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Regional Theaterfestivals und Romane auf der Bühne
Nachrichten Kultur Regional Theaterfestivals und Romane auf der Bühne
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17:38 06.01.2011
Noch jung, noch Kraft für Luftsprünge: Helene (Katharina Heyer) in „Die Mittagsfrau“.
Noch jung, noch Kraft für Luftsprünge: Helene (Katharina Heyer) in „Die Mittagsfrau“. Quelle: DT
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Unklar ist die Zukunft der Wuppertaler Bühnen. Anfang des Jahres soll entschieden werden, ob das seit zwei Jahren wegen Sanierung geschlossene Schauspielhaus endgültig dichtgemacht wird und die Bühne zum Einspartenhaus für die Oper wird – oder eine Fusion mit Remscheid und Solingen infrage kommt.

Das von Schließung bedrohte Thalia Theater Halle scheint zwar vorerst gerettet, muss sich aber auf Kinder- und Jugendtheaterproduktionen beschränken. Das Theater Altenburg-Gera konnte die Insolvenz abwenden, damit sind die finanziellen Probleme der Thüringer Bühne aber nicht ausgeräumt.

Unklar ist die Situation auch in Hamburg. Das Deutsche Schauspielhaus hat immer noch keinen neuen Intendanten. Aus Ärger über immer neue Sparrunden hatte Friedrich Schirmer im Herbst unerwartet gekündigt. Der Senat hat die massiven Sparvorgaben für die Bühne zwischenzeitlich zwar abgemildert, doch wie es nach dem Bruch der schwarz-grünen Koalition und den für Februar geplanten Neuwahlen weitergeht, ist offen. Einer der Favoriten für das Intendantenamt ist Matthias Lilienthal, bisher künstlerischer Leiter des Berliner „Hebbel am Ufer“.

Auch Elisabeth Schweeger, früher Theaterleiterin in Frankfurt, zurzeit Intendantin der Kunstfestspiele Herrenhausen, gilt als eine Kandidatin für Hamburg. Die diesjährige Ausgabe der Kunstfestspiele Herrenhausen ist freilich längst geplant: „Entfesselte Welten“ lautet das Thema des Festivals, das vom 27. Mai bis 19. Juni stattfindet. 26 Veranstaltungen sind terminiert, in denen es – wie auch bei der ersten Ausgabe der Festwochen im vergangenen Jahr – um das Überschreiten von Grenzen und den Dialog der Disziplinen gehen soll. Einige Künstler wie Stefan Litwin und Heiner Goebbels waren auch schon im Vorjahr dabei. Neu bei den Kunstfestspielen sind unter anderen der Schauspieler Klaus Maria Bran­dauer, der Schriftsteller und Moderator Roger Willemsen und die Sopranistin Patricia Petibon.

In Hannover jagt 2011 ein Theaterfestival das andere. Kaum sind die Kunstfestspiele beendet, beginnen die Theaterformen. Das Festival, das im jährlichen Wechsel mal in Braunschweig, mal in Hannover stattfindet, ist 2011 wieder in Hannover zu sehen. Anfang April soll das Programm bekannt gegeben werden, dann beginnt auch der Vorverkauf. Ein Thema des Festivals ist das Zusammenleben der Religionen und Kulturen. In „Made in Paradise“ werden der Niederländer Yan Duyvendak und der Ägypter Omar Ghayatt kleine Szenen und Geschichten über Orient und Okzident spielen – nach den Wünschen des Publikums. Eine Produktion der Theaterformen findet wie immer in Zusammenarbeit mit dem hannoverschen Schauspielhaus statt. Der französische Theatermacher Philippe Quesne, der bei den Theaterformen 2009 mit seiner Compagnie „Vivarium Studio“ die Zuschauer in Hannover begeisterte, wird ein Stück erarbeiten, in dessen Mittelpunkt die Bühnentech­niker des Schauspiels Hannover stehen. Sein „Pièce pour la technique du Schauspiel de Hanvore“ hat am 23. Juni Premiere.

Romanadaptionen sind nach wie vor der Renner auf deutschen Bühnen. Nach Theaterfassungen von Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ und Uwe Tellkamps „Der Turm“ folgt eine wahre Flut von für die Bühne umgeschriebenen Bestsellern. Schriftstellerin Julia Franck, Regisseur Volker Hesse und Dramaturgin Winnie Karnofka erarbeiten für das Deutsche Theater (DT) Göttingen eine Bühnenversion von Francks Roman „Die Mittagsfrau“. Die Autorin, die 2007 für das Werk den Deutschen Buchpreis erhielt, hat angekündigt, sich die Inszenierung im DT noch anzuschauen.
Am Thalia Theater Hamburg ist in der Spielstätte Gaußstraße am 21. Januar die Theaterfassung von Don DeLillos „Falling Man“ zu sehen. Im Theater Aalen kommt T. C. Boyles Roman „Das wilde Kind“ auf die Bühne. Am Meininger Theater steht Martin Walsers „Ein liebender Mann“ auf dem Programm. Am Schauspiel Hannover hat am 12. Februar Tom Kühnels Inszenierung „Bauern, Bonzen, Bomben“ nach dem Roman von Hans Fallada Premiere.

Das Junge Theater in Göttingen hat seinen Spielplan umgestellt. Eigentlich sollte das Stück „Der Kaktus“ Premiere haben. Doch jetzt steht das Endzeit-Werk „Nach dem Ende“ auf dem Spielplan. Darin geht es um einen Mann und eine Frau, die in einem Bunker gefangen sind, weil auf der Erde alles zerstört ist. Ihm gehören das Refugium und die Lebensmittelvorräte, sie ist von ihm abhängig. Das Kammerspiel um Manipulation und psychische Gewalt inszeniert Tim Egloff, ein Schauspieler mit Hauptrollen in TV- und Kinofilmen beispielsweise an der Seite von Daniel Brühl in „Schule“, der 2008 sein Debüt als Regisseur gab.

Am 19. März steht in Hannover eine Inszenierung des Intendanten auf dem Spielplan. Lars-Ole Walburg präsentiert die Schauspieloper „Der Silbersee“ von Kurt Weill nach einem Text von Georg Kaiser. Walburgs jüngste hannoversche Inszenierung, Roland Schimmelpfennigs „Der goldene Drache“, wird in diesem Jahr in Zürich gezeigt, aus Zürich kommt im Gegenzug „Die Panne“ von Friedrich Dürrenmatt als Gastspiel nach Hannover. Walburg hat das Stück im Oktober in Zürich inszeniert.

Synergieeffekte nutzt man auch bei den Salzburger Festspielen. Die spannendste Schauspielproduktion dort hat am 28. Juli Premiere und wird dann Ende September vom Hamburger Thalia Theater übernommen: Nicolas Stemanns Inszenierung von „Faust I“ und „Faust II“. Ob das eine Mammutproduktion wird wie der „Doppel-Faust“ von Peter Stein zur Weltausstellung in Hannover? Ein Theaterereignis wird’s auf jeden Fall.

Von Ronald Meyer-Arlt / Peter Krüger-Lenz / dpa