Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Syrische Lieder im Deutschen Theater Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Syrische Lieder im Deutschen Theater Göttingen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:01 27.03.2018
Sänger und virtuoser Oud-Spieler: Abdallah Ghbash.
Sänger und virtuoser Oud-Spieler: Abdallah Ghbash. Quelle: Schäfer
Anzeige
Göttingen

Vor sechs Jahren ist Ghbash, geboren 1988 in Aleppo, aus seinem Heimatland geflohen: erst nach Jordanien, dann nach einem dreijährigen Aufenthalt in der Türkei nach Deutschland, wo er seit 2015 lebt. „In Germany is more place for freedom“, bekannte er in seiner Begrüßung im DT-Keller, in dem er bereits zum zweiten Mal gastierte.

Schon früh hat er das Spiel auf der orientalischen Kurzhalslaute Oud gelernt. In Istanbul machte er sich zusätzlichen mit der türkischen Tradition dieses Instruments vertraut. Inzwischen hat er zwei Alben veröffentlicht („Babbler“ 2013, „Expatriate Oud“ 2015) und nimmt gerade sein drittes Album „Meaningful Silly Talk“ auf.

Einstimmige Linie aus Gesang und gezupften Tönen

Wenn Ghbash singt und dazu auf der Oud spielt, unterscheidet sich das deutlich von dem Stil, den wir von westlichen Sängern kennen. Die Melodielinien sind vielfach freier, auch nicht durchweg rhythmisch festgelegt. Bedeutsamer noch: Meistens läuft die Instrumentalstimme mit der Singstimme völlig parallel, Begleitakkorde fehlen, hier und da tritt ein Basston als „Fundament“ hinzu. Es ist also eine einstimmige Linie aus Gesang und gezupften Tönen. Das Grundmetrum ist im Allgemeinen gemäßigt.

Für rasche Bewegung sind die begleitenden Schlaginstrumente zuständig: Riq, eine Art Tamburin, und die Darbuka, eine einfellige Bechertrommel. Die bearbeitet Hadi Andywi ausschließlich mit den Händen, genauer: mit dem Handballen und den Fingern, was eine vielfältige Modulation ermöglicht. Zudem sind die Schlagtöne auf der Mitte des Darbouka-Fells viel tiefer als die am Rand geschlagenen Töne, das ergibt eine zusätzliche klangliche Vielfalt. Selbstverständlich kann Andywi mit seinen Händen auch rasende Trommelwirbel zaubern.

Lieder von Beziehungen und Erfahrungen mit dem Jobcenter

Wenigstens in Grundzügen erzählte Ghbash, wovon seine – großenteils selbst komponierten – Lieder handeln. Hier ging es, ganz wie hierzulande, um Beziehungsgeschichten, dort um Erlebnisse im deutschen Jobcenter, wobei sich das Wort aus dem syrischen Umfeld deutlich hervorhob. Dieses Lied übrigens war das einzige, das mit einem klaren Mollakkord endete.

Mal war die Stimmung der Lieder melancholisch, mal fröhlich, ja ausgelassen. All dies vermittelt sich selbstverständlich auch ohne Sprachkenntnisse. Neben den Eigenkompositionen sang Ghbash populäre syrische Lieder, leicht daran zu erkennen, dass sehr bald die syrischen Zuhörer dieses Abends einstimmten. Und den syrischen Refrain „Halli halli ha, belli belli ba“ (was immer er bedeuten mag) hatten auch deutsche Hörer schnell begriffen und sangen ihn begeistert mit.

Der offizielle Teil des gut einstündigen Konzerts endete mit dem aus Israel stammenden Lied „Hava nagila“ in syrischer Fassung. Die Übersetzung des hebräischen Textes lautet „Lasst uns glücklich sein“, eine Aussage, in der sich ebenso wie in der deutsch gesungenen Zugabe „Die Gedanken sind frei“ die zentralen Wünsche von Flüchtlingen bewegend artikulieren.

Info

Das „Syrian Expat Philharmonic Orchestra“ (SEPO) gibt am Freitag, 6. April, ein Konzert unter der Leitung von Ghassan Alaboud im Deutschen Theater Göttingen. Beginn ist um 17 Uhr.

Von Michael Schäfer

Regional Live-Club Tangente in Göttingen - Drei Bands bei der Ostersonntagindiedisco
27.03.2018
28.03.2018