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Regional Tief bewegende Kraft
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14:27 21.11.2016
Von Michael Schäfer
Eindrucksvoll: die Jacobikantorei bei ihrem Konzert.
Eindrucksvoll: die Jacobikantorei bei ihrem Konzert. Quelle: Heller
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Göttingen

Kurz vor seinem Tod hat Reger zwei Chorwerke komponiert, die sich mit dem Abschied von der Welt befassen. Beide haben keinen explizit christlichen Text. „Komm, Trost der Welt, du stille Nacht“ beginnt Joseph von Eichendorffs Gedicht „Der Einsiedler“, das dem ersten Stück zugrundeliegt. Im „Requiem“ hat Reger nicht den bekannten liturgischen Text vertont, sondern ein Gedicht von Friedrich Hebbel, das mit der Mahnung „Seele, vergiss sie nicht, Seele, vergiss nicht die Toten“ anhebt.

Beide Stücke sind kurz, aber von tief bewegender Kraft des Ausdrucks, besetzt mit Chor, einem Baritonsolisten und großem Orchester. Reger arbeitet die Kontraste der Texte wirkungsvoll aus, etwa im Requiem den aufbrausenden „Sturm der Nacht“ gegen den zärtlichen „Schoß der Liebe“. Und er hält sich von seiner Modulationsfreude auffallend zurück - was aber nicht zu einer schlichten Harmonik führt. Im Gegenteil: Hier müssen Choristen besonders gut vorbereitet sein, dass sie sich nicht im Gestrüpp der Halbtöne verirren.

Dass taten sie denn auch nicht. Sie bewältigten ihren Part mit stets angemessener Stimmkraft und feinen dynamischen Abstufungen. Solist Andreas Scheibner ließ darüber seinen edlen, volltönenden Bariton glänzen. Die Jenaer Philharmonie bot eine ausgewogene instrumentale Grundierung.

Im Requiem von Peter Cornelius, der wie Reger das Hebbel-Gedicht vertont, mussten sich die Choristen in einem siebenstimmigen A-cappella-Satz bewähren. Das gelang ihnen auf beachtlichem Niveau, auch wenn die Intonation stellenweise ein wenig verrutschte.

Drei themagerechte instrumentale Tondichtungen nach Gemälden von Arnold Böcklin komplettierten das Programm: „Die Toteninsel“ in den Vertonungen von Reger und Rachmaninow sowie „Der geigende Eremit“ von Reger. Das waren wunderbare Ergänzungen zu den Vokalwerken, geprägt von reicher spätromantischer Harmonik und tiefer Emotionalität, die Stefan Kordes spannungsreich und dynamisch diffenziert dirigierte. Viel Applaus.