eine zeitlang ist das ganz lecker, doch zuviel davon macht Sodbrennen. Für das Premierenpublikum hat Lenz mit zwei Stunden Theater wohl ein gutes Häppchen zubereitet. Es feierte vor allem die Gesangsstars minutenlang im Stehen.
Ach ja, ein Hündchen durfte auch mitspielen. Ein Mops. Im Anschluss traf man ihn auf der Premierenfeier.

Zahlreiche weitere Vorstellungen bis Donnerstag, 4. August. Kartentelefon: 0 53 82 / 73 777. Internet: bad-gandersheim-online.de/DieDomfestspiele.cfm