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Regional Thorner Künstler in Göttinger Galerien
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13:14 23.09.2018
Plakatkunst aus Thorn im Seitenflügel der Galerie Alte Feuerwache.
Plakatkunst aus Thorn im Seitenflügel der Galerie Alte Feuerwache. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

„3-2-1-Ö“: „Der Name der Ausstellung ist schon Kunst“, sagte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) zur Eröffnung in der Galerie Alte Feuerwache und lieferte die Erklärung gleich nach. 3 stehe für die Galerien, die sich an dem kulturellen Austausch zur Feier des 40. Jahrestages der Städtepartnerschaft zwischen Göttingen und Thorn beteiligen. Die Zahl 2 stehe für die beiden Städte und die 1 für die Partnerschaft. Das Ö ist dem Namen Göttingens entlehnt, ein Buchstabe, der im polnischen Alphabet nicht vorkommt – ein kreativer Kunstgriff des Kurators Krzysztof Bialowicz, der den Austausch auf polnischer Seite organisierte und die Künstler für die Göttinger Ausstellungen auswählte.

„Vielfalt der künstlerischen Welt in Thorn“

Eröffnet wurden die Schauen in der Galerie Alte Feuerwache am Ritterplan. Beteiligt sind auch die Galerie Art Supplement, ein Ableger der Alten Feuerwache in der Burgstraße, und das Künstlerhaus an der Gotmarstraße. Viele Räume, die es zu füllen galt. Malerei und Farbe stehe in der Schau in der Alten Feuerwache im Mittelpunkt, Malerei und Experiment im Seitenflügel des Ausstellungsgebäudes, erläuterte Bialowicz. Grafik und Fotografie sind Themen in der Galerie art Supplement, zeitgenössische Malerei im Weißen Saal des Künstlerhauses und Objekte und Multimedia. Er habe „die Vielfalt der künstlerischen Welt in Thorn“ zeigen wollen, im Gegensatz zu Göttingen eine Stadt mit einer Kunstakademie. Im persönlichen Gespräch empfahl der Kurator, der auch Künstler ist, auch in Göttingen zumindest eine kleine Fakultät oder etwas ähnliches in Göttingen einzurichten. „Das verändert das Leben in einer Stadt“, sagte er.

Aus eben dieser Thorner Akademie sind Werke von Professoren zu sehen, aber auch von Kunststudenten und frei arbeitenden Künstlern. Er habe auch Jung und Alt verbinden wollen, erklärte Bialowicz in seiner launigen Eröffnungsrede. Als „sehr charmant“ empfand eine Besucherin den Auftritt des Kurators.

Künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten

Die bunte Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten der polnischen Gäste prägt alle Räume in den drei Institutionen. Im großen Galerieraum in der Alten Feuerwache steht die naive Malerei von Iwona Liegmann neben routiniert gearbeiteten gegenstandslosen ausdrucksstarken Werken von Joanna Dabkiewicz-Luscinsksa und spielerisch leichten Farbexperimenten von Krzysztof Pitula. Im Seitenflügel trifft klassische abstrakte Malerei auf Lichtobjekte, die aus den 1960-Jahren stammen könnten. Barbara Kaczorowska präsentiert einen Zyklus feiner, reduzierter Porträtbilder, während in der Nachbarschaft sehr dynamische Plakate „Design gegen Krise“ thematisieren. In der Galerie Art Supplement zeigt Jolanta Jedrej den Zyklus „Da-sein“, Fotografien von starken Frauen, und Wojtek Szabelski widmet sich mit seinem Foto-Zyklus dem Traum.

Im Künstlerhaus beeindrucken vor allem die Objekte. Katarzyna Lyszkowska zeigt eine Hängematte, deren Liegefläche nach unten ausfasert –ein fein entwickeltes System, das noch schön ausschaut, aber seine Funktion verloren hat. Wer sich hier niederlegt, fällt einfach durchs Raster. Die Silhouette einer Figur hat sie aus Puzzleteilen zusammengesetzt, doch das wichtigste fehlt, das Herz. Dorota Chilinska hat Uhren und andere Gegenstände in Harzblöcke gegossen, eine Metapher auf die Zeit. „Grenze“ hat Krszysztof Mazur ein eher kleines Objekt genannt, das er aus einem Multiplex-Brett gefertigt hat. Dünn sind dessen Schichten, ihre Grenzen präzise. Durch das Abtragen von Schichten hat Mazur Dreidimensionalität geschaffen.

Viel Beifall von den Vernissagebesuchern

„Kunst verbindet, Kunst regt zur Diskussion an, Kunst öffnet Horizonte“, erklärte Oberbürgermeister Köhler und erntete dafür viel Beifall von den Vernissagebesuchern, die das offensichtlich für als gelungenes Motto für diesen künstlerischen Austausch und die Städtepartnerschaft schätzten. Und der Direktor der Thorner Kunstakademie bedankte sich für die Gastfreundschaft der Göttinger, aber auch „für die kleinen Dinge, die so groß sind wie das Gebirge Harz“.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 14. Oktober in der Galerie Alte Feuerwache (Ritterplan 4, montags bis freitags von 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 13 Uhr,) in der Galerie Art Supplement (Burgstraße 37A, montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 13 Uhr) und im Künstlerhaus (Gotmarstraße 1, dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 16 Uhr).

Von Peter Krüger-Lenz

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