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Regional „Tausendundeine Nacht“ mit dem Göttinger Symphonie Orchester
Nachrichten Kultur Regional „Tausendundeine Nacht“ mit dem Göttinger Symphonie Orchester
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18:23 02.01.2011
Hat für das Silvesterprogramm aus dem Vollen geschöpft: Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller mit dem GSO.
Hat für das Silvesterprogramm aus dem Vollen geschöpft: Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller mit dem GSO. Quelle: Hinzmann
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Die Begeisterung für alles Orientalische, die spätestens mit dem Ende der Türkenkriege Mitteleuropa erfasst hatte, hat sich musikalisch vielfach niedergeschlagen, nicht nur punktuell, sondern quer durch die nachfolgende Musikgeschichte. So konnte GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller für das Programm des Silvesterkonzerts auf dem Vollen schöpfen.

Die Ouvertüre zu Mozarts „Entführung aus dem Serail“ war die temperamentvolle und virtuose Eröffnung, gefolgt von den ebenfalls östlich kolorierten Ouvertüren zum „Barbier von Bagdad“ von Peter Cornelius und „Abu Hassan“ von Carl Maria von Weber. Mit einer Arie der Fatime stellte sich die Solistin des Abends, die Koloratursopranistin Antje Bitterlich, vor und hinterließ einen vorzüglichen Eindruck, der die Begeisterung über ihr Göttinger Debüt im GSO-Promenadenkonzert 2008 bestätigte. Sie besitzt eine fundierte Stimmtechnik, ist perfekt in Intonation und Artikulation und kann sich stimmlich bis in die höchsten Register ohne Mühe auch gegen ein Orchestertutti durchsetzen. Dazu singt sie stets stilsicher, musikalisch geschmackvoll – kurzum: eine ideale Besetzung.

Zwei in Göttingen wohl noch nie aufgeführte Orchesterstücke bereiteten besondere Überraschung und Freude: die sehr farbigen, temperamentvollen orientalischen Tänze aus Glinkas Oper „Ruslan und Ludmilla“ und Carl Nielsens wirkungsvolle Musik zu Oehlenschlägers Schauspiel „Aladdin“, die einen besonderen Farbtupfer setzten.

Vor der Pause brillierte die Solistin in der hochvirtuosen „Glöckchenarie“ aus der Oper „Lakmé“ von Leo Delibes. Hier zog sie alle Register ihrer Koloraturenkünste, erreichte mühelos schwindelnde Höhen und riss das Publikum – und auch die Orchestermusiker – zu Begeisterungsstürmen hin.

Die zweite Hälfte des unterhaltsamen, aber nirgends seichten Abends war der Musik von Strauß gewidmet: einschlägig Orientalisches mit dem „Persischen“ und dem „Egyptischen Marsch“ sowie den Walzern „Tausend und eine Nacht“ und „Märchen aus dem Orient“ von Johann Strauß – alles derart beschwingt musiziert, dass das Publikum mehr und mehr in Feierlaune kam. Die Orchestermusiker unter der befeuernden Leitung von Mueller boten sehr virtuose Sololeistungen, auch in dem besonders schönen Walzer „Nilfluthen“ des Strauß-Bruders Josef. Antje Bitterlich bezauberte abermals, diesmal mit zwei Arien aus der Strauß-Operette „Tausend und eine Nacht.“

Dass auf ein solches Programm noch eine Reihe Zugaben folgt, ist die Regel. Mueller hielt sich daran, überraschte zunächst mit den übermütig stampfenden „Wilden Bären“ aus Elgars Suite „Wand of the Youth“, anschließend setzte die Solistin mit „Mein Herr Marquis“ aus Strauß’ „Fledermaus“ ein weiteres Glanzlicht auf. Und zum guten Schluss durfte der Radetzky-Marsch nicht fehlen – ein Kompliment an das Publikum, das der Zeichengebung des Dirigenten für das Mitklatschen konzentriert und fehlerfrei folgte. Ein solcher Abend verändert die Gemütslage der Zuhörer. Man fühlt sich beflügelt, sich neuen Herausforderungen (das Wort mag veraltet sein, trifft aber haargenau:) frohgemut zu stellen.

Von Michael Schäfer