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Regional Theater mit Fanfaren und Dudelsack
Nachrichten Kultur Regional Theater mit Fanfaren und Dudelsack
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16:03 21.03.2017
Von Peter Krüger-Lenz
Quelle: Krüger-Lenz
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Göttingen

„Bim bam, bim bam“ – Tobias Sosinka steht vor der Bühne. Oben vor ihm hören und sehen ihm 14 Frauen ganz genau zu. Sie proben für das Theaterspektakel, und sie sind die Kerngruppe, die Regisseur Sosinka schon seit einiger Zeit auf ihren Auftritt vorbereitet. Allerdings ist diesmal nur die Hälfte des Personals zu den Proben gekommen. „Die Männer fehlen heute“, erklärt Sosinka. Warum? „Keine Ahnung“,  sagt er. Und es ist auch kein Problem.

Premiere

Die Premiere und einzige Aufführung ist für Sonnabend, 20, Mai, angesetzt. Das Vorprogramm beginnt um 19 Uhr auf dem Wochenmarktplatz. Der Eintritt ist frei.

Laien und Profis werden gemeinsam auftreten, allerdings spielen die Laien diesmal die Hauptrolle. Jeder kann dabei sein, egal, ob er nur für eine Probe oder für wochenlange regelmäßige Theaterarbeit Zeit hat. „Wir versuchen natürlich, dass jeder mitmachen kann“, erklärt Vanessa Wilcke, die das Projekt koordiniert.

Das KAZ hat als Projektträger die Förderanträge beim Land gestellt. Es habe auf ein Landesprogramm für Kooperationsprojekte von Laien und Profis gezielt, erläutert Geschäftsführerin Anne Moldenhauer. Zum Verhältnis KAZ und JT, die beide im Otfried-Müller-Haus untergebracht sind, sagt sie: „Wir leben jetzt nicht nur nebeneinander her, sondern zusammen.“ Das KAZ-Prinzip soll Leitmotiv für die Produktion sein, erklärt Moldenhauer: „Jeder bringt seine Stärke ein.“

Krankengymnastin Ute Krause ist dabei, „weil ich Spaß am Theaterspielen habe“. Sie arbeitet als Krankengymnastin und tanzt im KAZ Flamenco. Im Theater im OP hat sie schon mitgewirkt und als Statistin im JT. Ihr Sohn Frederick (14) wird auch auftreten. Christine Liebert steht zum ersten Mal auf der Bühne. Die Pensionärin scherzt: „Mein Sohn sagt immer, ich habe Theater gemacht.“ Sie will als interessierte Bürgerin miterleben, wie sich eine Inszenierung entwickelt.

Carola Bodenstein ist Malerin mit einschlägiger Vergangenheit: „Ich war schon in der Schule in Theater-AGs.“ Nach einer Reihe von Jahren würde sie jetzt gerne wieder einsteigen – lieber aber „etwas Gesangliches machen“.

„Gedächtnis einer Stadt“

Als Grundlage dient das Stück „Vineta“ von Jura Soyfer. Titelgebend ist eine Stadt an der Ostseeküste, die untergegangen ist, weil die Einwohner aus Hochmut nicht auf die Zeichen des nahenden Untergangs achteten. Angeprangert wird der moralische Verfall der Einwohner. Entstanden ist das Werk 1937.

Darauf aufbauend sollen sich die Beteiligten mit der Geschichte der beiden künstlerischen Einrichtungen KAZ und JT und mit der Stadt Göttingen auseinandersetzen. Zahlreich KAZ-Gruppen beteiligen sich an der Produktion, viele Vereine aus der ganzen Region sind dabei. Schauspieler des Jungen Theaters werden auftreten, allerdings nur in kleinen Rollen, sagt Regisseur Tobias Sosinka. pek

„Ich habe schon oft Theater gespielt“, sagt Claudia Edam. In verschiedenen Gruppen sei sie aktiv gewesen, in zwei Produktionen auch im JT. Inzwischen ist sie Rentnerin, doch vor 40 Jahren gehörte sie zu den Gründern des KAZ.

Die KAZ-Akrobaten arbeiten derzeit an einer Choreographie. Viele haben bereits zugesagt: er Fanfarenzug Harste wie die Bläsergruppe der IGS und eine Gruppe von Schotten stilecht mit Röcken und Dudelsäcken, nennen die Organisatoren Beispiele. Auch ein bekannter Göttinger wird laut Sosinka dabei sein: CDU-Ratsherr Olaf Feuerstein, Geschäftsführer des Hotels Freizeit In und der Gaststätte Bullerjahn, soll einen Gastronomen spielen.