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Regional Tanz mit Tücken
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12:20 22.01.2016
Ein Tanz mit Tücken. Quelle: Anton Säckl
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Göttingen

Sich verführerisch geben, aber nicht billig, einfühlsam sein, aber kein Weichei. Man ist sich ja so einig, wie Frau oder Mann sich beim ersten Date verhalten sollte, damit sich daraus eine Beziehung entwickeln kann, soweit die Theorie. Die Praxis birgt aber so manche Tücken, wie Rahel Weiss als Hanna und Benedikt Kauff als Bernhard in der Premiere von „Pas de deux“ (Regie: Jonas Lüders) am Donnerstag im Keller des Deutschen Theaters eindrucksvoll zeigten.

Das Zweipersonenstück "Pas de Deux" feierte im Deutschen Theater Göttingen Premiere.

Beim „Pas de deux“ braucht es einen Tanzpartner, der sich mit einem an die gleichen Regeln hält und sich harmonisch mit einem bewegt. Den Willen dazu kann man weder der jungen Hanna, noch „Bernie“ absprechen. Er ist geradezu übergroß. Aber wie geht sie bloß, die Gemeinsamkeit, wenn man das erste Treffen und den ersten Sex hinter sich gebracht hat?
In  John Birkes 2004 uraufgeführtem Stück monologisieren die Protagonisten mehr, als dass sie miteinander reden und wenn sie reden, hört es sich an, als würden sie Werbeslogans ausspucken oder populärwissenschaftliche Magazine zitieren.

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Weitere Termine:

Nächste Vorstellungen von „Pas de deux“ im DT-Keller, Theaterplatz 11, am Sonntag, 24. Januar, um 18 Uhr, am 3. und 19. Februar um 20 Uhr.

Ganz weit weg vom eigenen Selbst und den eigenen Bedürfnissen sind beide und glotzen den anderen in der Hoffnung an, dass der einem doch sage, was man fühlen oder denken soll.  Dass sich die beiden zusammen tun, ist kaum nachvollziehbar. Aber sie haben ja das wichtigste Credo der modernen Paarbeziehung verinnerlicht, dass da lautet: Liebe ist Arbeit.

So arbeitet man hart krampfhaft auf der mit wenigen Requisiten ausgestatteten Bühne und hat doch keinen Erfolg. Tragisch-komisch tanzen Weiss – die vor allem mit ihrer herrlich überzeichneten Mimik und ihrer großen körperlichen Präsenz überzeugt – und Kauff ihren „Pas de deux“, der sich zwischen den Polen gestelzter Standardtanz  und wildem, gegenläufigen  Ausdruckstanz bewegt. 

Plausibel zeigt sich hier tänzerisch, dass es keinen gemeinsamen Nenner gibt, wie auch am Schluss: Das jeweilige Ego zelebriert seinen Schmerz über das Ende dieser Nicht-Liebe jeweils mit einem eigenen Song. Den gemeinsamen gab es nicht und kann es nicht geben, wenn man aus Angst vor dem Alleinsein keinen Standpunkt hat und sich schmerzhaft zwischen den Projektionen des anderen und den eignen  überhöhten Ansprüchen verliert. Eine in sich schlüssige, runde Inszenierung mit hohem Wiedererkennungswert für moderne, anspruchsvolle Beziehungswillige.

Von Marie Varela