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Regional Tiberinsel ist Kunstwerk des Monats
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20:52 25.10.2013
Die  Zeichnung „Tiberinsel in Rom“ aus der Kunstsammlung des Kunsthistorischen Seminars. Quelle: EF
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Göttingen

Seit dem frühen 16. Jahrhundert führte es besonders häufig niederländische Künstler nach Rom. Den bekanntesten unter ihnen, wie Jan Gossaert, Maarten van Heemskerck, Frans Floris oder Hendrick Goltzius, sind die Kenntnis über römischen Denkmäler und Stadtlandschaften, für die es sonst keine Bildzeugnisse gäbe, zu verdanken.

Eine römische Stadtlandschaft dieser Art zeigt auch eine Göttinger Zeichnung. Das Bild gibt ein getreues und lebendiges Bild der Tiberinsel wieder. Sie zeigt ihre charakteristische Ansicht stromaufwärts, mit den zwei antiken Brücken Ponte Cestio und der Ponte dei Quattro Capi.
Dahinter öffnet sich der Blick auf die Stadt.

Während Teile der Häuser sehr skizzenhaft bleiben, sind viele Details, wie die Glocken des Kirchturms, exakt ausgeführt. Zu Seiten der Brücken und hinter ihnen wird der Blick auf weitere Gebäude der Stadt gelenkt. Es werden palastartige Architektur und wehrhafte Türme gezeigt, aber auch kleine Holzhütten am Tiberufer, zwischen denen Wäsche zum Trocknen hängt, so dass ein buntes Stadtpanorama entsteht.

Am Ufer des Tibers

Obwohl es so wirkt, als ob der Künstler zum Zeichnen selbst am Ufer des Tibers stand, war dies nicht der Fall. Zwei beinahe deckungsgleiche Parallelkopien dieser Ansicht in der Albertina in Wien und der Devonshire Collection in Chatsworth machen den Verdacht zur Sicherheit: es handelt sich bei der Göttinger Zeichnung – sowie auch bei den weiteren Blättern – um Schülerkopien nach einer Meisterzeichnung, die jedoch unbekannt ist.

Eine Aussage über die Datierung und Zuschreibung des Vorbildes zu treffen, ist schwierig. Möglicherweise entstand es bereits früher als seine Kopien. Der kleine hölzerne Aufbau auf der Brücke, sowie der schlanke Wehrturm auf der Ponte Cestio sind nur aus der Zeit in den 50er Jahren des 16. Jahrhunderts bekannt. Stilstische Merkmale machen jedoch eine zur Schülerkopie zeitgleiche Datierung in das späte 16. oder frühe 17. Jahrhundert plausibler.

Urheber des Originals

In der Forschung sind die Namen Willem van Nieulandt, Jan Brueghel d. Ä. und Gerhard Ter Borch d. Ä. als mögliche Urheber des Originals genannt worden. Wenn eine genaue Zuschreibung auch nicht getroffen werden kann, ist es wahrscheinlich, dass die Göttinger Zeichnung ein Vorbild aus diesem Künstlerkreis hat.

Die Zeichnung gibt ein Beipiel für die Ausbildungspraxis des Kopierens und zeigt, wie lebendig und echt eine Stadtlandschaft wirken kann, auch wenn der Künstler das Motiv selbst nicht vor Augen, ja es vielleicht sogar nie gesehen hatte.

Das Bild wird am Sonntag, 3. November, Thema einer Veranstaltung aus der Reihe „Kunstwerk des Monats. Referentin ist Kirsten Nele Reiter, studentische Hilfskraft am Kunstgeschichten Seminar der Universität Göttingen. Der Vortrag beginnt um 11.30 Uhr im Hörsaal 11 des Auditoriums, Weender Landstraße 2.

Von kirsten Nele Reiter