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19:28 01.10.2018
Performance mit Götz Lautenbach (li.) und Philipp Schlöter über den Gelehrten Johann Joachim Winckelmann.
Performance mit Götz Lautenbach (li.) und Philipp Schlöter über den Gelehrten Johann Joachim Winckelmann. Quelle: Foto: R
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Göttingen

„Komm und sieh die Stadt der Freiheit!” heißt eine Performance über den Altertumsforscher Johann Joachim Winckelmann, inszeniert von Roman Kupisch und Götz Lautenbach. Das von Lautenbach entwickelte Performance-Format zeigt Gelehrte des 18. Jahrhunderts inmitten historischer Sammlungen.

„Komm und sieh“ heißt es im Titel. Das äußert die Mimik der Figur Winckelmann (Götz Lautenbach), als er den Zuschauern die Tür öffnet und den Weg weist auf den nächsten Schauplatz des Schauspiels, das durch drei Stockwerke des Archäologischen Instituts der Georg-August-Universität Göttingen führt.

Die Zuschauer folgen vorsichtig. Um einen langen Tisch sitzend, werden sie zum Teil der Szene und lernen den Alltag Winckelmanns mit überraschend vielen Sinnen kennen. In Momenten wie diesem lädt die Inszenierung freundlich zur Interaktion ein. Die Zuschauer zeigen sich darüber entzückt, aber verhalten, und Lautenbach weiß, ihnen das Gefühl zu lassen, (nur) Publikum zu sein.

Entlang der Abgüsse antiker Skulpturen

Das Stück führt entlang der Abgüsse antiker Skulpturen durch das Leben Winckelmanns (1717-1768), der als Begründer der Klassischen Archäologie und der Kunstgeschichte gilt. Seine Suche nach dem Wesen der Schönheit wird nicht nur durch Zitate aus seinem Werk lebendig. Vielmehr verkörpern die Schauspieler seine Worte durch geschmeidige Bewegung, die zugleich Tanz, Kampf und Verschmelzung zweier Körper voll Führung und Vertrauen ist.

Philipp Schlöter überzeugt in wechselnden Rollen, ist bald Mörder, bald Schüler, bald Geliebter Winckelmanns, wird schließlich selbst Skulptur, starr, doch lebendig. Wie der Torso von Belvedere, der vom Gegenstand kunsttheoretischer Betrachtung zum Objekt der Leidenschaft für Winckelmann wird. Für die Aufführung hat Lautenbach die Statuen neu angeordnet. Als Stimmen gegen die wissenschaftliche Arbeit Winckelmanns und seine Verfassung laut werden und er aus Enttäuschung über unerwiderte Liebe beschließt, „mit niemandem eine Stunde zu vergeuden“, sind die Skulpturen selbst ihm abgewandt.

„Alles ist nichts außer Rom“

8000 Seiten Originaltext hat Lautenbach studiert, darunter Werke Winckelmanns und vor allem Briefe. Auf 20 Seiten komprimiert, bleibt das Theaterstück der Originalsprache des Archäologen treu. Es erfordert Konzentration von den Zuschauern, die Collage aus Zitaten Winckelmanns und seiner Korrespondenten zu überblicken. Dank Winckelmanns klarer Ausdrucksweise sind die einzelnen Collagenteile dennoch verständlich.

Es ist die zweite Spielzeit des Stücks, das nach seinem Erfolg im Juni und Juli erneut angesetzt wurde. Im Vergleich zur Erstaufführung sind einige Teile erneuert worden. Jede Szene habe er textlich überprüft, sagte Lautenbach vor der Vorstellung. Der Beschäftigung mit Kunsttheorie gelte nun ein stärkerer Akzent. Neu sind auch die teils unsichtbaren Auftritte von Olivia Haese, die mit ihrem Gesang des Seikilos Epitaph die historischen Hallen atmosphärisch füllt.

Kartenvorverkauf

Erneut zu erleben ist die Inszenierung an den Sonntagen, 7. und 14. Oktober, sowie am 4. und 11. November um 16 Uhr im Archäologischen Institut, Nikolausberger Weg 15. Karten sind in der Tourist-Information im Alten Rathaus und im Archäologischen Institut, Telefon 05 51 / 39 75 02, für 14 Euro erhältlich, ermäßigt 10 Euro. Rollstuhlfahrer werden um Voranmeldung gebeten.

Von Katharina Meyer

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