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Regional Thomas Bischoff inszeniert Dostojewskijs „Verbrechen und Strafe“
Nachrichten Kultur Regional Thomas Bischoff inszeniert Dostojewskijs „Verbrechen und Strafe“
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21:28 02.05.2010
Intensives Spiel: Alois Reinhardt, Paula Hans, Ingrid Domann, Marie-Isabel Walke und Philip Hagmann (von links). Quelle: Urban
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Raskolnikow steht im Zentrum der Geschichte. Er musste sein Jurastudium aufgeben, weil ihm das Geld zum Leben fehlte. Jetzt verfügt er über noch weniger Bares, weil er ohne Studium auch keine Nachhilfeschüler mehr hat. Der Mord an der wucherischen Pfandleiherin Iwanowna soll den Befreiungsschlag bringen, nicht nur finanziell, sondern auch intellektuell. Denn schon länger treibt ihn der Gedanke um, dass genialische Menschen für den Fortschritt morden dürfen. Die Tat soll zeigen, ob auch er zu einer solchen Elite zählt. „Ein Tod gegen 100 Leben – das ist doch Arithmetik.“
Mit großem Ensemble hat Bischoff den Roman auf die Bühne gebracht. Das ist auch notwendig, denn Nebenrollen oder Füllfiguren hat der Regisseur nicht vorgesehen. Selbst kleinere Rollen sind unersetzlich und auch in ihrer Kürze eher wie Hauptrollen angelegt. Um Alois Reinhardt, der den Raskolnikow sehr leidensstark spielt, hat er ein Personal versammelt, das großes leistet. Paul Wenning ist mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit Staatsanwalt Petrowitsch, der mit an Überheblichkeit grenzender Lässigkeit die Schlinge um den Täter enger und enger zieht. Philip Hagmann steht leidenschaftlich und bis zur Selbstaufgabe an der Seite seines Freundes Raskolnikow. Marie-Isabel Walke zeigt große Kraft als Raskolnikows Schwester, die so unentrinnbar verstrickt ist im fatalen Gespinst zwischen Familie und eigenem Leben. Ihren ersten Auftritt am DT hat Paula Hans als „Die Fremde“. Die junge Schauspielerin gehört ab der kommenden Spielzeit fest zum DT-Ensemble.
Mit großer Intensität hat Regisseur Bischoff ganz im Sinne Dostojewskijs diese Geschichte voller psychologischer, philosophischer, soziologischer und kriminalistischer Motive entwickelt und dabei auf verlässliche Partner vertrauen können. Ausstatterin Isabelle Krötsch hat ein Bühnenbild erdacht, das mit minimaler Requisite maximale Räume schafft. Mit Projektionen von Fotografien, überwiegend von ihr selbst an Orten wie St. Petersburg oder Paris aufgenommen, suggeriert sie Stadtraum, federleichte textile Wände schaffen Wohnraum. Viel Welt auf einer Bühne. Mit ihr hat Bischoff schon mehrfach zusammengearbeitet, mit dem Musiker FM Einheit auch. Der Ex-Schlagwerker der Band „Einstürzende Neubauten“, mit der er in den 1980er Jahren Lärm zu Musik organisierte, hat zu der Inszenierung Musik komponiert, die wie ein Puls den Lauf der Geschichte meist begleitet, manchmal forciert. Bässe dröhnen wie der Schmerz in Raskolnikows Schädel, schrill kreischen Übersteuerungen, wie sie Gitarren auslösen, die zu dicht an Lautsprecher gehalten werden. Grenzen der Akustik, Grenzen der Erträglichkeit für Dostojewskijs Figuren.

Leichte konsumierbare Kost ist es gewiss nicht, die Bischoff mit dem DT-Ensemble auf die Bühne gebracht hat. Das spürte auch das Premierenpublikum: Einige Stühle blieben nach der Pause unbesetzt. Doch wer sich dem intensiven Spiel des Ensembles bis zum Ende ausgesetzt hatte, hatte einen düster-berührenden, lange nachwirkenden Theaterabend erlebt.

Weitere Vorstellungen: 10., 11., 18., 21., 27. Und 28. Mai sowie am 2. und 24. Juni um 19.45 Uhr, am 7. Juni um 20.30 Uhr im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05   51   /   49   69   11.

Von Peter Krüger-Lenz

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